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Jüdischer Volksbote · 1914-06-01 · 34 (6.1914) · p. Seite 521

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
34 (6.1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 521 (sequence 7)
Language
German
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521 „daS brave and folqsame Kind nimmt der liebe Gott zu sich in den schönen Himmelin diesen und ähnlichen Mahnungen der Kinderstube erschöpft fich häufig die religiöse Erziehung. Man hält auch für daS „naive kindliche Gemütdie „einfältigenbiblischen Erzählungen sehr geeignet und meint auch, dem Heranwachsenden Kinde die Bekanntschaft mit den Lehren der Religion nicht vorenthalten zu sollen. Das Kind sei eben „gläubig-; dem KindeSgemül bereite die religiöse Einwirkung und die Vorstellung der göttlichen Nähe eine beglückende Empfindung, welche auch für die allgemeine Ausbildung seiner Charakteranlagen nicht ganz ohne wohltätigen Einfluß bleibe. So wird vielfach die religiöse Erziehung lediglich als ein Mittel zum Zwecke betrachtet, während sie ftir den Kreis, den wir hier im Auge haben, die allerwichtigste und allererste Stelle einnimmt. Die Aufforderung Gottes an den jüdischen Vater aber lautet. Da man i'jaS didjim „und schärfe sie deinen Kindern ein und sprich von ihnen-, den Geboten Gottes, lehre deine Kinder den Willen Gottes kennen, daß derselbe die einzige Richtschnur werde für ihr ganzes Leben, daß sie ihm freudig jede Regung des Herzens, jede Kraft des Geistes, jede Betätigung ihres Entschlusses weihen, in jedem Momente ihres Daseins bis zum letzten Atemzuge. Das Gesetz Gottes werde ihnen der Boden, auf welchem ihr Geistesleben erblühe, auf welchem fich ihre Tatkraft entfalte, es sei ihnen daS ipT? das bestimmende und maßgebende, dem alles andere sich als das Scb . unterordne. Denn für das Judentum haben wir unsere Kinder zu erziehen, für den erhabenen Beruf des abrahamitischen Stammes, für die hohe Sendung des israelitische». Volks, das vor allen anderen Nationen gewürdigt worden ist, die Offenbarung des göttlichen Wortes am Sinai zu empfangen, daß auch sie in vollem Bewußtsein und in dem Hochgefühle der steten heiligen Gottesnähe eintreten „in den Bund Gottes und in Seinen Eid, — daß er fich ihnen als Gott erweise, wie er eS dir verheiße» und wie Er deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob zugeschworen-. Denn nicht mft den Vätern allein hat Gott dieses innige Band geknüpft, sondern auch mit allen kommenden Geschlechtern, mit jeder Seele, die in einem jüdischen Hause in's Dasein tritt. Alle, ohne Ausnahme, find berufen zu dem Dienste Gottes, zur Verwirklichung Seines Willens im Kreise der Menschen, zur Verkündigung Seiner Herrschaft unter der Menschheit — Alle, zu jeglicher Zeit, in jeglicher Lebensstellung, unterschiedslos. Die ganze Kraft eines jeden Mannes, die volle Hingebung einer jeden Frau erheischt das Gottesgesetz — wir haben unsere Kinder nicht bis zu einem grwiffen Alter etwa „gläubig" zu erhalten, um sie fortan in selbständigen Jahren dem Skeptizismus zu überlaffen, Wir haben sie vielmehr in der Jugendzeit zu „rüstenfür die Betätigung des Gehorsams gegen Gott und sein Gesetz im reifen Alter, wir haben sie zu „weihen" für den einzigen priesterlichen Beruf ihres Lebens, wir

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