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Jüdischer Volksbote · 1915-09-01 · 37 (9.1915) · p. Seite 592

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1915
Issue
37 (9.1915)
Date
1915-09-01
Page
Seite 592 (sequence 18)
Language
German
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592 sammenhang mit der Gesamtheit soll auch äußerlich zmil Ausdruck kommen durch •na* n>*n, durch Beten mit Minjan. Haben wir alle Zeit unsere Pflicht getan, na* nSen zu ermöglichen. Hand aufs Herz, ist im Laufe der Kriegszeit der anfangs so rege Synagogenbesuch an Werktagen nicht geringer geworden oder gar ivieder eingeschlafen? Wie vielerlei Ausreden gibt es da, um nicht am Gemeindeg'ttesdienste teilzunehmen; da sind es angeblich gesckäftliche Gründe oder die sehr billige Redensart! „Es gibt auch ohne mich Minjan" oder „Es gibt doch kein Minjan." Sind wir hinter der Front nicht doppelt verpflichtet, na» men aufrecht zu erhalten und zu ermöglichen in Anbetracht des Umstandes, daß so mancher fleißige „Schulgänger" fehlt, der im Schützengraben sein Leben für uns einsetzt. Ja, bestreben wir uns, unser Gebet zu einer wahren nSen zu gestalten, beten wir mit Andacht, mit Ergriffenheit, mit Innigkeit, mit Anstand und mit Würde. Mögen wir uns dessen bewußt werden, daß unser Gebet erst seine höchste Weihe im Gemeindeg'ttesdienst erhält, zu dem wir uns als Brüder sammeln, in dem wir ^alle ein Anliegen vor einem G'tte" Vorbringen. . Das dritte Glied in der schützenden Kette heißt njm. Z'dokoh ist ein weitumfassender Begriff. Die Güter und Besitztümer, die Kräfte und Fähigkeiten, die G'tt uns verliehen hat, haben wir nicht nur für uns, daß jeder nur an sich dächte, für sich fühlte und lebte und nicht auch an seine Mitmenschen, „Du bist nichts, so lange Du nur für Dich bist; Du wirst erst etwas, wenn Du anderen etwas geworden. Du hast nichts, solange Du Dir's nur hast; Du hast es erst, wenn Du es auch für andere hast". (Hirsch, Chaureb). cib itf wa. Für einander bildet er ihr Herz. „Für ein sich gegensettig tragendes, förderndes und helfendes Zusammenleben hat G'tt das Menschenherz gekittet." Was fällt nicht alles unter Z'dokoh: Almosengeben, Besuch von Kranken, Liebestätigkeit an Toten, Trösten von Leidttagenden, Gaststeundschast üben, Bräute ausstatten, Neuvermählte ersteuen, Frieden stiften — ein großes Gebiet fürwahr. Haben wir in diesem Punkte innner unsere Pflicht getan, haben Mir sie immer recht getan? Nicht aus Eitelkett und Prahlerei heraus, nicht, um uns eben abzufinden, auch nicht, um das beseligende Bewußtsein des Gebens und Wohltuns zu haben, sollen wir spenden und Liebestätigkeit üben, npi» ist „Lebensgerechtigkeit, die jedem Wesen spendet, was G'tt für es in Anspruch nimmt." Möge das, was wir leisten, dem Menschen gegenüber auch eine Wohltat sein, gegen G'tt erfüllen wir damit nur eine heilige Pflicht, i In unserer Zeit, wo Millionen unserer Glaubensgenoffen in furchtbarster Not sich befinden, wo ein großer Teil der Judenheit unerhörte Leiden und Verfolgungen durchlebt, wo Tausende von Familien nach allen Windrichtungen persprengt sind, Eltern ihre Kinder, Kinder ihre Ettern suchen, wo unzählige von Haus und Hof verjagte Menschen heimatlos ut der Fremde umher irren, sich von kärglichen Gaben nähren — in solchen Tagen kommt der Z'dokoh-Begriff mehr als je zur Geltung. Wir sollen nicht beim Bemitleiden und Bejammern stehen bleiben — das ist billig und beguem — wir sollen helfen, so weit es in unserer Kraft steht, ja über unsere Kraft hinaus. Lasten wir den Hader und die Zwietracht, den Streit um Nichttgkeiten, der uns einander entfremdet und auseinander reiße, taffen wir unser Denken und Streben nicht aufgchen nur in der Sorge um Erwerb und Gewinn, laffen wir allen Brot- und Kastenneid, alle Vorurteile, die unsere hefte Kraft verschlingen, und wirken wir Gutes dafür, seien wir mit Bereitwilligkeit, in Treue und Redlichkeit tätig für den für das große Ganze. Es muß anerkannt werden, daß auch bei uns mit dem Wachsen des Elends di« Kraft, zu helfen, sich entwickelt hat. Halten wir nur in der npix auch durch, vergessen wir nicht, wenn wir für Ostpreußen und Galizien zu geben haben, daß iumr r» mehr als je unserer Unterstützung bedarf, vergeflen wir nicht, daß schon in Friedenszeiten segensreich wirkende Vereine wie z. B. die „Freie Vereinigung" durch den Krieg ganz erheblich größere Ausgabe» haben, gedenken wir, um nur eines noch herauszugreifen, auch der Anstalten, die — für die Ausbildung der Erzieher unsrer Jugend wirkend — aus unsere Gaben angewiesen sind. Wso das i i

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