Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 7 (1.3.1938)
- Date
- 1938-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 7 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 7 und landwirtschaftlichen Berufen zuzuführen, eng verbunden ist. Für die Einzel« und Familienwanderung kommt im wesentlichen Nord* und Südamerika, für die Gruppenwanderung bis auf Weiteres nur Palästina in Frage. Für jegliche Auswanderung aber ist eine gründliche Ausbildung als Handwerker oder Landwirt und die An« eignung von Sprachkenntnissen erforderlich. Die Rednerin wies auf die Bedeutung des 9. Schuljahres für die geistige Berufsvorbe* bereitung hin, sowie auf die Ausbildungsstätten der MittIeren»Hach« scharah in Deutschland, Holland, Italien und Dänemark und der Jugendalijah in Palästina, ferner auf die zahlreichen in Groß« femeinden errichteten Lehrwerkstätten, denen auch meistens Wohn« eime angeschlossen sind. Die sehr instruktiven«• Ausführungen lösten eine lebhafte Aussprache aus, die Herr Dr. Neilhaus als Leiter des Abends mit einer kurzen Zusammenfassung und mit Dankes« worten an die Rednerin beendete. Jüdischer Kulturbund für die Pfalz, Ortsgruppe Pirmasens. |Für den Monat März ist ein Lieder« und Arienabend mit der hervorragenden Sängerin Susanne Loewenstein, Berlin und Herrn Wolfgang Rose als Begleiter in Aussicht genommen. Näheres über diees Veranstaltung werden die Mitglieder aus einer beson« deren Einladung und aus 'dem Programm erfahren. Für Ende April ist eine Nachholung des „Bunten Abends" mit Camilla Spira» Eisner und Erna Klein am Klavier vorgesehen. ( Der Bildungsausschuß. Jüdische Winterhilfe Pirmasens. Auch im Februar konnten wir dank der Opterwilligkeit unserer Spender die uns gestellten Aufgaben erfüllen und die von uns Be treuten in Pirmasens und auf dem Lande mit Lebensmitteln und Kohlen versorgen. Das Ergebnis der Hintopf Sammlung am 13. Februar blieb hinter dem der Vormonate keineswegs zurück. Hier» für sei den Spendern und Sammlern herzlichst gedankt. Wir treten nunmehr in den letzten Monat der Winterhilfszeit ein und stehen damit vor Sonderleistungen und Sonderausgaben, welche Purim und Peßach erforderlich machen. Vor allem wird die Mazzothversorgung einen hohen Kostenaufwand verursachen. Wir rufen daher alle Spender zu einer tatkräftigen finanziellen Unterstützung unseres Hilfswerkes auf und sprechen den Wunsch und die Erwartung aus, daß alle beitragspflkh:igen Gemeinderr.i gli:der im Laute des Mona s März restlos ihren Verpflichtungen gegen die Jüdische Winterhilfe nachkommen und uns die etwa noch rückständigen und die fälligen Beiträge in voller Höhe überweisen. Wir können auf keine Spende verzichten, um den großen Aufgaben und Anforderungen, die in diesem Monat an uns gestellt werden, gerecht zu werden.- — Lebcnsmittelausgabe am Mittwoch, den 2., 16. und 30. März, 4 Uhr. 6. Eintopfsammlung am Sonntag, den 13. März. — Am 27. Februar > nimmt auch die Jüdische Winterhilfe Pirmasens auf Veranlassung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland eine Zählung der hilfsbereiten Juden in unserer Gemeinde vor. Es soll die Zahl der Juden festgestellt werden, die hilfsbereit die Mittel aufbringen, die zur Unterstützung der hilfsbedürftigen jüdischen Menschen in den Notstandsgemeinden gebraucht werden. Unsere Helfer werden an diesem dem Sabbath Schekalim folgenden Sonntag alle Ge* meindemitglieder besuchen und sie auffordern, für sich, ihre Ange« hörigen und verarmte Gemeindegenossen Spendenscheine im Werte von 50 und 25 