Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 36 (10.1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- Seite 563 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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563 „In der neuen Anlage, Exzellenz, wo ich Wache stand." „Wie ist das zugegangen?" Der Soldat erzählte den Hergang. „So! Er bekommt den Abschied und hier eine Anweisung auf 150 Gulden, die er bei Götsch erheben kann. Warle er bei Götsch, bis seine Sache ausgrfertigt wird. Man kann sich denken, welche Freude unser Manu bei dieser Nachricht empfand. Er traf Götsch nicht zu Hause an, wurde aber von seiner Gattin — einer jüdischen Hausfrau — freundlich empfangen und gut bewirtet. Als Götsch nach Hause kam, übergab der Beglückte ihm die Schrift und erzählte den Hergang. „Ei ei, wie wahr: eitLv S'XD npuc, von dem Erschossenwerden braucht Euch nicht mehr bang zu werden; aber Eure W . . . r werden sich <ino sein. Die können jetzt 300 Gulden zahlen, 150 für Euch und 150 für die Kriegskaffe. Zudem seid Ihr und Eure Eltern nun heimisch, wie ''her Parnes. Bleibt da, bis Ihr Eure Schriften bekommt. Ich freue mich schon, wie der König mit mir darüber lachen wird. Solche Handlungen machen ihm Vergnügen." Unser Mann hielt einen guten Sabbat in Stuttgart. Tie Woche drauf erhielt er seinen Abschied, das Heimatrcchl für seine Eltern und ein Patent mit Kurzwaren in ganz Württemberg hausieren zu dürfen. J>xe SelichoL. (Aus bva*) In einem fernen Lande lebte einst ein Fürst, der furchtbar und grausam war. Er kannte kein Mitleid und Erbarmen, und jedes menschliche Gefühl war ihm fremd. Sein Wahlspruch war: möge man mich Haffen, wenn man mich nur fürchtet. Und man fürchtete ihn gar sehr. Tenn sein Zorn war furchtbar, sein Hast grenzenlos, seine Rache schrecklich. Wir iln einmal erzürnt, dem war er ein erbitterter Feind, wer ihn einmal gekränkt, der ver- *) Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M.