Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 7 (1.3.1938)
- Date
- 1938-03-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. 7 Veranstaltungen. \V;r weisen schon heute darauf hin, daß am Sonntag, den 6. Mar: eine Purimfeicr für alle Gemeinden des Rabbinatsbezirks Landau geplant ist. Nähere Einladungen hierzu ergehen noch. Ferner ist für Anfang April in Landau ein Synagogenkonzert des Karlsruher Synagogenchors vorgesehen. Nähere Bekanntma» chung erfolgt noch. Dank. I Für die anläßlich des Todes unserer lieben Mutter erwiesene Anteilnahme danken herzlich. Johanna und Siegfried Weil. Albersweiler. Todesfall. Der langjährige ehrenamtliche Vorbeter der Ge« meinde Herr Julius "Samuel (früher Annweiler), der vor 2 Jahren n.uli U S A auswanderte, ist. in St. Charles im Alter von 58 Jahren gestorben. Edenkoben. D. Bär und Frau, sagen allen Freunden und Bekannten nur auf diesem Wege ein herzliches Lebewohl. Von seinen ehemal. Schülern insbesondere verabschiedet sich Lehrer Bär mit den besten Wünschen für die Zukunft. i Herxheim. Am 26. Februar begeht Fräulein Lenchen Dreyfuß, z. Zt. im Paulusstift zu Herxheim b. Landau,' ihren 89. Geburtstag. Wir w ünschen der Jubilarin noch viele Jahre in Gesundheit und Frische — »•»• ^»«*«««««^ — v>»> ««« i Qr u>r i - i> Rül:heim. \ Dank. Für dk anläßlich des schweren Verlustes meines lieben Mannes und unseres guten Vaters Adolf Haas erwiesene Teilnahme danken herzlichst Frau Adolf Haas und Kinder Familien Haas, Aron und Mayer. Rülzheim, Pirmasens. Charlotte (U S A), München. Persönliche Nachrichten. Erledigung von Buchhaltungsarbeiten. Berichtigung und Widerruf. Betr. Ausgabe vom 28. November 1937. In meiner Anzeige v. 28. 11. 37 habe ich mich auf die Zustim» mung des Finanzamts Landau Pfalz berufen. Ich besitze die Zustimmung des Finanzamts Landau nicht und ziehe hiermit meine Annonce zurück. > Karl Heller, Landau Pfalz, Gymnasiumstraße 9. Wer'hat Tefillin billig oder unentgeldlich abzugeben. Näheres an das Bezirksrabbinai Gut erhaltene Schreibmaschine Adler Nr. 7 verkauft Ludwig, Levy, Landau, Adolf Hitlerstraße 11. Wer hat einen gebrauchten Kabinenkoffer abzugeben? Angebote wollen an das Eezirksrabbinat gerichtet werden. Nach der Veranstaltung des Kulturbundes am 10. Februar blieben ein braunes Zigarrenetui (mit 2 Zigarren) und ein schwarzer Taschenkamm zurück. Abzuholen bei N. Rosenblatt, Landau, Marktstraße 81 III. Rabbinatsbezirk Pirmasens Bewegung des Rabbinatsbezirks: Trauung: 2. Febr.: Herr Moritz Siegel aus Landau und Fräulein Rosa Strauß aus Landstuhl, in Pirmasens. Die ausgezeichneten Sabbathe. Unter den Sabbathen des jüdischen Jahres sind vier Sabbathe vor dem Pcßachfeste durch die Bestimmung ausgezeichnet, uns auf das Fest hinzuweisen und vorzubereiten. Sie sind nach den vier Zeitabschnitten (Arba Parschijjoth), die außer den lautenden Sidroth im Morgengottesdienste aus der Torah vprgelesen werden, benannt. Gleichsam wie Herolde ziehen sie der Feier des Frühlings» und Freiheitsfestes voran, uns offenbarend, auf welchen Grund« lagen1 das jüdische Leben sich erneuert und aufbaut. Der Sabbath, der dem Neumond Adar, im Schaltjahre Adar scheni, vorangeht oder mit ihm zusammenfällt, ist der Schabbath Schekalim. An ihm wird der Abschnitt 2. B. Mose XXX, 11—16 vorgelesen, welcher anordnet, daß jeder Jude vom 20. Lebensjahre an bei der vorzunehmenden Musterung oder Zahlung verpflichtet sei, einen halben Schekel zur Erhaltung des Heiligtums zu enr» richten. „Der Reiche soll nicht mehr, der Arme nicht weniger geben als einen halben Schekel." Damit wird die Gleichheit der Pflichten und Rechte verkündet, die gleichsam die Schwelle des Heiligtums ist, wie sie auch die Vorbedingung der Freiheit, der Grundlage aller menschlichen Ordnungen, sein soll. Dieses biblische Schekelgesctz will noch heute an die allen Juden gemeinsame Pflicht gemannen, für die Erhaltung unserer Gemeinden und ihrer Einrichtungen, für die Pflege des Gemeindelebens Spenden zu leisten, ja Opfer zu bringen und sich dem Wohle der Gesamtheit mit heiligem Eifer zu widmen, denn nur aus der erfüllten Pflicht erblüht der Segen der Sterbefälle: 31. Jan.: Frau Henriette Bonem geb. Müller aus St. Ingbert 75 Jahre. 