Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 35 (8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 548 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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548 eiligst entfernten. Stephanus wurde in Stücke zerhauen, und so fanden der Kaiser und sein Mörder ein gleichzeitiges Ende. Mit Windeseile verbreitete sich die Nachricht von der Ermordung des Kaisers. Die Senatoren waren in der Curie versammelt und begrüßten den Sturz des Tyrannen mit lärmendem Jubelgeschrei. Die Väter des Volkes brachen in Schmähungen und Verwünschungen gegen den Gemordeten aus, stellten Leitern an die Wände und rissen seine Trophäen und Bildnisse herab. Nachdem der erste Jubel sich gelegt hatte, beeilte man sich, den Senator Marcus Coccejus Nerva mit der höchsten Gewalt zu bekleiden. Die Juden waren noch in der Synagoge, der Versöhnungstag neigte sich schon zu Ende, als plötzlich daS Gerücht von dem Tode des Tyrannen sich verbreitete. Da warf sich Rabbon Gamliel zur Erde nieder und rief: »Der Ewige ist Gott, der Ewige ist Gott!" — Und alles Volk folgte seinem Beispiele, und die Synagoge erzitterte von dem Jubelrufe der aus Todesangst Erretteten. Freude und Lust herrschte in Rom. Die Stadt war übervoll von den Standblldern des ermordeten Imperators; diese sielen jetzt insgesamt der Vernichtung anheim; die von Marmor wurden zu Pulver zerrieben, die von Gold, Silber oder Bronze wurden eingeschmolzen, unter ihnen auch die herrliche Kolossalstatue auf dem Forum. Der Name Domitians wurde von jedem Monumente ausgelöscht; seine Triumphbogen samt den Janusbögen, mit denen er die Straßen geschmückt hatte, wurden niedergerissen. Unterdeß blieb der Leichnam des ermordeten Herrschers der Welt unbeachtet auf d'er Stelle liegen, an welchem der Imperator gefallen war. Es fand sich kein Mensch, der ihm die letzte Ehre erweisen wollte, nicht seine Gemahlin Domitilla, keiner von den freigelassenen Delatoren, die er mit Reichtümern und Würden überhäuft hatte, keiner von all den Schmeichlern, die ihn angebetet und ihm göttliche Ehre erwiesen haben. So lag die Leiche da, in Fäulnis übergehend und den Palast verpestend, bis die alte Amme des Kaisers, Phyllis, die einzige, die ihm auch im Tode die Treue bewahrte, sich seiner annahm, die Leiche verbrannte und die Asche im Tempel der Flavier neben der Urne der Julia, der Tochter des Titus, beisetzte.