Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 6 (1.2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 6 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 5 spazieren geführt und Einholungen für die Privatwirtschaft des Geschäftsherrn besorgt. Der Geschäftsinhaber und seine Ehefrau wurden bestraft. Das Reichsgericht hat die Bestrafung als zu Recht erfolgt anerkannt, indem es dem im Blutschutzgesetz enthaltenen Beschäftigungsverbot die Auslegung gab, daß alle mit dem Haushalt in Verbindung stehenden Arbeiten unter das Beschäftigungsverbot fallen und daher strafbar sind. . > Reichssonderzuschuß für Kleinrentner. . In einem Erlaß des Reichs' und Preußischen Arbeitsministers vom 15. November 1937 (RAM. I 'S. 309) zur Verteilung des Reichssonderzuschusses für Kleinrentner heißt es: „Es ist dafür zu sorgen, daß alle Kleinrentner die Sonder' beihilte erhalten. Auch die in Anstaltsfürsorge befindlichen Klein' rentner sind zu berücksichtigen, vorausgesetzt, daß ihnen die Sonderbeihilfe selbst zugute kommt. Nicht zu berücksichtigen sind bei dieser Sonderverteilung Kleinrentner, die nach § 5 der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 (RGBl. I S. 1333) Juden sind oder ab solche gelten. Verband Bayerischer. Israelitischer Gemeinden. Eröffnung einer Lehrwerkstätte. l>er Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden hat in München eine Lehrwerkstätte zur Ausbildung auswanderungs* -"williger jüdischer Jugendlicher eingerichtet. Die Lehrwerkstätte hat 30 Arbeitsplätze für Tischler' und 70 Arbeitsplätze für Schlos» ser und Mechanikerlehrlinge. Bei der Eröffnungsfeier sprach der Präsident des Verbandes, Oberstlandesgerichtsrat a. D. Dr. N c u m e y c r. Aus der Pfalz Wohlfahrtsstelle d. Verbandes d. israel. Kultusgemeinden d. Pfalz. Einsetzung von Bezirksärzten. Zum Zwecke der Vereinheitlichung werden die bestehenden vielfältigen Einrichtungen zur Durchführung der Gesundheitsfür' sorge unter der jüdischen Bevölkerung in den einzelnen Bezirken des Reiches zum 1. Januar 1938 zu besonderen Gesund he its* fürsorgestellen ausgebaut, die den Landes' und Provinzialver« bänden für jüdische Wohlfahrtspflege als Abteilungen angegliedert werden, und denen folgende Autgaben zufallen: 1. Fürsorge für werdende. Mütter, Säuglinge und Kleinkinder. Aerztliche Ueberwachung der Kinderheime, Kindergärten und Horte. 2. Schulärztlicher und schulzahnärztlichcr Dienst. 3. Aerztliche Betreuung der Heime (Alters', Jugend« und Kinder' heime), halboffene Einrichtungen und Speisungen. 4. Tuberkulosenfürsorge einschließlich Heilverschickung. 5. Fürsorgemaßnahmen durch Heilkuren und Beratungsstellen bei organisch Kranken, Geistes' und Ncrvenleidenden, Erholungs» fürsorge. 6. Aerztliche Untersuchung bzw. Betreuung von Umschichtlcrn, Auswanderern und Ausbildungsstättcn. 7. Ueberwachung der Alters» und Jugendheime, der Einrichtungen der halboffenen Fürsorge, der Volksspeisungcn usw. 8. Sportärztliche Beratung und Untersuchung. 9. Hygienische Aufklärungsarbeit. 10. Gutachtertätigkeit in allen gesundheitlichen Fragen. 11. Mitwirkung an Fortbildungseinrichtungen für Aerzte und ärzt* > liehe Hilfskräfte. Die Abteilungen stehen unter der Leitung eines Vertrauens* arztes (Bezirksarztes), der geeignete Fachä/zte zu seiner Unterstüt« zung hinzuziehen kann. Den Gesundheitsfürsorgestellen obliegt künftig auch die Ent' Scheidung sämtlicher Einzclgesuche auf dem Gebiet der Gesundheits' fürsorge, soweit hierfür Mittel aus den zentralen Fonds für Tuber' kulose, Erholungskuren, Heilkuren und Kuren für Nerven« und Geisteskranke beantragt werden. Gesundheitsfürsorgestelle für die Pfalz ist die iWohlfahrts« stelle des Verbandes der isr. Kultusgemeinden der Pfalz, Ludwigs* haten a. Rh., Zollhofstraße 11 II. Vertrauensarzt der Wohlfahrts« stelle ist Herr Dr. med. Gustav Weil, prakt. Arzt in Ludwigshafen, Ludwigsplatz 1. >. .,, ' Gesuche um Zuschüsse sind nicht an den Vertrauensarzt, SOn« dem an die WohlfahrtsstcUe des Verbandes zu richten. Sie haben nur in dringenden Fällen Aussicht aut Ertolg. Prof. Josef Koburger in Ludwigshafen a. Rh. zu seinem 60. Geburtstage. Am 5. Januar beging Prof. Koburger, der erste Vorsitzende der Gemeinde Ludwigshafen a. Rh., seinen 60. Geburtstag. Die Gemeinde, der Verband der israel. Kultusgemeinden der Pfalz, die Vereine und Organisationen, denen Prof. Koburger sein,In* tercssc bekundete, seine vielen Freunde mußten seinem dringend geäußerten Wunsche entsprechend von einer festlichen Begehung des Geburtstages absehen und sich darauf beschränken, ihm für seine verdienstvolle Tätigkeit Worte tiefempfundenen Dankes zu sagen und ihm von