Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 598 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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598 halb der Gesetze deS Judentums, beobachteten den Sabbat, die Feiertage, die Speisegesetze und vollzogen an ihren Kindern die Beschneidung. Der Anführer und Stifter dieser Sekte war der Apostel Jacobus, der jüngere dieses Namens, der Sohn des Alpha, der aus dem Dorfe Sekonia, welches zwischen Syphoris und Akko lag, stammte. Rabbi Elieser wurde in das Gefängnis abgeführt, in welchem die auf Tod und Leben Angeklagten ihren vorläufigen Aufenthalt nehmen mußten. Als er vor den Richter geführt wurde, sprach dieser: Ein so weiser Mann wie Du bist, soll sich mit solchen Dingen befassen! — Da sprach Rabbi Elieser: Ich preise den wahrhaften Richter. Er meinte seinen Vater im Himmel; der römische Richter aber bezog diese Worte auf sich und sprach: Weil Du mich als wahrhaften Richter anerkennst, so spreche ich Dich frei. Als Rabbi Elieser in sein Haus zurückkehrte, war er ganz trostlos darob, daß ihm Solches widerfahren war, daß man ihn für einen heimlichen Christen habe halten können. Da versammelten sich seine Schüler bei ihm, um ihn zu trösten. Er aber hörte nicht auf ihre Trostesworte. — .Wodurch/ sprach er, „mag ich es nur verdient oder veranlaßt haben, daß solch eine Anklage gegen mich hat Glauben finden können!" — „Mein Lehrer," sprach Rabbi Akiba, „erlaube mir, etwas zu erwähnen, was Du mich gelehrt hast." — „Rede," sagte der Rabbi. — „Vielleicht," sagte Rabbi Akiba, „ist Dir einmal von Seiten der Stifter jener Sekte etwas zugekommen, was Dich erfreut hat, und dessentwegen bist Du in den Verdacht geraten, zu ihnen zu gehören." — „In der Tat," antwortete Rabbi Elieser, ..Du hast mich erinnert, Akiba. Einst wandelte ich auf dem oberen Markte von Syphoris, da begegnete mir ein Schüler des Stifters jener Sekte, Jacob aus Sekonia heißt er, und erllärte mir eine Halachah im Namen seines Lehrers. Die Erklärung gefiel mir, und ich freute mich derselben. Damals übertrat ich das Gebot der heiligen Schrift: „Halte fern von ihr Deinen Weg," was sich nach der Deutung der Weisen auf jede vom wahrhaften Judentume abweichende Lehre bezieht, und deshalb wurde ich verdächtigt."