17. Febr.: Fräulein\ Juliane Mai aus Pirmasens, 84 Jahre. Auswanderung: Nach USA: Herr Emst Mai aus Wallhalben. Wegzug. Nach Krefeld: Herr Seligmann Marcus aus Pirmasens. Aus den Gemeinden. Pirmasens. Jüdische Auswanderung nach Uebcrsee. vUeber dieses aktuelle Thema veranstaltete der Hilfsverein der Juden in Deutschland am 26. Januar einen Vortragsabend, der von zahlreichen Gemeindemitgliedern besucht waV. Das erste Referat erstattete der Generalsekretär des 'Hilfsvereins, Herr Dr. Mark Wischnitzer. Als die Judenheit in Deutschland im Jahre 1933 vor neue Aufgaben sich gestellt sah, besaß sie bereits im Hilfsverein das Instrument einer jüd. Organisarion, die wanderungspolitische Erfahrungen harte. Diese Organisation ist in den folgenden Jahren durch die Errichtung von 15 Beratungsstellen im ganzen Reiche weiter ausgebaut worden. Der Referent unterzog sodann die ver» schiedenen überseeischen Länder, die daselbst vorhandenen Ein* wanderungs», Lebens* und Betätigungsmöglichkeiten einer eingehenden Betrachtung und empfahl die Auswanderung nach Kenia (brit. Besitz in Ostafrika) und nach Australien als aussichtsreich insbesondere für junge in der Landwirtschaft, Gärtnerei und im Handwerk ausgebildete Menschen. Mit finanzieller Unterstützung der jüd. Instanzen und des Hilfsvereins konnten in den Jahren 1933—37 etwa 12000 Juden in Deutschland zur Auswanderung nach Ucbersee gebracht werden. Zu dieser Zahl kommt noch das Dreifache an Menschen, die zwar nicht finanziell unterstützt zu werden brauchten, die aber sich des Hilfsvereins zur Auskunfts* erteilung, zu Beratungen und Empfehlungen bedienten. Herr Dr. Wischnitzer appellierte an alle Anwesenden, Mitglieder des Hilfs« Vereins zu werden, der heute eine Schicksalsgemcinschaft geworden ist. Herr Assessor a. D. Steeg, der die Beratungsstelle in Mannheim E 7, 28 für die Stadt Mannheim und die Pfalz leitet, berichtete über die Fülle der Kleinarbeit, die zu bewältigen ist, und forderte von den Auswanderungswilligen Treue gegen das Judentum. "Mit dem Dank des Mitgliedes des Synagogenrats, Herrn Karl Kahn, der die Versammlung leitete, an die beiden Redner klang der aufschluß« reiche Abend aus'. '—Am darauffolgenden Tage hielt Herr Assessor a. D. Steeg im Gemeindezimmer eine mehrstündige Beratung ab, zu welcher sich 25 Personen aus Pirmasens und Umgegend ein* fanden. Am 2. Februar besuchte unsere Gemeinde Frau Lucie Levy* Zobel im Auftrage der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, um mit den schulentlassenen und zur Schulentlassung kommenden Jugendlichen und deren-Eltern eine Aussprache über die Berufs« wähl, Berufsausbildungsmöglichkeiten und Berufsaussichten zu pfle« gen. An der Aussprache mit den Jugendlichen, die am Nachmittage stattfand, nahmen 17 junge Menschen aus Pirmasens und Rodalben teil. In dem Vortrage, den Frau LevyZobel am Abend vor den Erwachsenen hielt, brachte sie die Einstellung der Eltern zur Frage der Berufswahl ihrer Kinder vor dem Kriege in Erinnerung^ be« sonders das ablehnende Verhalten gegen die Erlernung eines hand« werklichen oder landwirtschaftlichen Berufes. Die Zeit nach dem Kriege brachte eine Mechanisierung der Berufe, auch der kauf« männischen, wodurch die Individualarbeit in weitem Maße ver« drängt wurde. Heute steht unsere Jugend unter dem Zwange der Auswanderung, mit der Pflicht zur inneren Umstellung der Eltern auf die Notwendigkeit 'lihre Kinder geeigneten handwerklichen Freiheit, der Segen der Rettung aus Gefahren und Nöten, der Erlösung von Sorgen und Leiden, der Segen innerer Befriedigung für die Gemeinschaft. Die Vorschrift der gleichen Besteuerung aller leistungsfähigen und leistungspflichtigen Juden erfährt in diesem Jahre eine neue besondere Sinngebung. Sie soll nach dem Wunsche der Reichsvertretung der Juden in Deutschland ihre An» wendung und Erfüllung finden dadurch, daß alle jüdischen Männer und Frauen, die noch helfen können, an dem auf den Schabbath Schekalim folgenden Sonntage, d. i. am 27. Februar, dazu aufge« rufen werden, durch Spenden und den Erwerb von Spendenscheinen für sich und für andere die zusätzlichen Mittel aufzubringen, die zur Betreuung und ausreichenden Versorgung der Hilfsbedürftigen in den Notstahdsgemcinden erforderlich sind. Alle diejenigen, welche sich an diesem Tage in die Zahl der Helfenden einordnen und damit „Werkdienst üben an dem Zelte, das die Jüd. Winter» hilfe über die Hilfsbedürftigen mnserer' Gemeinschaft spannt," werden als hilfsbereite Juden gezählt. Der Schabbath Sachor geht dem Purimfeste unmittelbar voran. „Gedenke" ruft uns der an ihm zur Verlesung bestimmte besondere Toranabschnitt 5. B. Mose XXV, 17—19 zu, der uns an Amaleks Feindschaft erinnert. Wir gedenken der leidvollen Schicksale Jsraels in der Vergangenheit, der schweren Gefahren, in denen unser Volk um seinen Fortbcstand bangte, gedenken aber auch der in der Festigkeit ihrer religiösen Ueberzeugung begründeten Stand« haftigkeit unserer Vorfahren und ihrer Hingabe an ihre Pflicht, gedenken der Hilfe Gottes, des Hüters Jsraels, und wir besinnen