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Jüdischer Volksbote · 1914-10-01 · 36 (10.1914) · p. Seite 561

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
36 (10.1914)
Date
1914-10-01
Page
Seite 561 (sequence 7)
Language
German
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561 Der König «ml der jüdische Soldat. (Aus alter Zeit.) Als König Friedrich I. von Württemberg vom Fürsten von Prontrut durch Suceession Herzog von Württemberg und durch die Zeitverhältnisse von 1806—1810 zum König erhoben wurde, suchte er seine Residenz Stuttgart durch Anlegung neuer Straßen und schöner Gebäude die Stadt und durch Park- und Gartenanlagen die Umgebung derselben zu verschönern. Um diese Arbeiten zu beschleunigen, mußten zur Hilfe der Gärtner die Zuchthaussträflinge herangezogen werden. Um den Fortgang seiner Anordnung zu beobachten, ging der König, wenn es die Witterung zuließ, täglich in diesen Anlagen spazieren. Bei diesen Spaziergängen war der General von Tylin sein beständiger Begleiter. Bei eineni dieser Spaziergänge ließen sie sich nicht weit von einem Wachtposten auf einer Bank nieder. Während sie dasaßen, kam ein Trupp Sträflinge die arbeiten sollten, an. Wie diese alle Personen, bei denen sie vorüberkamen, anzubetteln gewohnt waren, so gingen sie auch den wachthabenden Soldaten um eine Gabe an. Der König beobachtete, daß der Mann jedem etwas gab, und endlich, da noch einige da waren, für welche ihm die Münze ausging, sein Brot aus seinem Brotsacke nahm und es unter ihnen verteilte. Diese außergewöhnliche Handlung, besonders von einem Soldaten, erregte die Aufmerksamkeit des Königs so sehr, daß er sagte: „Diesen Mann muß ich kennen lernen, gehen Sie und rufen Sie ihn hierher*. Der General, welcher durch seine Uniform als solcher kenntlich war, ging zu dem Soldaten. Dieser, welcher sowohl den König, als auch den General kannte, aber sich stellte, als kenne er sie nicht, präsentierte das Gewehr. „Der Herr ans der Bank dort will ihn sprechen*. „Excellenz wissen: ein Soldat darf seinen Posten nicht verlassen*. „Gut, ich werde ihn ablösen lassen*. Der General ging auf das nächste Wachtlokal und ließ ihn ablösen. Der Soldat ging, wie'von ihm verlangt wurde, machte vor dem König seine Honneurs und blieb ehrfurchtsvoll vor ihm stehen. Der König: „Was hat er den Sträflingen gegeben? „Gnädiger Herr! Was ich bei mir hatte*. „Was war das?* „Meine Wochenlöhnung, die ich heute gefaßt habe*. „Er hat ihnen aber auch sein Brot gegeben?* „Weil ich weiß, was hungern heißt!* „Was will er denn heute essen, oder hat er noch einen Vorrat?" „Nein, gnädi» ger Herr, aber ich bin das Fasten eher gewohnt als jene Leute; nebst den uns gebotenen 6 Fasttagen, habe ich schon manchen Tag fasten müssen;

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