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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1937-11-01 · 3 (1.11.1937) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
1 (1937 - 1938)
Issue
3 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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r. 3 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ_ Seite 7 Jüdischer Kulturbund für die Pfalz. Mitglied des Rcichsverbandes der jüdischen Kulturbünde in Deutschland. 2. Kulturbundsveranstaltung in Landau am Montag, den 15. November 1937, abends 8.15 Uhr, Pirmasens am Dienstag, den 16. November 1937, abends 8.15 Uhr. in den Gemeindesälen BUNTEM ABEND v von Camilla Spira-Eisner-Berlin Musikalische Begleitung: Erna Klein, Berlin. Volkslieder, Chansons, Operetten und Tonfilmschlager usw. Einlaß nur gegen Mitgliedsausweis! Jüdischer Kulturbund für die Pfalz Die Ortsgruppen Landau und Pirmasens. Jüdische Winterhilfe. Die Jüdische Winterhilfe Ludwigshafen a. Rh. benötigt für «in halbes Jahr noch eine gebrauchsfähige Schreibmaschine. Wer ist in der Lage uns diese gütigst zu überlassen? Die Leitung. „Liederkranz e. V." (Jüdischer Kulturbund Mannheim) (Mitglied d. Reichsverbands d. jüd. Kulturbünde in Deutschland.) Samstag, 20. November: Liederabend des Sängers Hermann •Schey (Dichtungen von Heine in der Vertonung von Robert Schumann, Lieder von Mendelssohn*BartholJy und Gustav Mahler. — Am Flügel: Max Sinzheimer). Samstag. 4. Dezember': Aufführung des Oratoriums: „Judas Makkabäus' von Händel unter Leitung von Max Sinzheimer. Ais Solistin wirkt die Altistin Ruth Kisch* Arndt* Köln mit Beide Veranstaltungen finden jeweils um 2015 Uhr im großen Saal des Vereinshauses Q 2, 16 in Mannheim statt. Lichtbildausweis eines jüd. Kulturbundes ist erforderlich. Schriftliche Bestellungen von Karten werden an den Schrift* führer, Herrn Alfred Liebmann in Mannheim, Kaiserring 40 (Fernruf 43621), erbeten. Bad Dürkheim. „Fallen seh' ich Zweig um Zweig" der hiesigen Gemeinde. Wandern war ja noch immer das Loos des jüdischen Volkes. Aufbruch und Bewegung sind von altersher echt jüdische Kenn* zeichen, das älteste Vermächtnis unseres Stammes. Sie sind Israel, man kann es schon sagen, bereits an der Wiege als nationale Lc» bensmelodien vorgesungen worden. Ein großes Scheiden, ein großes Abschiednehmen geht heute durch das deutsche Judentum. Das müssen wir hier gerade in den letzten Wochen so schmerzlich erfahren. Der' jugendliche Heiner Mayer, Sohn der Eheleute Sally Mayer ist vor mehreren Wochen nach Nord'Amerika ausgewandert. Nach ihm verließen der Metzgermeister Joseph Mayer mit seiner Gattin, nach Verkauf ihres Hauses, unsere Gemeinde und siedelten nach Hemsbach (Bergstraße) über, von wo sie vor 10 Jahren nach Bad Dürkheim gekommen waren. Ihre Metzgerei danicr hat sie nicht mehr ernährt. Vor 14 Tagen hat der Weinhändler Hans Locb. Sohn der Witwe Emil Loeb die Ausreise angetreten und wird vor einigen Tagen in New York gelandet sein. Nicht genug damit, ■die Familie Walter Jonas, Teilhaber der Wein*Großhandlung Gebrüder Jonas trifft eben die letzten Vorbereitungen zu ihrer Auswanderung nach Nordamerika. Eine gebefreudige opferbereite Familie müssen wir damit verlieren. Mit Frau Walter Jonas, geb. Dannneißer, sehen wir eine treue eifrige Sammlerin für Kcren Kajcmeth und Keren Hajessod zu unserm Leidwesen von uns scheiden. Ihnen wird in absehbarer Zeit, das ist in den letzten Tagen leider Gewißheit geworden, die Familie S.egmund Lazar ' nachfolgen. — Der Haushalt der Familie Eugen Wolff hat sich vor wenigen Tagen aufgelöst. Der Ehemann fand Aufnahme im Altersheim zu Neifttadt, die Ehefrau Wolff, geb. Siegel, ist nach England ausgewandert, zweifelsohne wird diese tüchtige Frau auch im fremden Lande Stellung und Brot finden. Der zweiten Vorsitzenden unseres Frauenvereins, der Frau Betty Strauß, die Bad Dürkheim nach fünfzehnjährigem Auf» enthalte verließ, um ihren Lebensabend bei Verwandten in Offen* bürg zu verbringen, sei ein kurzes Abschiedswort gewidmet. Eine treffliche Frau, eine Esches chajil im besten Sinne des Wortes, zieht von uns fort. Was Frau Betty Strauß unserer Glaubens* gemeinschaft, unserer Gemeinde, unserem Fraijcnvercin gewesen, •das besagen die drei Anerkennungs* und Dankbriefe, die der Frauenverein, der Synagogenrat und der pfälzische Gemeindever* band an Frau Strauß gerichtet haben und die in einer schlichten Abschiedsfeier am Schabbps bereschis zur Verlesung kamen. 