Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 33 (4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 499 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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499 sie gestatten und billigen vielmehr den Lebensgenuß, aber einen Genuß, der geheiligt und veredelt ist durch das Gottesgesetz. Darin also liegt die Bedeutung dieses Sabbats vor dem Pesachfeste, daß an ihm Israel sich zur Erfüllung des ersten Gottesgebotes vorbereiten sollte. Und darum war dieser Sabbat in Israel von jeher der Vorbereitung für das Pesachfest gewidmet, der Belehrung und Unterweisung über die zahlreichen und weitverzweigten Vorschriften, die dabei zu beachten find. Denn früher hatte jeder das Bedürfnis die Einzelheiren dieser Bestimmungen genau kennen zu lernen. Heute ist dieses Bedürfnis wenig mehr vorhanden; nicht etwa deshalb, weil unsere Zeitgenosien gelehrter und kenntnisreicher geworden wären, als ihre Voreltern es waren, neiÄ^ es fehlt häufig das Jntereffe, und jeder glaubt genug zu wisien, wenn er im allgemeinen das noch kennt, was er sich aus seinen Jugenderinnerungen aus dem Elteruhause bewahrt hat. Daß man vor dem Feste die Wohnräume reinigt, das weiß jeder zur Genüge. Aber wie wenige kennen die genauen Vorschriften über die npna und wisien, was alles unter den Begriff von fort fällt, wo eine Beimischung von vorhanden ist, so daß aua> dieses aus unserem Besitz entfernt werden muß. Auch über den Verkauf des j»on herrschen vielfach irrige Ansichten, es genügt nicht, wie manche glauben, daß man den Schlüsiel zu dem Raum, in welchem sich das pen befindet, einem Nichtjuden übergibt, das j*en muß vielmehr in rechtsgiltiger Form verlauft werden. Dann sind auch die zahlreichen und ms Einzelne gehenden Bestimmungen über das Glühen und Käschern der Gefäße, die man für nov benutzen will, wohl zu beachten. Darum wäre es gerade in unserer Zeit ein dringendes Bedürfnis, sich mit jenen wichtigen Bestimmungen eingehend zu beschäftigen. Und jene andere Mahnung, die unseren Vätern zu teil wurde lnpi i3rv, bat sie etwa heute ihre Bedeutung verloren? mxo Sr Jkjt 03*? inpi ryo D3’T wro Die Anbequemung an nichtjüdische Sitten und Gebräuche, ist sie nicht gerade heute das allgemeine Streben? Deshalb ergeht auch an unsere Zeit das Wort: rj?o 03*t uro. Glaubet nicht etwas Großes erreicht zu haben, wenn ihr den anderen gleich seid, wenn ihr ihre Anschauungen, ihre Grundsätze, ihre Bestrebungen auch zu eigen gemacht habt, euch winkt vielmehr ein größeres Ziel, ihr seid dazu erwählt, um die von Gott geoffenbarten, in seiner Lehre niedergelegten Ideen der Welt zu verkünden und zum Siege zu führen. . Und erst dann, wenn wir uns frei gemacht haben von allen irrigen und falschen Anschauungen, dann erst heißt es Sr srn 03S inp rmto, dann erst können wir das heilige Fest der Befreiung mit der rechten Stimmung feiern. Schon der Charakter der jüdischen Feste bezeichnet die Eigenart Israels gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften. Der jüdische Festtag ist nicht bloß ein Ruhetag, an welchem der ermüdete Körper Kräfte sammelt zu neuer Arbeit; er ist noch weniger ein Tag des bloßen Genuffes. 03S tot *nS tot Zur Hälfte gehört er Gott, zur Hälfte euch, wie es im Talmud heißt. Er sei