Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 33 (4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 502 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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502 Besitz verblieben, auch nach Pesiach verboten bleibt, ist ebenfalls nicht allgemein bekannt. l Selbst bei denjenigen Speisen und Getränken, die als noch ivs verkauft werden, ist eine strenge Kontrolle erforderlich, wenn man sie nicht von einem religiös zuverläffigen Händler kauft, weil sonst auch hier diei Möglichkeit einer Vermischung mit chomezhaltigen Stoffen nicht ausgeschloffen ist. Die Mischmasch-Bestrebungen, die heutzutage auf alltn Gebieten des öffentlichen Lebens sich geltend machen, haben gerade bei der Verfälschung der Lebensmittel einen Höhepunkt erreicht, die! dem gewissenhaften Juden das ganze Jahr hindurch, aber besonders antPeffach die Möglichkeit eines gott-treuen Lebens ungemein erschweren. Der Wein, der durch chomezhaltige Spirituosen vermischt, das ganze Jgihr nur minderwertig ist, führt am Pcffach zu einer direkten Uebertremng des Chomez-Genuß-Verbots, gerade in dem Augenblick, in dem moin im Begriffe ist, vierfach die Pokale zur Feier des Festes zu füllen. Bekannt ist die Fälschung des Pfeffers. die durch Beimischung von schwarz gefärbten Teigkügelchen bewerkstelligt wird. Weniger bekannt ist die Verfälschung des Kaffees durch Nachbildung von Kaffeebohnen auß Mehlteig und anderen Stoffen oder durch geschickte Färbung, durch die den Bohnen das Aussehen von Java-Ceylon- und jeder beliebigen Kaffeesorte gegeben wird. : Es sind dies nur einige aus der Praxis herausgegriffene Nahrungsmittel. Aber eine dem Bedürfnis der Zeit angepaßte Belehrung für Pffsach wird jedem nahe liegen, wie vieles hier noch zu ergänzen ist. > Noch mehr als zur Beseitigung des Chomez ist eine belehrende Aufklärung über die Beschaffung von Mazzos zu wünschen. Ist die Herstellung der Mazzos nicht ganz genau nach Borschrift erfolgt, so find sie es eben nur dem Namen nach, in Wirklichkeit sind sie aber keist ungesäuertes Brot, mit dem daher der vorgeschriebenen Pflicht des Mazzogenuffes nicht genügt wird. Ja, man hat dann tage- und wochenlang das Haus untersucht, um alles Chomez aus dem Besitz zu räumen, und am Peffach-Abend hat man auf der Seder-Schüffel richtiges Chomez in Form von Mazzos liegen, deffen Genuß von der Thora mit derselben schweren Strafe — rro — belegt wird, die auch destjenigen trifft, der den Join Kippur durch Essen und Trinken entweiht. , Die gewissenhafte Umsicht, welche für die Herstellung von richtigen Mazzos unerläßlich ist, hat in früherer Zeit alle Familien veranlaßt, selber jhren Bedarf zu backen. Die neuere Zeit, deren charakteristische Eigentümlichkeit darin besteht, daß sie keine Zeit hat, läßt nur die besonders um das Kaschrus ihrer Mazzos Besorgten persönlich ihre Herstellung in die Hand nehmen. Die Herstellung der Mazzos ist in Ftzlge deffen eine Industrie geworden, bei der naturgemäß das Geschäftsinteresse in erster Reihe maßgebend ist, während die Rücksicht auf die Anforderungen des Religionsgesetzes erst in zweiter oder noch in späterer Linie folgt, falls sie nicht gänzlich vermißt wird. Daß es Mazzosbäckereien gibt, die in religionsgesetzlicher Hinficht allen Ansprüchen i