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Jüdischer Volksbote · 1915-09-01 · 37 (9.1915) · p. Seite 599

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1915
Issue
37 (9.1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 599 (sequence 25)
Language
German
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599 »Wenn wir das Verhältnis der Judenchristen zu den Juden in jener Zeit näher ins Auge fassen, so werden wir erkennen, daß der oben erzählte Vorgang von der größten Bedeutung und Wichtigkeit war. Die Schüler und Anhänger des Stifters der christlichen Religion unterschieden sich nur im Glauben von den Juden. Sie verkehrten, wie wir gesehen haben, mit den Juden und verkündeten Gesetzesauslegungen, welche die Halachah betrafen, im Namen ihres Meisters; sie besuchten die Synagogen, und die Apostel predigten daselbst*). Unter diesen Umständen konnte es natürlich nicht ausbleibeu, daß viele, und manchmal auch hervorragende Juden zu der neuen Sekte hinübergeführt wurden. So wird uns im Midrasch Kohelet erzählt, daß Chanina, der Brudersohn des Rabbi Josua den Chananjah, beinahe zum Abtrünnigen geworden wäre, wenn ihn nicht sein Oheim gerettet hätte, und Chanina war doch einer der hervorragendsten Männer seiner Zeit, da von ihm berichtet wird, daß er, als er später nach Babylon auswanderte, seinesgleichen nicht im heiligen Lande zurückließ. Im Midrasch Kohelet werden uns noch mehrere Beispiele erzählt, wie gefährlich die nahe Berührung mit der neuentstandenen Sekte selbst bedeutenden Männern wurde. Daher war es von der größten Wichtigkeit, daß durch Rabbi Akiba veranlaßt, Rabbi Elieser öffentlich vor seinen Schülern bekannte, daß er Unrecht daran getan habe, die Halachah mit einem Manne zu diskutteren, der schon völlig außerhalb des Judentums stand. Während Rabbi Elieser noch mit seinen Schülern sprach, trat ein schöner Jüngling herein, dessen Tracht ihn als einen vornehmen Römer erkennen ließ. »Verzeih' mir, Rabbi," sprach er, „daß ich Dich hier auffuche; ich habe Dich heute beim Prokonsul gesehen. Da habe ich mir vorgenommen, bei Dir Belehrung zu suchen. Mein Name ist Aquila; ich bin ein naher Ver- .wandter deS Kaisers. Ich wurde von einem Pädagogen erzogen, den der Vater des Kaisers aus dem jüdischen Kriege in das Haus meiner Eltern brachte. Von ihm habe ich die hebräische Sprache erlernt und seitdem habe ich mich viel mit Eurer Thora beschäftigt; ich habe gelesen, daß ein einziger.G'tt die Welt erschaffen und Israel zu Seinem Volk erwählt hat. Ich möchte mich Eurem Volke anschließen; aber sage mir eins, Rabbi. Es heißt im 5. B. M. Kap. 10, Vers 17 u. 18: Denn der Ewige Euer G'tt ist der G'tt der Götter *) flftor. XIII, 14, 15; das. XIV, l; das. XVII, 1, 2 u. 17.

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