Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1914-06-01 · 34 (6.1914) · p. Seite 520

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
34 (6.1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 520 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4903180-5965947-5965992--733-4903869
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

520 miate Nr die religfö*<j krrieln»g. Wenn mich manche freundliche Kundgebungen nicht täuschen, so darf ich annehmen, daß die schlichten Betrachtungen über die Frage: wie erziehen wir unsere Kinder? hier uud dort zum Nachdenken über dieses bedeutsamste aller Probleme Anregung gegeben. Tem an mich zugleich herangetreteneu Wunsch nach einer Besprechung der religiösen Erziehung, glaube ich des^lb mich nicht entziehen zu sollen. Ich überschätze dabei meine Kraft keineswegs; ich bin zu sehr von der Schwierigkeit der vollständigen Lösung dieser Fragejdurchdrungen, als daß ich mir die tiefe Einsicht und die umfaffeude Weisheit zuschreiben könnte, welche dazu erforderlich wären, um bahubrtcheud und maßgebend auf diesen« Gebiete zu wirken. Unter den gegenwärtig obwaltenden Verhältnissen die religiöse Erziehnngsfrage grindlich und erschöpfend zu lösen, ist eine so große Leistung, daß auch Männer, mit deren Wiffen und Erfahrung mich zu messen eine Kuh« heit wäre, daran scheitern können. Ich bescheide mich nur einige Winke dazu geben zu können, nach Maßgabe der eigenen Erfahrungen eines Hausvaters, dem das Glück zu Teil geworden, aus die Resultate »er von ihm geleiteten Erziehung auch nach dieser Richtung nicht ganz unbetriedigt Hinblicken zu dürfen. Es ist ja die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die Letzteren im ursächlichen Zusammenhänge mit den Ideen stehen, welche mich geleitet, so daß auch vielleicht andere Eltern! auf dem gleichen Wege zu dem gleichen erfreulichen Resultate gelangen könnten. Wenn aber dieses auch nur in einem einzigen Falle geschehen! sollte, oder wenn auch nur ein einziger Bater sich durch die gegenwäitige Betrachtung veranlaßt fühlen sollte, über die Auffindung eines geeigneten Weges zur Erreichung des gleichen Zieles erustlichst nachzudenken und auf anderer Bahn es erreichte, so würde ich mich reich belohnt wiffen. Daß auch die sittliche Erziehung auf dem Grunde der Religion am sichersten zum Gedeihen gelange, wird in den allerweitesten Kreisen zugestanden. Es gibt nur sehr wenige Eltern, welche zu einem solchen Grade der Entartung herabgesunken ober1 fi<^ zu einer solchen Stufe vermeintlich wissenschaftlicher Gottlosigkeit verstiegen haben, daß sie ihre Kinder ohne Religion, d. h. ohne Gottesdewußtsrin heranwachsen lassen möchten; die Zahl der Elter« ist sicherlich sehr gering, welche vermeinen, ihre Kinder zu braven Menschen erziehen, dennoch aber der Religion hierzu entbehren zu können. Es beruht demnach die Erziehung im allgemeinen tatsächlich auf religiösem Fundamente. Freilich ist das religiöse Element in vielen Fällen nur allzu dürftiger Art und beschränkt sich aus die Erweckung von Furcht vor Strafe und von Begierde auf Lohn und zwar der niedrigsten Stufe kindlicher Erkenntnis angepaßt. „Der liebe Gott hat die unartigen Kinder gar nicht lieb", „wenn die Kinder ungezogen sind, so kommen sie in die heiße Hölle*,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.