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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-03-01 · 7 (1.3.1938) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
1 (1937 - 1938)
Issue
7 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. 7 v Aus dem Reich. Leo Baeck zu Martin Bube» 60. Geburtstag. Martin Bubcrs Lebenswerk, in seinem Dichten und Denken, in seinem Helfen, Erziehen und Weisen, ist zu jedem Von uns irgend einmal herangetreten, und vielen ist es nahe, viele hat es geleitet. Eine tiefe Dankbarkeit wird lebendig, wenn das Bild dieses Mannes vor uns stehtr Von einem nur soll besonders hier gesprochen sein, von dem, was Martin Bubcr innerhalb unserer Rcichsvertretung uns gibt. Er schuf und lenkt hier die Arbeit für die' Erwachsenenbildung. Er schenkt ihr seine Persönlichkeit, sein schauendes Wissen und seine Zwiesprache, seine große Gabe, zu verstehen und zu hören, und nur wer, zu hören vermag, der vermag zu sprechen. Von uns Juden in Deutschland ist heute gefordert, daß wir andere Bezirke, andere Räume und Formen des Daseins erringen, daß. wir durch den eigenen Entschluß die Notwendigkeiet über winden. Das Entscheidende wird hier die Seele vollbringen; der innere Wandel, das innere Neuwerden bahnt den Weg. Dem will diese Arbeit von Martin Buber dienen. Eine Gemeinschaft wäre in den Tagen der Prüfung verloren, wenn vor ihr nur Menschen wären, denen irgend eine Wahl, irgend ein Hingelangtscin die Bedeutung gäbe. Manch Geschichtliches ist im Drucke der Zeit zu Grunde gegangen, weil nur diese Men sehen da waren. v Zu Martin Bubers Wert fügt kein Amt und kein Auftrag etwas hinzu. Er ist einer von denen, die dem Platze, auf den sie gestellt werden, Ehre verleihen. Landwirtschaftliche und gärtnerische Ausbildung. Die Presscabteilung der Reichsvertretung der Juden in Deutsch* land teilt mit: In dem landwirtschaftlichen Lchrgut .Landwerk Neuendort können zur Zeit eine Reihe von Ausbildungsplätzen für Lind wirtschaftliche und gärtnerische Ausbildung von Jungen und für die Ausbildung von Mädchen im Haushalt, in Geflügelzucht und Milchwirtschaft neu besetzt werden. Prospekte stehen auf Wunsch zur Verfügung. Anfragen von Sclbstzahlern werden erbeten an die: Hauptverwaltung des Land? werk Neuendorf, Bcrlin*Charl. 2, Kantstr. 158. Einjähriger Lehrgang für technische Lehrerinnen. Es ist in Aussicht genommen, April 1938 an der Jüdischen Haushaltungsschule Frankfürt a. M., Quinckcstr. 20, einen ein» jährigen Lehrgang für technische Lehrerinnen zu beginnen. Es können Mädchen aufgenommen werden, die hauswirtschaftlich und technisch begabt sind und eine pädagogische Ausbildung bereits erhalten haben (wissenschaftliche Lehrerinnen, Volksschullehrer* innen, Sport» und Gymnastik'Lchrerinncn, , Kindergärtnerinnen und 1 Iurtnerinnen) oder anderweitig nachweisen können. Ziel des Lehrganges ist die Befähigung zur Erteilung von Hauswirt' Schafts» und 1 landarbeitsunterricht an jüdischen Schulen und haus« wirtschaftlichen Betrieben. Die Kosten betragen für Schulgeld RM. 25.— monatlich; für Wohnung und Verpflegung in der Frank* furter 1 laushaltungsschüle RM. 60.— monatlich. Anmeldungen sind zu richten an die; jüdische Haushaltungs» schule Frankfurt a. M., Quinckcstr. 20. — Beizufügen sind: ein Gesundheitsattest, selbstgeschriebener Lebenslauf und schon vor* liegende Zeugnisse. Lehrgang zur Ausbildung männlicher Turn« und Sportlehrkräfte. