Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 583 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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583 Wer ein freudvolles, wer ein schmerzliches Dasein fristen soll. Wer erhoben, wer erniedrigt, Wer arm, wer reich sein soll. Kein blind würfelnder Zufall ist es, der über unser Geschick entscheidet, sondern nach göttlicher Bestimmung vollziehen sich die so tief eingreifenden Wechselfälle des Lebens. Und daß wir dieser G'tteswaltung nicht ohnmächtig gegenüberstehen, wie viel, unendlich viel von der Gestaltung unseres Geschickes, G'ttes übermächtige Wunderwaltung in unsere eigene Hand gelegt, das wird uns'durch die Klausel nahe gelegt: ■rwn yn m pvayo nptxi nboni nawm „Buße, Gebet und Mildtätigkeit wenden das böse Verhängnis ab." Leben und Tod, Freud und Leid, Krieg und Frieden, Glück und Unglück, allen diesen Momenten gegenüber, die der Rosch Haschonoh in seinen« «ipw niroi an unserem geistigen Auge vorüberziehen läßt, erscheint der Götze -des Tages, der wirkliche und gar der vermeintliche Fortschritt in seiner ganzen kläglichen Unbeholfenheit. Nicht auf den Fortschritt, auf den Rückschritt, den redlichen Vorsatz aufrichtiger Rückkehr zu G'tt und seinem Gesetz — nawn „Rückkehr" und die Bitte um Kraft zur Ausführung dieses Vorsatzes — nben „Gebet" und auf seine treue Verwirklichung durch die Tat — npnx „Wohltätigkeit" verweist daher mit Frakturschrift unser Machsor als auf die Talismane zum Schutz gegen die Wechselfälle des Lebens. Die >iau dasMerhängnis wird zwar auch durch npun n*?Bn naiwn Rückkehr, Gebet und Wohltätigkeit nicht aufgehoben. Aber es geschieht mehr als das. Die mra das Verhängnis bleibt, aber mm pn das böse Verhängnis wird beseitigt. Mag auch das Verhängnis weiter über uns walten, es waltet nicht blind, es hat seinen Stachel und damit jedes Weh verloren, sobald wir diesem Ruf zur Rückkehr Folge leisten. Denn wir kehren damit zu unserem Lebenshirten zurück, unter welchem G'tt seine Herde suchend hier vorgeführt wird. ■nponv,njoni ncom -vapn p ,ioa» nnn Tapo ,mj npn mpaa d:h i» n« ainam ma Sab naxp 71mm 'n ba ro: „Wie der Hirte seine Herde mustert, seine Schafe unter seinem Stab vorüberziehen läßt, so lassest Du vorüberziehen und zählst die Seele jedes Lebenden, steckst das Ziel jedem Geschöpfe und schreibst ihr Urteil". Ein Versenken in jeden einzelnen Zug dieses Bildes hat die Kraft, uns über alles Leid und Weh siegreich hinweg zu heben. Greifen wir aus dem Heere von Uebeln, welche das menschliche Dasein zu trüben geeignet sind, irgend eines, und zwar das Schwerste heraus, dasjenige, dem keiner entrinnt, das Hoch und Nieder in gleicher Weise früher oder später trifft — den Tod! Die vielen Trostgründe, die es gegen den Tod gibt, können hier unerwähnt bleiben. Sie verraten durch ihre Kleinlichkeit oft mehr die Furcht als die FurchÜosigkeit derjenigen, die sie gesuckt und gefunden haben. Die Furchtbarkeit des Todes bleibt, auch wenn er nichts als einUeber-