Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 36 (10.1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- Seite 566 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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566 anderer nicht stören, und wer aufrichtig wünscht, daß Gott seine Ankläger und Verleumder zum Schweigen ^bringe, soll auch andere nicht leichtfertig verleumden und anklageu. auf nrrSoi rtS'no „Verzeihung und Vergebung" kann ebenfalls nur der hoffen, der auch seinen Nebenmenschen verzeiht und vergibt. Aüiba.*) Historische Erzählung von Rabbiner vr. M. Lehmann. (Fortsetzung) XXII. Es war ein großer Jubel i im Lande Judäa, alK die Weisen mit der beglückenden Botschaft zurückkehrten, daß der Tyrann gestorben und daß ein neuer Kaiser an der Spitze des römischen Reiches stand, welcher den Juden ein gütiger Herr und Beschützer sein wollte. Die Weisen nahmen ihre Lehrtätigkeit wieder auf; denn jetzt galt es, die Zeit des Friedens und der Ruhe zu benützen, um volle Klarheit in die mündliche Lehre zu bringen und manche einander widerstreitende Traditionen zu erörtern und zu klären. Wir müssen bei dieser Gelegenheit Einiges über die Art und Weise, wie solche einander widersprechende Traditionen entstehen konnten, mitteilen. Als der allmächtige Gott sich auf dem Berge Sinai seinem Volke offenbarte, gab Er dem Moscheh die ganze Thora, welche sechshundertdreizehn Vorschriften, 248 Gebote und 365 Verbote enthält; für jedes einzelne derselben gab Gott unserem Lehrer Moscheh die mündlichen Erläuterungen. Diese überlieferte Moscheh dem Josua; von ihm gingen sie auf die Aeltesten, dann auf die Propheten, dann auf die Männer der großen Synode, dann auf die Männer -über, welche stets zu zweien an *) Mit Genehmigung der Verlagsbuchhandlung I. Kauffmann in Frankfurt a. M. zum Abdruck gebracht. Nachdruck verboten. i