Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 584 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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584 gang von der Zeitlichkeit in die Ewigkeit ist. An dieser Tatsache werden alle Erwägungen nichts ändern. Vertiefen wir uns jedoch in das Bild einer Lämnierherde, die einzelne Teile durch Tod oder Raub verloren hak, so werden wir, wenn wir die Tatsache in Worte kleiden, uns nie auf sie beschränken, sondern es wird immer mit der Beifügung geschehen: Dem Hirten sind so und so viele Tiere durch Raub, durch Tod dahingegangen. Wir geben damit dem Gedanken Ausdruck, daß das Leid, das der Herde zustößt, in erster Linie nicht sie, sondern den Hirten trifft, daß er mehr als seine von Raub und Tod betroffene Herde durch diese Schläge in Mitleidenschaft gezogen wird. Dabei ist der Hirte ohnmächtig gegen alle seine Herde heimsuchenden Nnglucksfälle, sie treffen ihre Opfer ohne u»d gegen den Willen des Hirten. Aber zurückgekehrt unter die Führung uuseres Lebenshirten, der, wie er das Leben spendet, auch den Tod sendet, sterben wir unserm Hirten, wie wir Ihm, und nur Ihm gelebt haben. Wie hoch in G'ttes Augen der Tod derjenigen steht, die ihm ein Leben voll liebender Hingebung gelebt haben, i'-i-ond nnion n Tpa ip\ teuer ist in den Augen G'ttes der-Tod seiner Frommen, das ist ein Gedanke, dessen beglückende Folgen der 116. Psalm in ergreifender Weise schildert. Diese Gedanken heben die von ihnen Durchdrungenen über alles irdische Leid und Weh hoch und immer höher zu Ihm, der, wie Ihn unser *|pvi mrai schildert, in der Tat die Liebe übt, die sein Name haucht, der schwer zu erzürnen und leicht zu versöhnen ist, der nicht den Tod» nicht einmal das bereits ihm Verfallene will, sondern die Rückkehr vom verfehlten Wege ins neu zu gewinnende Leben, der bis zur Sterbestunde auf diese Rückkehr wartet und sie selbst dann noch annimmt. Und dieses Angebinde, das Roschhaschonoh jedeui einzeln reicht, bringt er auch Staaten und Völkern, sobald die Einzelnen von dem Hochgedanken der npivi nSon mwn Buße, Gebet und Mildtätigkeit durchdrungen, ihn auch in ihrem Volks- und Staatsleben in die Tat umsetzen, wenn erst die Bitte Erhörung gefunden, mit der wir das neue Jahr einleiteu: *pne jn pai daß G'tt die Scheu vor ihm allen seinen Geschöpfen und die Furcht vor Ihn» allen, die er gebildet, derart geben möge, daß Ihn alle Geschaffenen wirklich fürchten, und alle von Ihm Gebildeten sich Ihm unterwerfen. Die G'lteKfurcht, obwohl sie ausschließlich ein Produkt freier menschlicher Entschließung bleibt, ist trotzdem in ihren Folgen und Wirkungen ein Gnadengeschenk G'ttes. Mit der Furcht vor G'U hat jede andere aufgehört. Dann gruppieren sich die Völker in ihrem gegenseitigen Mißtrauen nicht mehr zu ihrer eigenen Zerfleischung in einen Drei« und Vierbund, sondern alle werden einen einzigen Bund — rinn.vrara — bilden, und aller Völkerhader mit seinem unsäglichen Jammer hat für alle Zeit aufgehört. Ein alle Staaten umfassender Völkerbund bliebe allerdings eine törichte Illusion, wenn er die Abgrenzung des Länderbesitzer, die.Regelung von Handel