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland teilt mit: Um die Frage der Errichtung eines neuen, einjährigen Lehr* gangs zur Ausbildung männlicher Turn* und Sportlehrkräfte in Stuttgart (am gymnastisch'orthopädischcn Institut von Frau Alice Bloch) zu klären, werden Bewerber aufgefordert, umgehend eine Meldung in zweifacher 'Ausfertigung an die Schulabteilung der Rcichsvertretung der Juden in Deutschland, Berlin*Charlotten» bürg 2, Kantstr. 158 III, einzureichen. Beginn des Lehrgangs: 1. April 1938, Schulgeld monatlich PM. 50.—. Aufnahmebedingungen: Vollendetes 19. Lebensjahr; Versetzung nach Obersekunda, bzw. ehemaliges Zeugnis der mitt'i leren Reite, Nachweis besonderer sportlicher Befähigung. Der Meldung ist ein Lebenslauf mit einer Darlegung der wirt* schaftlichen Verhältnisse des Bewerbers beizufügen. Berufsausbildungsstätten für jüdische Jugendliche. 1. Mittleren>Hachscharah. Berufsausbildung d. 15 bis 17 jährigen, insbesondere in Deutschland. Mittleren*Hachscharah ist die berufliche, geistige, sprachliche und gesellschaftliche Vorbereitung jüdischer Jugend auf ein" Leben der körperlichen Arbeit und der Gemeinschaft in Palästina. Die Arbeitszeit in der Mittlercn<Hachscharah beträgt je nach Jahreszeit täglich 5 bis 9 Stunden. Der Rest des Tages ist mit Unterrichts« stunden belegt. Der Untcrrichtsplan umfaßt vornehmlich Fach* kundc, naturwissenschaftliche Fächer,. Hebräisch, jüdische Ge» schichte und jüdische Kulturkunde, zionistische Geschichte, sowie nach Wahl und Befähigung und in einer den Bildungsvoraus» Setzungen der Jugendlichen angepaßten Form Ccscllschaftskunde, Weltgeschichte, Volkswirtschaft, Mathematik und anderes mehr. Ausbildungsstätten der Mittleren*Hachscharah befinden sich irl Deutschland sowie in gewissem Umfang in Holland und Italien sowie für Fischerei in Dänemark und Italien. A) Landwirtschaftliche, gärtnerische und für Mädchen zugleich hauswirtschaftliche Ausbildung in zweijährigen Lehrgängen in fol* genden Ausbildungsstätten: Ahrensdorf, P. Luckenwalde, Blankenese b. Hamburg; Brüderhof, Bz. Hamburg; Ellguth-Steinau, 0»S.; Grüscn*Gemünden; Halbe, Mark; Havelberg, Mark; Jessen.N.'L.; Neuendorf, Mark; Schnie* binchen, N.*L.; Scnnfeld, Baden; Silingtal, Schles.; Urfeld, Kr. Bonn; Werkdorp Wicringen (Holland); Westerbeck, Westf.; Gut Winkel, Mark. Ferner für Jugendliche mit religiöser Lebenshaltung: Börnsdorf b. Bitterfeld (Sa ); Gehringshof b. Fulda; Ricavo, Italien; Steckelsdorf b. Rathenow. B) Handwerkliche Ausbildung für Jungen in zwei* bis dreijährigen Lehrgängen für Holz* und Metallbearbeitung: in den Lehrwerk* Stätten der jüdischen Gemeinden, die mit städtischen Wohnheimen (Mittlercn»Bathe Chaluz) in Verbindung stehen und zwar in Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, München. Ferner für Jugendliche mit religiöser Lebenshaltung in Frank* tun a. M. und Hamburg. C) Besondere Ausbildungsstätten für Mädchen Mädchen»Seminar in Berlin sowie für Jugendliche mit religiöser Lebenshaltung in Hamburg. Weiterhin mehrere anerkannte Ausbildungsstätten in Großbetrieben in Deutschland sowie in Kristinehov (Schweden). D) Ausbildung in Fischerei und Seefahrt Ausbildungsstätten: Fischerei - Zentrum auf der Insel Bornholm (Dänemark), Ausbildung in Küsten* und Hochseefischerei. Seefahrtsheim in Hamburg Erlernung aller Deck» und Maschi* nenberufe der Seefahrt. Ferner für Jugendliche mit religiöser Lebenshaltung: Ausbildungszentrum in Livorno (Italien). Erler* nung aller Arbeiten' des Fischerei'Berufes. 