Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 34 (6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 529 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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529 und zum Tode verurteilen zu lassen, daß er aber von dem hohen Vorrechte seiner kaiserlichen Gewalt Gebrauch mache und ihr das Leben schenke; sie müsse jedoch nach, der Insel Pandateria in die Verbannung ziehen. Die Angst, welche die römischen Senatoren erfaßt hatte, wurde noch mehr vermehrt als einer der Vornehmsten und Besten aus ihrer Mitte, der gewesene Konsul Acilius Glabrio, des Verbrechens angeklagt wurde, daß er einst im Amphitheater mit wilden Tieren gekämpft hätte. Er wurde zum Tode verurteilt und alsbald hingerichtet. Die Delatoren des Kaisers waren über ganz. Rom verbreitet. Unter allerlei Verkleidungen wußten fie sich überall einzuschleichen. Sie schimpften auf den Kaiser und dessen Grausamkeit so lange, bis sie das auserkorene Opfer dazu brachten, die eigenen Klagen laut werden zu lassen. Dann wurde der zum Tode Ausersehene denunziert, auf' die nichtigsten Vorwände hin angeklagt und hingerichtet. Alle diese Grausamkeiten und Hinrichtungen veranlaßten endlich einige Senatoren, sich im Hause des Coccejus Nerva zu versammeln und.denTod des Tyrannen?u beschließen Die Furcht für das eigene Leben trieb/ ie dazu, die Gefahr nicht zu scheuen. Diese war sehr groß. Selbst wenn es gelingen sollte, den Kaiser zutöten. so war zu befürchten, daß das niedere Volk und die Soldaten, denen Domitian immer geschmeichelt hatte,, den Tod des Kaisers rächen würden. Daher wollte sich Niemand dazu verstehen, den durch die Ermordung des Tyrannen sreiwerdenden Purpur um die eigenen Schultern zu legen; es war ja vvrauszusehen, daß die Rache der Legionäre den Erben der kaiserlichen Gewalt treffen würde. Als Alle sich weigerten, sprach Marcus Coccejus Nerva: Ich bin ein alter Mann und hätte gewünscht, daß. jüngere, kräftigere Schultern bereit wären, die Last der Regierung auf sich zu nehmen. Allein, da Keiner das Wagnis übernehmen will, so erkläre ich mich bereit, die wenigen Tage, die mir noch zu leben vergönnt sein mögen^ dem Dienste des Vaterlandes zu opfern." Die versammelten Senatoren beglückwünschten Nerva und dankten ihm für seinen heroischen Entschluß. Nun wurde der Plan zur Ermordung des Tyrannen festgestellt. Wie einst Julius Cäsar sollte er inmitten der Senats^ Versammlung niedergestoßen werden.