Herzen gehende Glückwünsche auszusprechen. Obwohl Prof. Koburger als Direktor einer der angesehensten Versicherungsgesellschaften im Reich, als Dozent der Versicherungs* Wissenschaft an der städt. Handelshochschule in Mannheim, in außerordentlichem Maße in Anspruch genommen war, (sehr bedeutsame Veröffentlichungen in seinem Fachgebiet, eine sehr um* fangreiche, verantwortungsvolle Gutachtertätigkeit, seine konstruk« tive Tätigkeit im Versicherungswesen, harten seinen Arbeitstag stets voll und ganz ausgefüllt) hatte er sich immer gern und bereit« willig der jüdischen Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Bevor er vor einigen Jahren an die Spitze der Gemeinde Ludwigshaten trat, hatte er sich bereits judischen Aufgaben mit großer Anteil' nähme gewidmet. Die Nr. 1 der C. V .»Zeitung (vom 6. Januar d. J.), die auch ein vorzügliches Bild Prof. Koburgers brachte, hob hervor, daß er seit Jahrzehnten dem engsten Freundeskreise des Jüdischen Centralvcreins angehörte, daß er den Landesverband Pfalz des Centraivereins mitgegründet und geleitet hat und auch Mitglied des Hauptvorstandes ist. Seine Verbundenheit mit dem Centralvercin hielt ihn aber niemals davon ab, auch gegenteiligen Ansichten gegenüber Toleranz zu üben und im Geist Hillels für Frieden und Versöhnung, für Ueberbrückung und Ausgleich inner* jüdischer «Gegensätze einzutreten. Hiervon legt seine Tätigkeit im Dienste der Gemeinde Ludwigshafen als ,ihr Vorsitzender be* redtes Zeugnis ab. Prof. Koburger ist auch Mitglied des engeren Ausschusses des Verbandes der israel. Kultusgemeinden der Pfalz und gehörte auch der Tagung des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden an. Als vor wenigen Monaten an die Stelle der Tagung der Landesausschuß trat, wurde Prof. Koburger auch Mitglied dieses Gremiums. Als auf der letzten Tagung des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden die Beamtenversorgung auf neuer Grundlage aufgebaut werden mußte, war Prof. 'Koburger als der hervorragende Theoretiker wie Praktiker auf dem Gebiete der Versichcrungswisscnschaft ganz besonders dazu legitimiert, hier, wo es sich um einen Fragenkomplex seines Fachgebietes handelte,, entscheidend mitzuwirken. Das Re* ferat, in welchem Prof. Koburger seine Stellungnahme umriß und auch für den Laien verständlich machte, gehörte zu den Höhe» punkten jener Tagung. Auch dem seit einigen Monaten erscheinenden „Judischen Gemcindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz" bringt Prof. Ko* burger regstes Interesse entgegen. Als der Vorsitzende der Kom» mission, die das Erscheinen des Gcmeindcblattes in die Wege leitete und diese jüngste Einrichtung des Verbandes der Israel. Kultusgemeinden der Pfalz betreut, ist er ihm durch seine wert* vollen Anregungen und Ratschläge, deren Richtigkeit sein großes Wissen und Können sowie seine reichen Erfahrungen gewähr' leisten, sehr förderlich. Möchten dem so klugen und gütigen Manne, der ungeachtet seiner großen wissenschaftlichen Bedeutung immer in Bescheiden* heit seinen Weg ging, an der Seite seiner Gattin noch viele glück* liehe und gesunde Jahre beschieden sein im Sinne der Verheißung aus dem Psalmenbuche: „Mit langem Leben sättige ich ihn und lasse ihn meine Hilfe schauen." Rabbiner Dr. Ernst Steckelmacher, Ludwigshaten a. Rh. Rabbinatsbezirk Landau/Pfalz Amtliche Mitteilungen des Bezirksrabbinats. Die Sprechstunden finden von Montag bis Donnerstag jeweils von 10 bis 11 Uhr in meiner Wohnung, Glacisstraße 9 — Fernsprecher 2128 — statt. Zu anderer Zeit bin ich nur nach vorheriger Vereinbarung zu sprechen. Bewegung des Rabbinatsbezirks: Verlobung. Gertrud Morit: Max Strauß New*York , Ingenheim Nc\v*York Bamberg Sterbcfälle: \ 13. Jan.: Frau Bella Weiler geb. Joseph, 68 Jahre. 20. Jan.: Frau Frieda Ottcnberg geb. Wertheimer, Ostring 29, Witwe von Ferdinand Ottcnberg, 66 Jahre. 21. Jan.: Frau Therese Jakob Witwe geb. Kern (früher Neunkirchen), 8t Jahre; alle aus Landau. 22. Jan.: Herr Adolf Haas, Rülzheim, 43 Jahre 27. jan.: Herr Julius Joseph, \ Ludowicistraße 1>, 70 Jahre. Auswanderung: i Nach USA: Herr Arthur Ochlbert, Schwegenheim, Nach Südafrika: Frau Witwe O,tto Dannhcisscr, Landau. Aus den Gemeinden. Landau. Ablösung an Stelle von Dankeskarten und Spenden. Es spendeten: \ Herr Samuel Lcvy anlaßlich seines 80. Geburtstages. Herr Julius Joseph anläßlich seines 70. Geburtstages, Herr und Frau Richard Joseph anläßt, ihrer silbernen Hochzeit. Herr und Frau Artur Schwarz anläßlich der Verlobung ihrer Tochter. Frau Mina Dreifuß, 'Horst Wesselstraße 15 anläßlich ihres 80. Geburtstages. \ Familie Ottcnberg anlaßlich des Hinscheiden! ihrer Mutter.