Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1914-10-01 · 36 (10.1914) · p. Seite 568

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
36 (10.1914)
Date
1914-10-01
Page
Seite 568 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/4903180-5965947-5965994--783-4903917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

I 668 gestattet war, auch in Bezug auf die Nedenfrauen der Verwandten der Fall. Nur in Bezug auf die Nebenfrau der Tochter lehrte die Schule Schammais, daß bei dieser die Schwagerehe gestattet sei, während die Schule Hillels sie als verboten erklärte. Längst war die religiöse Vorschrift nach der Lehre der Schule Hillels festgestellt. Da verbreitete sich das Gerücht, daß einer der ältesten und bewährtesten Lehrer in Israel, Rabbi Doßa den Harchinas, eine Entscheidung im Sinne der Schule Schammais getroffen habe. Rabbi Doha war schon sehr alt, und sein Augenlicht war erloschen. Es war daher nicht möglich, ihn nach Jabneh zu zitieren und ihn aufzufordern, seine abweichende Meinung zu rechtfertigen oder sie aufzugeben. Andererseits war die Autorität des großen Mannes eine allgemein anerkannte. Daher beschloß Rabbon Gamliel, eine Deputation an ihn zu senden, um ihn zur Rede stellen zu lassen. Diesen schwierigen Auftrag auszuführen, erboten sich Rabbi Josua, Rabbi Eleasar ben Asarjah und Rabbi Akiba. Als sie die Reise antraten waren Rabbi Eleasar und Rabbi Akiba sehr in Sorge wegen der Ausführung dieses heiklen Auftrages. Welche Mittel standen ihnen zu Gebote, den großen uralten und allverehrten Rabbi zum Aufgeben seiner abweichenden Meinung zu bestimmen? „Seid nicht ängstlich, meine Freunde," tröstete sie Rabbi Josua; „es wird besser gehen, als ihr befürchtet. Ich hatte einst einen viel schwierigeren Auftrag auszuführen und ich war allein. Als mein großer Lehrer Rabbon Jochanan ben Sakkai noch lebte, verbreitete sich das Gerücht von unerhörten Dingen, die in Antipras sich ereignet haben sollten. Dort lebte ein reicher, vornehmer, gelehrter Mann, Namens Schimeon. Dieser, so sagte man, hielt ein gastfreies Haus, wie einst unser Vater Abraham es gehalten. Jeder Fremde erhielt bei ihm Speise, Trank, Nachtlager, und wurde in fürstlicher Weise bewirtet und bedient. Sobald aber der Fremde unter vielen Dankesworten Abschied nehmen wollte, winkte Schimeon seinen Dienern. Diese ergriffen den Gast, banden ihn auf einen Balken und hieben unbarmherzig auf ihn los. — Sv erzählte man. — Mein Sohn Josua, sagte mein Lehrer zu mir, ich, der Fürst Israels, darf solche Schandtaten nicht dulden. Reise nach Antipras und überzeuge Dich, ob an der Sache etwas Wahres ist. — Das war nun ein böser Auftrag. Mußte ich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.