Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 36 (10.1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- Seite 569 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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569 mich nicht der Gefahr aussetzen, mich von den Dienern deS Schimeon mit Schlägen trakiieren zu lassen? Ich kam nach Antipras, und man zeigte mir das Haus Schieineon», ein palastähnliches Gebäude. In der Türe trat mir der Besitzer entgegen und begrüßte mich auf da» Herzlichste. Ein schönes Zimmer wurde mir zur Wohnung angewiesen und ein herrliches Gastmahl wurde hergerichtet, bei welchem ich neben dem Hausherrn sitzen durste. Ich war hungrig und sprach den köstlichen Speisen und vorzüglichen Weinen herzhaft zu. Nach Tische unterhielt ich mich mit dem Hausherrn lange von unserer heiligen Gotteslehre und lernte ihn als einen frommen, gelehrten, edeldenkenden Mann kennen. Trotzdem wagte ich nicht von meinem Aufträge zu sprechen, denn Schimeon hatte etwas Energisches in seinem Gesichte, das mich fürchten lieh, die vielleicht in ihm schlummernde Wildheit wach zu rufen. In der darauf folgenden Nacht quälten mich die schrecklichsten Träume '^Less kam es mir vor, wie wenn ich von DienernMÄt«t>^ ',7." und unbarmherzig durchgeprügelt würde. Am anderen Morgen besuchte ich gemeinsam mit dem Hausherrn die Synagoge und dann nahmen wir zusammen das Frühstück. Jetzt war die Stunde des Abschiedes gekommen und ich erzitterte schon bei dein Gedanken an die zu erwartende Mißhandlung. Allein es geschah nichts Derartiges. Schimeon lehnte meinen Dank ab und erbot sich, mir, eine Strecke weit das Geleit zu geben. — Laß uns durch meinen Garten gehen, sprach Schimeon, da schneiden wir ein Stück des Weges ab. Aha, dachte ich, am Ende des Gartens, im Waldesdunkel, sind die Diener verborgen, die über mich herfallen werden. Allein ich erreichte ungefährdet die Landstraße, auf der mich Schimeon noch eine Strecke weit begleitete. — Habe nochmals Dank, sagte ich, aber ich gestatte nicht, daß du Dich weiter bemühest. — Ich danke Dir, entgegnete Schimeon, für Deinen Besuch, der »nein Herz erfreut hat. — Dann umarmte und küßte er mich, und wir schieden von einander. Als ich nun so dahin ging, kam es mir in den Sinn, daß ich meinen Auftrag nicht erfüllt hatte. Vielleicht hatte schimeon nur mir gegenüber, den er als einen Talmid Chacham verehrte, Rücksicht walten lassen. Da drehte ich mich um und rief: Rabbi, Rabbi! — Als Schimeon umkehrte, lief ich ihm entgegen. Rabbi, sagte ich, mein Besuch bei Dir war kein zufälliger; ich bin von meinem Lehrer Rabbi Jochanan den Sackai, dem Fürsten Israels, geschickt worden, um Dich zu fragen.