Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 595 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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595 f” gelten, sondern seine Aufgabe ist eher mit der des Dirigenten einer Musikkapelle zu vergleichen, der die Musik nicht selbst macht, sondern die musizierenden Instrumente nur leitet und fuhrt. wn p imS»3. Aber höher noch als das Angenehme der Stimme stellen unsere Weisen andere, moralische und ästhetische Anforderungen an die Person des Vorbeters. Er soll p:n würdig, achtbar sein, frei von Vergehen, sich eines guten Rufes von Jugend an erfreuen, wohlgelitten bei seiner Umgebung und bewandert in Thora, Newiim, Chesmvim sein, er soll Kindererziehung verstehen, Arbeitsfreudigteil besitzen; und Reichtum gibt keinen Anspruch auf das Vorbeterauit. Die Palme aber gebührt dem p'tx und umsomehr, wenn er auch p'ix p ist. nw lpiei d. h. weniger von schönem Vortrage, sondern von unbescholtenem Leumund. Kein Makel, und sei er noch so alt, darf auf den« Vorbeier lasten. Als äußere Forderung sei ein gepflegter Bart, ein.reiferes Alter zu wünschen. Ein langes Gewand reiche bis an die Füße des Vorbelers, selbstverständlich ist anständige Kleidung Vorbedingung. Der Privatmann dränge sich nicht zu diesem Ainte, bei wiederholter Aufforderung zögere er aber nicht, das Amt zu versehen. Mißbilligung aber muß den Vorbeier treffen, der sichtlich seiner Stiunne zulied und zu eigenen» Ergötzen vorbetet und singt. Auch wer allzureichlichen Gebrauch von seinen Kehlmitteln macht, ist zu tadeln. Da der um den Verlust des Vaters, der Mutter h'n Trauernde von seinem Schmerze beherrscht ist, so eignet er sich Roschhaschonoh und Jomkippur nicht zum Vorderer der Gemeinde am Vorbeterpult. Diese Erfordernisse eines geeigneten Vorbeters gelten schon für gewöhnliche Zeiten und erhöhen sich noch für die hohen Feiertage.' Sie sind auch auf den ypin S53 und den Kipo zu übertragen. Immer wieder ist zu verlangen, daß der Borbeter versteht, was er spricht und singt, besonders aber auch, daß er den Text richtig abzuteilen, zu inrerpungieren verstehe. Manche Stellen im Machsor weisen in dieser Beziehung ziemliche Schwierigkeiten auf und es wäre eine dankbare Ausgabe dieser Blätter, solche Stellen in authentischer Weise zu bezeichnen. Wie kann ein Vorbeter der Sachwalter der von ihm vettretenen Gemeinde sein wollen, wenn er seinen Vortrag nicht zu nieistern, zu beherrschen versteht? Die Zuhörer finden es schnell heraus, wenn er im verständnisvollen Vorttag fehlt, anerkennt aber auch gern von ihrem Vorbeter: Er versteht, was er sagt. (Uebrigens sollte man das Beten nicht ein „Sagen" nennen, d. i. die geringste Form des hörbaren Ausdrucks, sondern ein „Sprechen" oder noch besser, ein „Beten".) Wahrlich, hoch und herrlich sind unsere Gebete, zumal die der Jomim noroim. Sie handeln vom Höchsten, was die Menschheit als Ganzes bewegt, sie handeln von allem, was den Einzelnen betrifft, von Glück und Unglück, Gesundheit und Krankheit, von Sünden, Verbrechen, von Sühne und Verzeihung, von Krieg und Frieden, sie erzählen von der Vergangenheü, sie predigen von künftigen Tagen, zeigen die höchsten