Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 35 (8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 549 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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549 Aber auch der neue Kaiser konnte seiner Würde nicht froh werden. Die Prätorianer empörten sich und verlangten stürmisch Rache für das vergossene Kaiserblut. Parthenius und Maximus wurden von ihnen getötet. Calpurnius Crassus, ein Nachkomme des berühmte» Triumvirn, verlangte für sich den Purpur. Mit Mühe wurden diese Verschwörungen unterdrückt. Als Nerva endlich zur Ruhe gekommen war, begann eine Herrschaft der Milde und Schonung. Die blutigen Gesetze, die Domitian gegeben, wurden aufgehoben,- die Verbannten wurden nach Rom zurückberufen. Für Domitilla kam diese Zurückberufung zu spät. Sie war auf der Insel Pandateria dem Kummer um den Tod ihres geliebten Gatten erlegen. Der neue Kaiser ließ die Weisen aus Judäa zu sich rufen, und empfing sie auf das Huldreichste. „Ich bin jetzt in der Lage/ sprach er, „Euch das Gute zu vergelten, was Ihr mir erwiesen habt. Ich werde den Juden stets ein gnädiger Herrscher sein/ Bei diesen Worten überreichte er ihnen eine Münze. Auf der einen Seite derselben befand sich das Bild des Kaisers, auf der andern Seite ein Palmenbaum als Symbol des Judentums mit der Umschrift: „Fisci judaici cohimnia sublata,“ „die Anklagen gegen die Juden sind aufgehoben/ Die Rabbinen dankten dem Kaiser, und Rabbon Gamliel überreichte ihm eine Schutzschrift, in welcher alle Angaben gegen das Judentum widerlegt waren. Dann segneten die Rabbinen den Kaiser und nahmen Abschied von ihm. Wiewohl der Winter herannahte, ließen die Weisen sich doch nicht bewegen, die gute Jahreszeit abzuwarten. Sie sehnten sich nach der Heimat und nach ihrer gewohnten Lehrtätigkeit. So reisten sie dann nach Brundisium und bestiegen das Schiff, das hier ihrer wartete. Allein die Fahrt war eine sehr stürmische. Das Schiff wurde verschlagen, und die Lebensmittel, die sie mit sich führten, waren kaum ausreichend für die verlängerte Fahrt. Zudem mutzte der Levitenzehnten, und da es das dritte Jahr der sieben Schemittahjahre war, auch der Armenzehnten abgesondert werden. Da sprach Räbbon Gamliel: „Ich werde für dieses unser Getreide den Levitenzehnten von dem absondern, was ich zu Hause habe;