Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 587 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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587 Was ist Seele der Wcltkultur? Unsere Schrift lehrt es und die Gebete sprechen es in den schönsten Wortbildern aus: Liebe, Wahrheit, Gerechtigkeit, in friedlicher Arbeit gewahrtes Menschcnglück. Es ist die Hoffnung des Tages: „Daß sie alle zu einem Bund werden, um den Willen" zur G'tteseinheit zu bekunden; daß Unrecht und Lüge den Mund schließen, die Bosheit wie Rauch schwinde und die Macht der Finsternis gebrochen werde." Dies ist die Seele der Weltkultur, für die, weil von Feinden und finsteren Gewalten ringsumher bedroht, Deutschlands Söhne das Schwert erheben. Darum kann uns heute um das tausendjährige Schicksalswort unseres Gebetes nicht bange sein, denn es ist zugleich das inhaltsschwere Wort der altbewährten jüdischen Zuversicht, des alten jüdischen-, Glaubens an den Erfolg des Guten, an den Sieg des Gerechten. „Und über die Länder wird an ihm verhängt und der Geschöpfe wird an ihm gedacht." — Da braust in die feierliche Stille unseres Gebets Völkerjammer und Einzelleid, Todesröcheln, Trennungsschmcrz, Hilferufen flüchtender Maffen, Mütterweinen, Kindeswimmern, das dumpfe Krachen tausender in Scherben gehender Lebensschicksale. Allein, stärker ist die andere, weithallende Stimme des Lebens, der Kraft, des Vertrauens, die mit dem Gebete aus den Jahrtausenden leidvoller Menschengeschichie zu uiw spricht, der Zukunflsgesang einer durch Not und Leid geläuterten nenens Menschheit. ^3 DIN J31 1N3L" nW «"8 'UPS „Heil dem Manne, der Deiner nicht vergißt und dem Menschensohne, der sich an Dir kräftigt." Unsere Hstrnarken. Von Robb. Dr. Rosenwasser in Labischin. H Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in Frankfurt a. Al. darf für sich das große Verdienst beanspruchen, die allseits als so notwendig erkannte Wohlfahrtsarbeit für die jüdischen Gemeinden der Ostmarken, als eine der ersten Organisationen in Angriff genonimen zu haben. Man hatte sich vielfach mit dem Verfall von größeren Gemeinden int Osten und deni allmählichen Schwinden ihres Einflußes innerhalb der anderen Glaubensgemeinschafien, wie mit einem unvermeidlichen Verhängnis abgesunden. Die Abwanderung der Juden aus Stadt und Land, die von alters her den Kern allen Handels und Gewerbes in den Städten der Ostprovinzen bildeten, nahm ungeheuere Diniensioncn an, viele ehemals bedeutende jüdische Gemeinden, starben allmählich dahin, wer nicht dort leben mußte, ging von dannen, bis zahlreiche jüdische Großgemeinden fast leer waren von Menschen. Die