2. Jugend: Alijah. Berufsausbildung der 15 -bis 17jährigen in Palästina. Zweijährige Berufsausbildung in Schulen, Heimen und land* wirtschaftlichen Siedlungen in Palästina. In den Ausbildungsstätten der Jugend» Ali jah wird halbtägig gearbeitet; die zweite Hälfte des Tages ist mit Unterrichtsstunden ausgefüllt. Der Unterrichtsplan entspricht dem der Mittleren»Hachscharah. Die Ausbildungsstatten der Jugend'Alijah sind von der Palästina»Regierung als Schulen geprüft und bestätigt. ..In diesen Monaten werden_jn folgenden Plätzen jüdische Jugendliche .aus Deutschland eingeordnet: Aielet'Hachscharah, Ben Schemen, Gescher, Ginegar, Kfar»Jeho» schua, Misra, Tel«Chaj, sowie Gruppen der religiösen Jugend'Alijah im Iwdi'Heim Jerusalem (Haushaltungsschule), Kfar Noar Dati (religiöses Jugenddorf) und Mikweh Israel (Ackerbauschule). 3. Vorbereitung auf Mittleren-Hachscharah und .Jugend'Alijah insbesondere für 14jährige in der Mittleren*Schule (9. Schuljahr) der Jüdischen Jugendhilfe e. V. in Berlin, der mehrere Wohnheime, besonders für Jugendliche aus kleineren Gemeinden angegliedert sind. Der Lehrplan der Schule ist auf die besonderen Anforde* rungen der Wanderung von Jugendlichen nach Palästina zuge* schnitten. Gesetzestreue Jugendliche werden, insbesondere auch zur Vorbereitung auf Mittleren*Hachscharah und Jugend'Alijah, in der Hoffmannschcn Jeschiwah in Frankfurt'Main und in der Jeschiwah in Mannheim, die mit Wohnheimen in Verbindung stehen, aufgenommen. * Anmeldungen für alle aufgeführten Ausbildungsstätten und Anfragen auch über die Höhe und Regelung der Ausbildungs* kosten, sind zu richten an die Jüdische Jugendhilfe e. V. Berlin* Charlottenburg, Kantstr. 158. Aus der Pf alz Aenderung des Einkommensteuergesetzes. Wichtig 1 Aus der neuen Fassung 'des Einkommensteuergesetzes .vom 6. 2. 38 ergibt sich, daß für Kinder, die Juden sind, Kinderermäßi« gung nicht gewährt wird. Dies gilt auch für Lohnsteuerpflichtige und zwar für diejenigen Lohneinkommen, die für einen Lohn* zahlungszeitraum bezahlt werden, der nach dem 31. Dezember 1937 endet. Auf Grund des Runderlasses des Reichsfinanzministers vom 10. Februar 1938, Rcichssteuerblatt Nr. 14 S. 161, haben nun diejenigen Lohnempfänger, denen Kinderermäßigung bisher ge* währt wurde, ihre Steuerkarten dem zuständigen Finanzamt zum Zwecke »der Berichtigung auf Grund des neuen Einkommensteuer* ßesetzes vorzulegen. Erfolgt die Abänderung der Steuerkarte bis ingstens 28. Februar 1938, so hat eine Lohnstcuernachzahlung für die Monate Januar und Februar 1938 n i c h t stattzufinden, vielmehr ist die auf Grund der abgeänderten Steuerkartc erhöhte Lohn* Steuer erst ab 1. März 1938 zu entrichten. Wir geben von Vorstehendem besonders auch den Beamten Kenntnis und weisen darauf hin, daß bei späterer Abänderung der Steuerkarte auch für die Monate Januar und Februar 1938 die erhöhte Lohnsteuer zu entrichten ist. Landau, den 17. Februar 1938. Verband der Israel. Kulrusjgemeinden der Pfalz- Letzter Einsendungstermin für die nächste Nummer: 17. März.

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