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Jüdischer Volksbote · 1914-02-01 · 32 (2.1914) · p. Seite 490

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1914
Issue
32 (2.1914)
Date
1914-02-01
Page
Seite 490 (sequence 16)
Language
German
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490 Unterdes halten sich die Mitglieder des Staatsrats versammelt. Domitian hatte den Thronsessel bestiegen; zu seinen Füßen, auf niederen Polstern, saßen die Räte. .Meine Freunde", redete der Kaiser die Versammelten an, .was soll der wohl tun, der ein schmerzhaftes Geschwür an seinem Fuße Hab? Soll er das Geschwür um sich greifen lassen, bis -er ganze Körper von dem Gifte desselben ergriffen ist und dem sichern Tode entgegengeht, oder soll er mit schürfen, Messer das Geschwür ausschneiden, um sein Leben, zu erhalten?" *) ..Du fragst wohl nur, o Kaiser"", nahm Junius Mauritius das Wort, .„um etwas Anderes mit dieser Frage rinzuleiten. Es ist ja selbstverständlich, daß man die Operation, wenn sie auch noch so schmerzhaft ist, vornehmen muß, um den ganzen Körpjer zu retten."" .Du hast den Sinn meiner Wotte richtig erfaßt, mein Junius. Ihr alle wißt, daß die Religion unserer Väter in großer Gefahr ist. Schon j beginnt man in Rom an der Allmacht des Jupiter zu zweifeln, und Minerva, meine gnädige Patronin, findet die Anbetung nicht mehr, die ihr gebührt. Ich habe die Philosophen, die durch ihre Irrlehren die Herzen der Jugend vergiften, aus der Stadt vertrieben. Aber ein mächtiger Feind unserer Götter lebt in unserer Mitte, und wird von uns geduldet. Dieser Feind, dieser gottlose Feind, ist das Judentum. Ihr wißt, daßj die Juden keine Götter anbeten. , Sie unterscheiden sich hierin von allen Völkern der Erde. Die Götter der Atgypter, der Chaldäer, die Gallier, der Germanen und die aller andern Völker sind wie die unfern; es sind nur andere Namen für dieselben Gottheiten. Die Juden aber haben gar keine Götter; ihnen beherrscht nicht Jupiter den Himmel, nicht Neptun das Meer, nicht Pluto die Unterwelt; ihnen lenkt nicht Apollo den Sonnenwagen und nicht Diana den Mond. Sie haben kein Götterblld, dem sie ihre Verehrung beweisen. Sie waren vort jeher Feinde des römischen Reichs. Mein Vater, der göttliche Vespasian, hat sie niedergeworfen; mein Bruder, der göttliche Titus, hat ihren Tempel zerstört, in dem sit ein unbekanntes, unsichtbares Wesen verehrten. Trotzdem haben sie nicht aufgehört, uns gefährlich zu sein; sie verführen mein Volk zur 'Gottlosigkeit. Schon sind viele vornehme Bürger wegen ihrer Hinneigung zusn Judentums mit *) Vergleiche Abodah Sarah f. 10b.

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