Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 591 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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591 werden als Schutzmittel gegen „das böse Verhängnis" die Rückkehr zu G'tt. nawn. So mahnt uns der Schanfarton, zurückzukehren zu G'tt, das Weh und Leid, das uns gettoffen, nicht als blinde Willkür, als Naturnotwendigkeit aufzufassen, sondern zu bedenken, daß G'tt es ist, der schlägt, aber auch wieder heilet. Fragen wir uns, ob wir als Menschen besser geworden sind in diesem Jahre, ob wir g'ttergebener und gläubiger geworden, ob wir das Kleinliche und Lächerliche, d-'s nur aufs Aeußerliche Gehende in unserem Handeln und Wesen abgestreift, ob unser Ernst und unser religiöser Sinn sich gesteigert, ob wir nicht bloß dem Materiellen und Sinnlichen, sondern auch dem Geistigen und G'ttlichen gedient haben. Wenn wir die Frage nicht bejahen können, dann wollen wir das Versäumte nachholen, das Verschuldete wieder gutzumachen suchen. Wir sollen ernst unsere Vergangenheit darauf prüfen, inwieweit wir unsere Ausgabe erfüllt haben, und den neuen und festen Entschluß fasten, künftighin bester, pflichttreuer zu werden. Sagen wir nicht, daß es zu spät zur Rückkehr ist, daß wir zu alt sind, um noch einmal anders zu werden. naicn kann jederzeit eintreten. Ueberwinden wir nur eben mit ernstem Willen unseren Eigennutz, unsere Selbstsucht, unseren Genustestrieb, unseren Hang zur Trägheit und Bequemlichkeit. Wir müssen nur den Mut fasten, unsere gewohnten Verkehrtheiten aufzugeben. Wir dürfen nicht zurückschrecken vor der Wahrheit, die unser bisheriges Tun und Denken nicht gut-?leiht, wir müsten vielmehr der Wahrheit zustteben, G'tteserkenntnis zu erlangen uchen, so viel es in unseren Kräften steht, — wir muffen, um es mit einem Worte zu sagen, wieder selbst lernen. „Die Thauroh allein kann Dir sagen, was G'tt, was Welt Dir sei, was G'tt und Welt Du sollst; aus ihr und ihr allein kannst du schöpfen Licht für Deinen Geist, Wärme für Dein Herz, Kraft für Deine Tat, Gerechtiakeits- und Liebesrichtung für Dein Leben — sie lerne, ihre Worte seien Dir aufs Herz gegraben, sie seien Gegenstand Deiner Gedanken Tag und Nacht; mit ihr rüste Dich zum Leben!" (Hirsch, Chaureb). nSen — Gebet — ist das zweite Schutzmittel gegen muei yn. Darunter ist allerdings nicht bloßes Lippenwerk zu verstehen, ein rein äußerlich heruntergehaspeltes Beten, bei den, unser Herz nicht ist. Die nWi, die das böse Verhängnis abwenden soll, muß aus der Tiefe des Herzens strömen. Unser ganzes Leben soll n*n .-map sein, ein G'ttesdienst. Das jüdische Gesetz begleitet ja den» Menschen auf seinem ganzen Lebenswege. Wir müssen »leben, wie G'tt es gebietet, wo wir auch sind, m allen unseren Betätigungen. Zu diesem Lebensg'ttesdienst sei nun der innere G'ttesdienst, der seinen Ausdruck findet in der man — aiar rmay — die Vorbereitung. In der rüsten wir uns für das Leben, finden wir die Stütze, die Stärke und den Mut zum Leben. Draußen im Kampfe ums Dasein verlieren wir nur allzuleicht die Empfindung dafür, daß wir alles, was wir sind und was wir haben, G'tt verdanken. Jni Gebete sollen wir uns von dem Gedanken durchdringen lasten, daß G'tt der einzige illuell unseres Seins und unserer Kraft ist. Draußen im Weltengetriebe überhebt sich oft der Mensch, er n ttd hochmütig und stolz und sagt sich: Meine Kraft und die Mächtigkeit meiner Hand hat mir dieses Vermögen erworben. In der nie.-’ setzen wir unsere Erwartung aus G'tt, von dem allem aller Erfolg abhängt. Gar mancher wird durch die Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten, die sich seinem Schaffen entaegenstellen, niedergedrückt und entmuttgt. Die fAwi läßt uns auf G'tte« Hilfe hoffen und bewahrt uns vor solchen unsere Krüft zersetzenden Stimmungen. In der rriwi bekennen wir freimütig unsere Verirrungen und Verfehlungen, wir gewinnen durch sie die verloren? Würde des Lebens zurück. >m°n>> u’pi* rmxna 'n iraa o’^inr. Die Weihe, die wir im G'tteshause in der rfmn geschöpft haben, sollen wir draußen iin Lebenskämpfe betätigen. Was im G'tteshause würzett, soll außerhalb desselben Blüten treiben.' ' Unser Gebet trägt nur selten persönlichen Charakter. Die Bitten, die wir aussprechen, werden fast durchweg als Gesamtanliegen vorgettagen. Dieser Zu-