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Jüdischer Volksbote · 1915-09-01 · 37 (9.1915) · p. Seite 594

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1915
Issue
37 (9.1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 594 (sequence 20)
Language
German
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594 frntett. Ein Unternehmen mit dem Ziele: „Hilfsvorbeter auszuleihen!" könnte in dieser Zeit wohl auf seine Kosten kommen. Während früher, noch^wr 2V bis 30 Jahren, fast jedes Gemeinde- Mitglied, besonders auf dem Lande, fast ohne Vorbereitung vor das Pult treten konnte und die Gemeinde sich an seinem Vortrag erbaute, sind jetzt diese Kundigen immer seltener geworden, und infolgedessen mehren sich die suchenden Anzeigen von Jahr zu Jahr. Es müßte von Jnttresie sein, diese Anzeigen statistisch zu verfolgen. Sie würden so manchen Rückschluß auf die jüdische Statistik überhaupt zeigen, trotzdem vielü Gemeinden, die im Besitze ständiger Hilfsvorbeter sind, den Weg durch die Presse nicht zu beschreiten brauchen. : In diesem Kriegsjahr freilich wird die Versorgung mit Hilfsvorbetern erschwert sein, da einesteils so mancher dem Vaterlande dienen muß, andererseits der Zuzug aus Polen und Galizien größtenteils eingestellt sein wird. Dafür wird es eine Folge des hoffentlich baldigen und gewinnreichen Friedensschlusses sein, daß nach der geographischen Abrechnung der unerschöpfliche Osten uns dann überreich mit guten und gelehrten Chasanim versorgen wird. Dann wird sich für die Kreise, die es angeht, erübrigen, den Posten: HUfsvorbeter zum Gegenstand ihrer Fürsorge zu machen.; Dem wahren und rechten Vorbeter ergeht es in den mivmn 'k wie einem eingesperrten Zugvogel, der um die Zeit, da seine Kameraden, die sich der goldenen Freiheit erfreuen,, zum Abflug über Länder und Mefre nach wärmeren Zonen anschicken, in lebhafte Unruhe gerät und oft,im Drange zum Winterfiug sein armes Käfig-Dasein einbüßt. So fühlt auch der rechte Vörbeter ein inneres Drängen, das ihn schon lange vor^ Tischn zum Machsor greifen läßt, er vertieft sich in den herrlichen Inhalt der Gebete, in das, was die Zeit gebaut, sunlmt die alten, immer wieder gern gehörten Melodien vor sich hin, die zu einem wesentlichen Bestandteil des Jomtof geworden sind und freut sich unbewußt auf, ein kommendes Schönes. i Im G'ttesdienst der Synagoge herrscht der Grundsatz, jeder Andächtige selbst soll vor G'tt aussprechen, was ihn bewegt, zur Sprache bringen, was ihn bedrängt, was ihm nottut, soll sein Hoffen und Wünschen für sich» die Seinen und ganz Israel vortragen vor dem höchsten Thron, der Betende soll aus dem eigenen Innern heraus seine Andacht schöpfen und nicht erst warten, bis äußere sinnliche Eindrücke, Eiijwirkungen auf Auge und Ohr ihn in die andächtige Stimmung versetzen. Nicht Orgelklang, nicht Chorgesang, nicht stimmungsvolles Halbdunkel, noch schön gemalte Fenster sind in der Lage, den Berenwollenden zur! Jnnensammlung, zur Selbstvertiefung, zur Andacht zu leiten, ihre Wirkung ist im Gegenteil eine zerstreuende, ablenkende. Die einzige Konzession, die unsere Weisen als Außenfaktor beim G'ttesdienst zulaffen, ist die o-p Vtp, die angenehme Stimme des Vorbetjers. Aber auch diese soll nicht etwa als Bringerin der Andacht

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