Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 589 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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589 Erfolg, der auf dem im Februar 1912 in Posen stattgehabten ostdeutschen Bezirkstag auch äußerlich in Erscheinung trat. Nachdem Rabb. Dr. de Haas nach der isr. Geineiude Kattowitz als zweiter Rabbiner berufen wurde, übernahm ich die Wohlfahrtsarbeit in den Ostmarken. Die Wohlfahrtsarbeit hat unter meiner Leitung insofern eine Erweiterung erfahren, als ich mich unseren Ortsgruppen auch an Sabbaten zur Verfügung stelle, wovon die Ortsgruppen zu meiner großen Freude reichlichen Gebrauch machen. Am liebsten zog ich in solche Gemeinden, um den Sabbat zu verbringen, die nur knapp Minjan aufwiesen und ich den Zehnten stellen mußte. Als in den ersten Augusttagen des vorigen Jahres, das Weltenunglück über Europa hereinbrach und ein nie gekanntes religiöses Sehnen und Lechzen nach dem befreienden G'ttesworte sich geltend machte, veranstaltete ich in zahlreichen kleineren Gemeinden Pittg'ttesdienste niit Predigt. Höchst eindrucksvoll war der Bittg'ttesdienst in der herrlichen, aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts stammenden Synagoge in G r a e tz, in der Provinz Posen. Eine große Anzahl christlicher Mannschaften, die in Graetz ihre Ausbildung erhielten, fanden sich zum G'ttesdienste ein. Als am Schlüsse der Predigt 'unter Voraussagung des n« losn—1312' gesprochen wurde, neigten neben den jüdischen Mannschaften auch die christlichen demütig ihr Haupt, vor dem, der allein inistande ist, uns mit oiSir zu segnen. — Dankend sei auch der Unterstützungen gedacht, die die „Freie Vereinigung" in hochherziger Weise den kleinen und kleinsten Gemeinden im Osten gewährt. Bald gilt es die Aufrechterhaltung des Religionsunterrichts durch Zuschüsse an Gemeinden oder Lehrer zu sichern, bald die Anlage oder Reparatur von mmpo zu ermöglichen, die Verköstigung jüdischer Landarmen, sowie zahlreiche andere, Einzelzwecke des Gemeindelebens zu subventionieren. Auch Einzelpersonen erhielten Erziehungsbeiträge und wurden so in den Stand gesetzt, ihre Kinder der min zuzuführen. Die Mitglieds- und andere Beiträge, die der „Freien Vereinig." von Einzelpersonen und Gemeinden in edelmütiger Weise zufließen, ergeben noch nicht einmal den dritten Teil der gewährten Unterstützungen. Dem anderen wichtigen Problem, das vor dem Kriege schon das Centrälprobleni des ganzen deutschen Ostens war: nämlich wie man Ersatz schafft für die stete Abwanderung an Menschen aus den Ostmarken, hat die „Freie Vereinigung" ebenfalls ihre vollste Aufmerksamkeit zugewandt. Vorausschanende Männer der Wissenschaft, die sich eingehend mit dem Problem des Ostens beschäftigten, haben schon vor Jahren erkannt, — daß der Mangel an Menschen den deuffchen Osten schwach und krank mache, „er erliegt unter der ungeheuren Blutsteuer, die er Jahr für Jahr dein Westen zahlt, in der Gestalt der Hunderttausende, die er hervorgebracht und großgczogen hat und deren Kraft nun, wo sie arbeitsfähig geworden sind anderen zu Gute komnit. Darum ist das centrale Problem des ganzen deutschen Ostens, Menschen dorthin zu ziehen und sie dort zu erhalten." — Was hier im allgemeinen gesagt wird, gilt in besonders hervorragendem Maße von den jüdischen Gemeinden in den Ostprovinzen. Manches zerstörte jüdische Gemeinwesen,