Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 590 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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590 wird nur schwer sich wieder erholen und zur alten Blüte wieder gelangen, wenn wir nicht rechtzeitig dafür Sorge tragen, daß arbeitsfreudige, tatkräftige Menschen wieder dorthin gelangen. Bor Jahresfrist hat die „Freie Vereinigung", die Frage einer Umsiedlung von Ausländern aus den deutschen Großstädten in die Landgemeinden erwogen. Sie verkennt durchaus nicht, wie sie in ihrem letzten Bericht hervorhebt, die ganz besondere Vorsicht, die bei der Behandlung dieser Frage geboten erscheint, weist aber doch mit Recht darauf hin, daß wenn es gelänge, eine Organisation zu schaffen, die die Auswahl nur der bestgeeigneten Elemente sichert, daraus, ganz abgesehen von der philantropischen Bedeutung des Unternehmens für unsere östlichen Brüder ein Regenerationswerk in religiöser und sozialer Beziehung für zahlreiche deutsche Gemeinden erwachsen würde. Wenn auch jetzt noch gar nicht abzusehen ist. welche Ausvehnung unsere Grenzmarken durch den künftigen Frieden erhalten werden, so ist doch jetzt schon, im Kriege, notwendig, für den Frieden zu wirken. Dafür wollen jimr mit G'ttes Hilfe unsere ganze Kraft einsetzen. \ Der Dreiktang des Wosch KcrschonoH. Bon Karl Ochsenmann, Mittelschullehrer in Frankfurt a. M Wenn am Rasch Haschonoh die Töne des qpr, runn durch das G'tteshaus ziehen, bleibt wohl kein jüdisches Herz ungerührt. Das ergreifende Gebetstück, ' bas uns da berichtet, daß am Rosch Haschonoh niedergeschrieben und am Jom Kippur besiegelt wird, wie viele bahinscheiden sollen, wie viele in das Leben treten, wer leben und wer sterben, wer zur Zeit und wer vor der Zeit, wer durch Feuer, iver durch Wasser, wer durch Krieg, wer durch Hungersnot, wer durch Sturm,; wer durch Seuche umkommen soll; wem ein sorgenloses, wem ein leidvolles Dasein j beschielten wird; wer arm und wer reich werden soll — dieses weihevolle Gebet s löst schon in ruhigen Zeiten Gedanken und Enipfindungen tiefster Art in jeder ' jüdischen Brust aus. Und nun gar in unseren Tagen, wo der größte und ungeheuer- [ lichste Krieg, den die Weltgeschichte je gesehen, so tief eingreist in das Schicksal ' der Menschheit, da so mancher Familie das zu Ende gehende Jahr den herbsten . Schmerz angetan, da wir alle ja bangen und zittern um das Leben lieber Angehöriger draußen im Feindeslande. Aber nicht trostlos und verzweifelt sollen wir eintreten in das neue Jahr. Das Gebet nennt uns drei Worte, bekannt und doch so inhaltschwer, die uns aufrichten, erheben und. stärken können, die uns den Weg nach oben weisen, die , unserer erschütterten Seele ihr Gleichgewicht wieder geben, npnn men naisrn min jm n*;o*ayo. Aufrichtige Rückkehr zu G'tt und zu seinem Gesetze, Gebet und; frommes, pflichttreues Wirken, sie wenden ab das böse Verhängnis. I Wenn wir unerschütterlich und treu an G'tt festhalten, dann sind wir ge-! feit gegen die schwersten Prüfungen, die das Leben an uns herantreten läßt, dann! sinket unser Herz in jedem Wechselfalle des Lebens seine Ruhe und seinen Frieden; wieder. Wer sich seinem G'tte gegenüber überhebt und sich ihm entfremdet, der muß allerdings niedergedrückt werden von dem Gedanken, daß unsere Tage gezählt sind, daß unser irdisches Gut geteilt, daß unserem Wirken jeden Augenblick ein Ende bereflet werden kann. Darum ist das Erste, auf das wir verwiesen