Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 579 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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579 zusammenzustellen, die sich zum Versand in« Feld eignen und die vielleicht geeignet sind, unseren Söhnen und Brüdern in den Schützengräben manche öde Stunde zu einer Quelle der Erhebung und inneren Stärkung zu gestalten. Für die jüdischen Verwundeten in den Lazaretten haben wir 3 5 Serien von Lazarettwanderbüchereien zu je 12 Bänden zusammengestellt, die abwechselnd den Lazarettverwaltungen oder den zuständigen Rabbinaten oder Vertrauensmännern zur Verfügung gestellt werden. Ein ganz besonderes Gebiet unserer Fürsorgetätigkeit ergab sich aus dem Zusammenströmen vieler tausender jüdischer Kriegsgefangener, namentlich aus Rußland, in den deutschen Kriegsgefangenenlagern. Wir dürfen es als bedeutsamen nnd von der Menschenfreundlichkeit unserer obersten Militärverwaltung zeugenden Erfolg bezeichnen, daß es uns gelang, unterm 24. Dezember 1914 einen Erlaß des Kriegsministeriums zu erwirken, der die Einrichtung von Koscherküchen in denjenigen Gefangenenlagern, die eine gewisseMindestzahl von gesetzestreuen jüdischenKriegsgefangenen beherbergen, prinzipiell in sehr entgegenkommender Weise regelt. Die praktische Ausführung hat natürlich von Fall zu Fall außerordentliche Schwierigkeiten zu überwinden, um deren Behebung sich unser Berliner Vertreter, Herr Rabbiner Dr. Munk, besondere Verdienste erwarb. Letzterem war es auch zu verdanken, daß wir zu Pessach unter einem Kostenaufwand von beinahe 30 000 Mk. fast sämtliche Gefangenenlager mit Mazzos versehen konnten. Dabei sind wir insbesondere der preußischen und badischen Eisenbahn-Verwaltung für das Entgegenkommen dankbar, das diese beiden Verwaltungen uns bei dem Transport der Mazzos, die natürlich in allen Teilen Deutschlands in aller Eile hergestellt werden mußten, entgegenbrachten. Auch hinsichtlich der V e r a n st a l t u n g von G'tt esdiensten in den Gefangenenlagern entsprach das Kriegsministerinm durch Verfügung an die Lagerkommandanturen in liberalster Weise unseren Wünschen. Welche erheblichen Aufwendungen an Geldmitteln unserer Kasse durch die rituelle V e r p f l e g u n g der in deutschen Garnisonen befindlichen jüdischen Soldaten erwachsen, bedarf keiner Ausführung. Wir haben uns verpflichtet geglaubt, gerade in diesem Punkte, soweit wie nur irgend niöglich, überall kräftig mitzuwirken, sofern nur die zunächst Verpflichteten, also die Interessenten selbst und ihre Gemeinden, sich ihrer eigenen Verpflichtung bewußt sind. Ein Appell, den wir insbesondere durch Durchführung dieser Aktion an unsere Mitglieder richteten, hatte erfreulicherweise verhältnismäßig befriedigenden Erfolg. j Große Schwierigkeiten erwuchsen der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands aus den im Januar vom Bundesrat getroffenen Maß-