Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1915
- Issue
- 37 (9.1915)
- Date
- 1915-09-01
- Page
- Seite 578 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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578 hierzu die Zustimmung der Kriegsministeriums erlangt hatte, galt eS zunächst Vorkehrungen zu treffen, um unseren Gesinnungsgenossen eine rituelle Lebensführung auch im Felde zu ermöglichen. Nach mannigfachen Besuchen gelangten wir zu der Ueberzeugung, daß hierzu die Errichtung eines KonservendepotS der bestgeeignete Weg sei. Durch Abschluß mit einer großen leistungsfähigen Konservenfabrik wurde erreicht, daß wir in der Lage waren, besonders billige Fleisch» und Gemüsekonserven zur Verfügung zu stellen, die auch dem Unbemittelten die Möglichkeit boten, sich über die Schwierigkeit der rituellen Verköstigung einigermaßen hinwegzuhelfen. Durch ein Rundschreiben an alle deutschen Gemeinden wiesen wir daraufhin, daß er heiligste Pflicht der Synagogengemeinden fei, denjenigen ihrer Mitglieder, die draußen im Felde stehen und nicht die Mittel besitzen, sich selbst rituelle Kost anzuschaffen, hilfreich zur Seite zu stehen und damit für die religiöse Zukunft der eigenen Gemeinschaft zu sorgen. Das Konservendepot hat inzwischen eine überaus segensreiche Wirksamkeit entfaltet ungeachtet der allergrößten sich immer erneuernden Schwierigkeiten, die der Beschaffung sowohl der Konserven, als der Dosen etc. entgegenstehen. Eine ganz besondere umfassende Aktion erforderte das Pessachfest. Es galt dabei eine große Reihe technischer Schwierigkeiten zu überwinden, ein konzentriertes, für den Militärzwieback Ersatz bietendes und dabei am Peffach erlaubtes Nahrungsmittel herzustellen und im übrigen einen Speisezettel von genügender Mannigfaltigkeit und leichter Versendbarkeit zusammenzustellen. Die große Aktion ist — wie wir heute mit Befriedigung festftellen dürfen, — vorzüglich gelungen. Hunderte von Dankschreiben aus dem Felde geben uns das beglückende Bewußtsein, daß in der Tat zahlreiche jüdffche Soldaten dank dem Eingreifen der „Freien Vereinigung" während des ganzen Peffachfestes vor der Ueberttetung des Jssur Chomez bewahrt blieben. Mehr als 30 Hilfskräfte waren bei dem Peffachversand beschäftigt, über 20 000 Pakete gingen innerhalb 14 Tagen ins Feld hinaus, jedem Soldaten zugleich in Gestalt einer Festhagadah den Gruß der Heimat bringend und ihm in zierlichen Fläschchen den gewohnten Festesbecher kredenzend. Schon zu den hohen Festtagen des ersten Kriegstischri und alsdann wieder zum P e f s a ch- und Schwuausfeste gelang es uns durch Verhandlungen mit dem Kriegsministerium, die im Kriege überhaupt erreichbaren Vergünstigungen für die jüdischen Soldaten zur Begehung des Feiertages durch G'ttesdienst und Werkeinstellung. bezw. Urlaub zu erlangen. Nicht minder als die materielle Versorgung unserer Feldsoldaten lag uns ihre geistige Stärkung am Herzen. Nach längeren Vorarbeiten ist es uns jetzt gelungen, einen größeren Vorrat von Schriften