62 Jahre hindurch lsin ich mit der Dürkheimer Gemeinde verbundcnir^TJaiV-ich^Jleute in den späten Herbsttagen meines Lebens poch den Zerfall meiner vormals so blühenden und wohlhabenden Gemeinde erleben muß, das ist für mich eine Be triibnis, tlie bis an mein Ende in mir haften wird. Und )nun noch ein kleiner Lichtblick. Am übernächsten Schabbos Chaje Soroh (30. Oktober) vollende ich mit Gottes Bei» stand mein 82. Lebensjahr. Für mich ein doppelt wichtiger Tag! denn an diesem Schabbos wird 'die Sidra (Chaje Soroh) gelesen, die ich vor 69 Jahren als Barmizwoh*Knabc in vier Synagoge meiner Westricher Heimatgemeinde Niederkirchen vorgetragen habe. Körper und Geist ermöglichen es 'mir, an meinem 82. Geburts* tage in der hiesigen Synagoge die Sidra Chaje Soroh selber zu leienen. TWTin rojj ~wit nptfrvtow jyiDnri isjq tuep „Ich bin zu gering für alle Wohltaten und alle Treue, die du deinem Diener erwiesen". (1. B. M. 32, 11.) Bad Dürkheim, den 22. Oktober 1937. Ludwig Strauß. Lachen. Am 5. November begeht Frau Jettchen Freundlich ihren 94. Geburtstag. Wir wünschen der Jubilarin noch viele Lebensjahre in Gesundheit und Frische. Speyer. . (Aus einem „korrigierten" Schulaufsatz) Am Schluß des Maariv*Gottcsdienstes zu Hingang von Sim* chas Tora, feierte die jüd. Jugend in Speyer ihr Simchas Tora. Mit Fahnen in den Händen besetzte die Jugend die vorderen Bänke in der gut besuchten Synagoge. Ein Orgelvorspicl eines 15 jährigen Organisten leitete die Feier ein. Darauf betrat ein 15 jähriger Lehrling — derselbe hat übri* gens auch in Iggelheim als Jom-Kippurchassan — die Schacharis und Mineho'Gcbete vorgetragen — als „Kantor" den Vorbeterpult um das Ausheben anzustimmen. Der Jugendchor sang fröhlich mit. Die sämtlichen Sifrc Torah wurden ausgehoben und von Mitglic» dem des jüd. Jugendbundes getragen. Die Schulkinder setzten sich fahnenschwingend vor den „Chassen" und die tanzähnliche Weise des traditionellen „Ono" erklang von Kindermund gesungen durch den geweihten Raum. Nach 3 llakkafoth wurden 7 Rollen wieder eingestellt und eine Rolle zum Vorlcsepult getragen. Nun wurden die 3 ersten Parschioth von 11—13 Buben in mustcrgiltigcr Weise, natürlich im Tropp, gelesen. Ein „Kohen" mit allen jungen Koha* nim, ein „Lcwi" mit allen Lewijim und ein „Jisrocl" „im kol hanorim" wurden aufgerufen; ein Elfjähriger sprach laut Wort für Wort „Hamalach hagoel" vor, jedes Kind bekam seinen „Mi* scheberach". Ein 12 jähriger stimmt „Ogil Wccsmach" an und die Buben auf dem Almemor singen kräftig mit. Der Chassen stimmt das „Einhcbcn" an, das Sefer wird eingestellt. Nach „Uw*. nucho iomar" hält der Prediger der Kchilla eine herzliche Ansprache an die Jugend. Der „Chasan" sang dann einen herr* liehen Jahrkaddisch und brachte die schweren Weisen in musi« kaiisch einwandfreier Weise zu Gehör. „En kelohchu" wurde von einem 7 jährigen Knirps schön gesungen. Dann kam der Höhepunkt des Abends: Mit wehendem „Tallis" betrat ein 12 jähriger Locken* köpf den Almemor um Jigdal anzustimmen; den er mit dem Jugend* chor abwechselnd sang. Seine glockenreine gewaltige Knaben* stimme füllte den großen Raum und begeisterte alle Andächtigen. Als nun am Schluß der Vorsitzende des Synagogenrates jedem sein Paket mit Lebkuchen und Schokolade verteilte, da hatte jedes Kind seine echte Simchah mit der Torah. Sch. H. (S. M.) Der nächste Eintopf-Sonntdi* der JÜDISCHEN WINTERHILFE _ist am 14. November 1937 Jüdischer Kalender und Gottesdienstanzeiger. Es wird darauf hingewiesen, daß die Gemeindeverwaltung einen besonderen Kalender herausgegeben hat, der neben einem amtlichen Teil auch einen Gottesdienstanzeiger für das ganze Jahr enthält. Persönliche Nachricht. Englischer und Spanischer Sprachunterricht. Ich erteile nach erfolgreicher Praxis Unterricht in englischer und spanischer Sprache. Anfragen mögen an das Bezirksrabbinat gerichtet werden.

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