Pfg. zu erwerben. Wir hoffen, daß alle sich zu dieser Sonderspende bereitfinden und sich an dieser einer biblischen Vorschrift neuen Sinn und Wert gebenden Aktion des Zählens und Heltens beteiligen werden. Um auch eine seelische Winterhilfe unseren Gemeindcmit» gliedern, insbesondere den von uns betreuten, zu bieten, veran« stalteten wir am 17. Februar einen Jugendnachmittag, zu dem etwa 60 Schüler und Schülerinnen aus Pirmasens, Rodalben und Waldfischbach erschienen, und einen Abend für Erwachsene, der sich leider eines weniger guten Besuches erfreute. Für beide Ver» anstaltungen hauten wir die Vortragskünstlerin Frau Lotte Lcvy« Baer, Wiesbaden gewonnen, die uns aus dem Füllhorn ihrer lite« rarischen Gaben in reichem Maße spendete und durch die anspre« chende Art der Darbietung uns zu einem wahren Genuß dieser Gaben verhalf. Sie las der Jugend Gedichte, Märchen und Erzäh« lungen vor, gab ihnen Rätsel, Rechenaufgaben und Scherzfragen auf und durfte mit Befriedigung feststellen, daß die Jungens und Mädels voll Begeisterung mitgingen, daß sie aufmerksam zuhörten, daß ihre Augen leuchteten und ihre Herzen vor Freude höher schlugen. Am Abend rezitierte Frau LevyBaer im 1. Teil, der unter dem Motto „Wanderung und Wandlung" stand, zeitgemäße jüdische Dichtungen und las außerdem die Erzählung „Schofar in der Wüste" von M. Wertheirrter. Wir erlebten dabei unser iüdi* sches Schicksal und fühlten uns von der Stimme der Vorsehung angesprochen. Die tiefe Ergriffenheit, welche diese Darbietungen in uns auslösten, wich einer heiteren Stimmung, die der 2. Teil mit seinen Grotesken und Anekdoten jüdischer Schriftsteller in uns erweckte. Wir verdanken Frau LevyBaer einen Abend, der unserem Herzen Stärkung und Labung brachte. Die Leitung. Sonstige Veranstaltungen im März. Zur Vorbereitung einer Schulschlußfcier, die in der ^ersten Aprilhälfte stattfinden soll, wird im März, an jedem Samstag Nach« mittag von 2.30 bis 4 Uhr im Gemeindezimmer ein Oneg Schab« bath für alle Volks» und Mittelschüler unter Leitung des Bezirks« rabbiners veranstaltet werden. Das Erscheinen aller Schüler und Schülerinnen wird erwartet. \ Herr Rabbiner Dr. Rothschild, Saarbrücken hat sich erboten, am Donnerstag, den 3. März, in einem Gemeindcabend über das! Thema „Kräfte im Judentum" zu sprechen. Alle Gcmcinderr.itgleder sind hiermit herzlichst eingeladen. Die Gemeinde wird auch in diesem Jahre eine Gefallenen» Gedenkfeier in der Synagoge veranstalten; sie findet am Helden» gedenktage, d. i. am Sonntag, den 13. März, vormittags 10 Uhr, statt. Zu dieser Feier wird noch besonders eingeladen werden. „Purim in der iüd. Literatur der Neuzeit" soll das Thema sein, das Herr Bczirksrabbincr Dr. Neilhaus am Donnerstag, den 17. März, abends (Purim) mit Rezitationen behandeln will. Alle Gc» meindemitglieder sind hiermit herzlichst eingeladen. Die Gcmeindemitglieder werden gebeten, die Bekanntmachung der oben angekündigten Veranstalhmgen durch Anschlag in der Synagoge, im Gcmcindesaal und im Rest. Mayer ebenso wie die Hinweise auf alle Veranstaltungen im Gemcindcblatt zu beachten, da besondere schriftliche Einladungen nicht erfolgen. Danksagungen. Für die zahlreichen Aufmerksamkeiten, die mir anläßlich meines 90. Geburtstags erwiesen wurden, sage ich allen auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank. Karolinc Schohl Wwe., Pirmasens, Landaucrstr. 