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Jüdischer Volksbote · 1914-06-01 · 34 (6.1914) · p. Seite 524

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
34 (6.1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 524 (sequence 10)
Language
German
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524 auch mit freundlichem LSchelo zu empfangen? So viel, ich weiß, lasse» Sie sich dann von einer viel strengeren Erziehungsmethode leiten, als ich und sparen in solchen Fällen weder ernste Rügen noch empfindliche Strafen". .Wie können Sie solche Vergleiche ziehen!" sagte die Andere. »Man muß doch die Kinder frühzeitig an Sittsamtcit und Ordnung gewöhnen, ich würde mir stets Vorwürfe zu machen haben, wollte ich eS verabsäumen, meine Kleinen zu einem gesitteten Benehmen anzuhalten. Sie hätten mich darob in ihrem Alter noch anzuklayeu; denn jung gewohnt, alt getan. Für meine mütterliche Strenge, dle sie jetzt allerdings manchmal recht schmerzlich trifft, werden ste mir aber ewig dankbar sein. — Sind Sie nicht mich meiner Ansicht?" Diese Frage richtete sie an mich, der ich die Ehre hatte, die beiden Damen zu begleiten. .Sie bandeln gewiß sehr verständig, wenn ste ihre Kleinen von . früher Kindheit an daran gewöhnen, dasjenige zu beachten, was sie in reiferer Jugend zu betätigen haben," erwiderte ich. .Ich glaube auch nicht, daß unsere Freundin Ihnen hieraus einen Vorwurf zu machen gedachte: ste hat in dieser Beziehung lediglich angedeutet, daß die von Ihnen für diesen Zweck iu Auwenduug gebrachten rigorosen Mittel ihrer Ansicht nach nicht so oft, oder nicht in solchem Maße erforderlich wären, oder vielleicht, daß sie solche überhaupt für entbehrlich halte. Ein Weiteres hat sie nach dieser Seite hin um so weniger aussprechen wollen, als sie ja gerade in diesem Augenblicke ihrem Kleinen eine Mahnung erteilte, welche von Ihnen als zu streng bezeichnet worden ist". .So ist eS", meinte die Dame. .Ich suche, im Gegensatz zu unserer Freundin, die Kinder auf den Weg des Guten durch ernstes Ermahnen, freundliche Vorstellung und ruhige Entschiedenheit zu führen, und eS gelingt mir dieses jedenfalls auch ebenso gut, wie anderen Müttern, welche in Heftigkeit und durch den stets drohenden Mahner von der Rückseite des Spiegels her, für welchen in meiner Kinderstube kein Platz ist, die Erziehung leiten". Unser Gespräch wurde durch einen lauten Schrei der voranwandelnden Kinder unterbrochen. Die beiden Kleinen der .aufgeklärten" Dame waren über die gepflückten Blumen in Streit geraten, wacher zu Tätlichkeiten geführt hatte, infolge davon die Kämpfenden auf daS vom vorauSgrgangenea Regen aufgewühlte Erdreich gefallen waren und mit zerrissenen und über und über besthmlchten Gewändern sich von demselben erhoben. Die Mntter war eiligst zur Stelle. Sie nahm ihre Kinder bei der Hand, um ste nach Hause zu führen. »Man schämt sich, mit euch anSzngehea, ihr angezogenen Kinder", sagte sie zu den Weinenden. .Wartet nur biS wir zu Hause find; ich werde mit euch ein fo ernste- Wort sprechen, daß ihr eS sobald nicht vergessen sollt". i

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