Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1914-04-01 · 33 (4.1914) · p. Seite 498

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
33 (4.1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 498 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4903180-5965947-5965990--710-4903847
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

498 Egypter, über deren Standpunkt Israel sich erheben, von denen sie sich abwenden sollten, waren nicht etwa ein rohes, unzivilifiertes Volk, das jeder geistigen Regung bar gewesen wäre, im Gegenteil, die Geschichte zählt die Egypter zu den Kulturvölkern des Altertums. Und dennoch, trotz dieser hochentwickelten Kultur, war die erste Voraussetzung für die Erwählung Israels das Gebot wmv, die Absonderung, die strenge Schcidung von jenen Egypter». Denn in ihren religiös-sittlichen Anschauungen standen die Egypter auf der tiefsten Stufe. Ihre Religion war der niedrige, verabscheuungswürdige Tierdienst, und wie entartet sie in sittlicher Beziehung waren, das beweist jene Mahnung uryn . . . enxo pt« wyaa, die gerade den Vorschriften über die Sittlichkeit vorangeschickt wird. Und das sollte Israel jetzt erkennen, daß sie diesem Volke gegenüber eine Sonderstellung einnehmen müßten. Mochte die Kultur der Egypter äußerlich eine noch so glänzende sein, mochten sie geistig noch so hoch stehen, Israel mußte sich von ihnen absondern, mußte einsehen lernen, daß alle jene Errungenschaften wertlos sind, wenn ihnen der feste Untergrund fehlt, daß die Kultur keine Dauer und keinen Bestand bat, wenn sie nicht getragen ist von religiös-sittlichen Prinzipien. — Und nicht nur mit ihrer Umgebung, auch mit ihrer eigenen Vergangenheit sollten sie brechen. Der Midrasch erzählt, daß von den Traditionen der Stammväter wenig mehr in ihnen lebte, daß viele von ihnen den Anschluß gn die Egypter gesucht und gefunden hatten. Sie hatten Freunde und Gönner unier den Vornehme» des Landes und kannten keinen sehnlicheren Wunsch als von diesen mit einem Händedruck geehrt, von ihnen für ebenbürtig gehalten zu werden. Und so suchten sie denn diese Ebenbürtigkeit zu erlangen, indem sie alles abstreiften, was an ihren hebräischen Ursprung erinnerte. Selbst den Abrahamsbund hatten sie gebrochen, sie wollten jede Erinnerung an ihre fremdländische Abstammung verwischen, wollten Egypter werden. So tief war nach den Worten unserer Weisen Israel schon gesunken, daß es nur noch einer kurzen Spanne Zeit bedurft hätte, um den Unterschied zwischen ihnen und den heidnischen Egypter» vollkommen aufzuheben. Da bedurfte es denn einer starken, einer kraftvollen Aufforderung, um die Erinnerung an längftvergeffene Zeiten wieder zu erwecken, orv idito ryc. Jetzt ist die Zeit gekommen, um euch zu reinigen von diesen Anschauungen, jetzt gilt cs zurückzukehren zu den Ueberlieferungen der Ahnen. Und statt der Hinneigung zu den Fremden, zu den Götzendienern mxa bv }tcx 027 inp, bereitet euch vor, eurem Gotte zu dienen. Es war das erste Mal, daß Israel in seiner Gesamtheit eine Gottesgebot zu erfüllen hatte. Und beachten wir wohl, von welcher Art dieses Gebot war. Es war nicht eine Kasteiung, nicht eine Entsagung, die ihm auferlegt wurde, es war ein Genuß, den ihm Gott gebot nm wan nt« iSasi. Damit war in bedeutungsvoller Weise der allgemeine Charakter der Gebote gekennzeichnet, welche die Lehre Gottes enthalten sollte. Sie verlangen von uns nicht Entsagung und Abtötung,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.