30. Für die uns beim Heimgänge unseres lieben Vaters bekundete Teilnahme danken wir bestens. Gustav Herz u. Frau, Pirmasens. Verlobung. Wir zeigen hiermit die am 8. Februar erfolgte Verlobung un» serer Tochter Acnne Channa mit Herrn Charlie Toemann in London N W 2, 46 Blenheim Gardens, Willesden Green ergebenst an Heinrich und Milly Weil, Pirmasens. Verabschiedung. Vor meinem Wegzuge nach Krefeld sage ich Verwandten, Freunden und Bekannten auf diesem Wege herzlich „Lebewohl" Scligmann Marcus, Pirmasens. Persönliche Nachricht. Eine tüchtige Gehilfin wird per sofort gesucht zum 15. April wird ein jüdisches Lehrmädchen angenommen. Luise Mann, Schneidernieistcrin, Rodalbun. uns dabei auf den jüdischen Geist, der uns heute beseelen soll, auf die Werte, die wir zu hüten und zu pflegen, auf die Pflichten, die wir als Juden zu erfüllen haben. Wir schöpfen zugleich aus den Erfahrungen der Vergangenheit neuen Mut und neue Hoffnung und streben im Vertrauen aut Gottes Schutz und Beistand einer besseren Zukunft zu, die „Orah weßimchah" Licht und Freude den sie Erlebenden bringt. Der erste oder zweite Sabbath nach Purim ist der Schabbath Parah. Er trägt seinen Namen nach dem ihn auszeichnenden Ab» schnitt 4i. B. Mose XIX, der die Satzung enthält, daß keiner, der durch die Berührung mit einem Toten unrein war, das Pcßachopfer bringen durfte. Die Israeliten sollten durch die Lesung dieses Ka* pitels aus der Torah daran erinnert werden, daß sie zum nahenden Pcßachfcste durch die eigentliche Sitte der Reinigung, durch die Asche einer „Parah adunah", einer roten Kuh für ihre rituelle Reinheit zu sorgen hatten. Diese Satzung hat neben dem einfachen auch einen symbolischen Sinn: Unreinheit der Seele schließt vom Peßach, schließt von der Freiheit aus. Wir sollen zu der Erkennt» nis hingeführt werden, daß wir, wie wir nach dem Wortlaut dieses Gesetzes für die Reinheit unseres Leibes zu sorgen, auch über die Reinheit unserer Seele verantwortlich zu wachen habem Der vierte Sabbath, der Sabbath vor dem Neumondstag Nissan oder mit ihm1 zusammenfallend, führt nach dem AnfangswortK des an ihm verlesenen Schriftabschnittes 2. B. Mose Xfl, l—20 den Namen Schabbath Hachodesch. Wir hören von der Einset» zung des Nissan als dem ersten aller Monate, weil in ihm die Er*' lösung Jsraels aus der Sklaverei Aegyptens sich vollziehen sollte, wir vernehmen die Vorschriften über die Bereitung des Peßach» lammcs und die Peßachfeier. So eröffnet uns dieser ausgezeich» nete Sabbath die Aussiebt auf das Fest selbst, fordert uns auf, das lest, das an die Erinnerung an das große Ereignis der Befreiung und des Auszuges aus Aegypten geweiht ist, schon und würdig vorzubereiten; er weist uns zugleich damit auf die Pflege des Familiensinnes hin als auf ein wesentliches Moment zur. Begrün» düng der Freiheit, zum reinen Genuß der Freude, auf die Pflege echter jüdischer Geselligkeit, die sich nicht entfaltet, wenn viele zu großem Schmause sich zusammenfinden, sondern wenn die Familie Wk bei . der Sederfeier um den festlieh gedeckten Tisch sich vereint, die sich dadurch bewährt, daß diejenigen, welche durch die Bande des Hintes oder der Freundschaft ' zueinander gehören, den innigen Zusammenhang erneuern, sieh noch fester zusammenschließen. . So tragen diese Sabb.ithe die Möglichkeit und die Kraft in sieh, uns jüdische Gedanken und Lehren, zu vermitteln, die ver« pflichtend und fordernd vor uns hintreten, von dem ewigen Bund uns =u künden, der aus der Frühzeit unserer Geschichte bis zu den fernsten Tagen reicht, den ewig fließenden Quell erschließen zu helfen, aus welchem die judische Seele schöpft zu steter Erneu» crung. I)r,. D. Nellhaus»PirmasCn.