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Jüdischer Volksbote · 1914-10-01 · 36 (10.1914) · p. Seite 571

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
36 (10.1914)
Date
1914-10-01
Page
Seite 571 (sequence 17)
Language
German
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571 hat unS aber gesagt, daß Du eine Entscheidung, wie die Schule Schammais getroffen. — Habt Ihr gehört, daß Doßa so entschieden, oder daß ben Horchinas jene Entscheidung getroffen. — Wir können darüber nichts Bestimmtes sagen. — So wisset denn, ich habe einen jüngeren Bruder, Jonathan heißt er, der ist ein äußerst scharfsinniger Mann, und er gehört zu den Schülern Schammais, und er lehrt, daß die Schwagerehe mit der Nebenfrau der Tochter erlaubt sei. Aber ich rufe Himmel und Erde zu Zeugen an: auf diesem Mörser da hat der Prophet Chagi gesessen und gelehrt, daß die Schwagerehe mit der Nebenfrau der Tochter verboten sei. Jetzt kehret zurück und stellet die religiöse Vorschrift fest. Nehmt Euch aber in Acht, daß Euch mein Bruder nicht begegne und durch seinen Scharfsinn die festzustellende Halacha nicht wieder erschüttere. Durch drei verschiedene Türen verließen die Weisen das Haus. Rabbi Josua und Rabbi Eleasar enttamen glücklich; aber Rabbi Akiba wurde von Jonathan aufgefangen. Lange disputierten die Beiden mit einander; Jonathan blieb unbesiegt. „Bist Du Akiba", fragte er, „dessen Ruf sich erstreckt von einem Ende der WÜt bis zum anderen? Wohl Dir, daß Du das Glück hast, berühmt zu sein. Aber Du verdienst den Ruhm nicht. Du kommst an Scharfsinn nicht einmal den Rinderhirten gleich." „Nicht einmal den Schafhirten," antwortete Rabbi Akiba bescheiden. XXIII. Der größte Lehrer in Israel war zu jener Zeit der von uns schon vielfach erwähnte Rabbi Elieser ben Horkinas. Als einst Rabbi Josua in das Lehrhaus zu Lydda kam, wo Rabbi Elieser zu lehren pflegte, küßte er den Stein, der Rabbi Elieser als Sitz diente, und sprach: Dieser Stein gleicht dem Berge Sinai, und. der, welcher darauf zu sitzen pflegt, der heiligen Bundeslade. — Man kann sich denken, welch Aufsehen es erregte, als plötzlich Rabbi Elieser von den römischen Behörden gefangen genommen und unter die Anklage gestellt wurde, daß er ein heimlicher Bekenner des Christentums sei. Wir müssen zum Verständnisse dieser sonderbaren Anklage einen Blick auf die weltgeschichtlichen Ereignisse werfen. Kaiser Nerva, der sich durch Milde und Freundlichkeit gegen die Juden auszeichnete, hatte, weil er selbst

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