Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 35 (8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 547 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 547 So kam die fünfte Stunde heran/'ohne daß sich etwas ereignete; und als sie vorüber war, bemächtigte sich des Kaisers eine wahnsinnige Freude. Er verlangte ein Bad zu nehmen und sich für die Abendmahlzeit anzukleiden. Kaum war dies geschehen, als Stephanus in das Gemach des Kaisers trat. „Was willst Du, mein Stephanus?" fragte der Kaiser. „Kaum in Deine Dienste getreten, mächtiger Cäsar," antwortete Stephanus, „nahe ich mich Dir schon als ein Bittender." „Nur nichts, was Domitilla betrifft," sagte der Kaiser. „Nicht doch," entgegnete Stephanus, „es betrifft Deine eigene Person, Du Liebling der Götter! Du Erkorener des römischen Volks! Bei diesen Worten überreichte er dem Kaiser eine Schrift, die Domitian nahm und zu lesen begann. Da zog Stephanus aus dem Aermel seines Gewandes einen Dolch hervor, und stieß mit aller Gewalt nach dem Kaiser. In die Weichen getroffen, aber nicht tötlich, griff Domitian nach seiner eignen Waffe, fand aber dar Schwert aus der Scheide entfernt. Darauf packte er des Mörders Dolch und schnitt sich dabei bis auf die Knochen in die Finger, suchte ihm dann mit den blutenden Fingern die Augen auszudrücken und schlug mit einem goldnen Becher auf seinen Kopf los, wobei er fortwährend um Hilfe schrie. Es war ein fürchterliches Ringen, und trotz seiner gewaltigen Körperkraft wäre Stephanus unterlegen, wenn ihm nicht jetzt Parthenius, Maximus und die andern Verschwornen zu Hilfe gekommen wären. Sie stießen mit ihren Dolchen auf den verzweiflungsvoll ringenden, blutenden Kaiser los, bis er zu Boden stürzte. Es war die höchste Zeit gewesen. Noch lebte Domitian, als durch sein furchtbares Geschrei seine treuen Legionäre herbeigezogen wurden und mit entblößten Schwertern hereinstürzten. Zu ihrem Entsetzen sahen sie ihren Herrn sterbend am Boden liegen. „Wer hat das getan?" schrie einer von ihnen. Der sterbende Kaiser raffte seine ganze Kraft zusammen und sprach ächzend: „Stephanus!" Da hieben die Legionäre mit ihren Schwertern auf Stephanus los, während die andern Verschwornen-sich