Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 32 (2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 482 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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482 So haben auch hie Propheten mit Vorliebe den Baum als Bild gewählt, nm ihre prophetischen Ergüsse bester zu veranschaulichen, ihre Rück- und Ausblicke, Mahnungen. Tröstungen und Verheißungen einer entarteten oder schwer; eprüften Menschheit lebendiger und eindrücklicher zu übermitteln. Seit Jotam, der vom Berge herunter der zügellosen, i», Freudenrausch jubelnden Meiige die aninntige Geschichte von der Königswahl der Bäume erzählt und somit, drastisch den Brüdermord keniizeichneiid, len schauerlichen Fluch anssvricht, der in nicht allzu langer Zeit wörtlich in Erfüllung geht, hö-t der Baum nicht auf. in allen Farben, Gestalten und Variationen als Bild und Bei. spiel im Buche der Bücher aufzutreten. Er ist mit seinem mächtigen Stamm ein Synibol per Kraft und Schönheit, seine Aeste prangen im Grüne der Hoffnung, die erfüllt und gerechtfertigt wird dn:ch die heranreifende Frucht, durch Mannestat und Erfolg. ... „Der Fromme blüht wie eine Palme,heran, Zeder im Libanon gedeiht er". Familienglück und frieden ruhen im jüdischen Hause, da „die Kinder baumes den Tisch umringen". wie die Familienwie die In das große Loblied für Gptt stimmen auch ein „Die Berge und Hügel, und alle Zedern". — „Es jauchzt das was darin ist; dann singe» auch alle Bäume des Waldes"; denn sind nicht Bäume wie Menschen, täg- Zweige des Oe die Baumfrüchte Feld und alles. lich Seiner Wallung gewiesen?" „Die unterworfen, auf Seine Huld und Gnade an- ^timme des Ewigen zerschmettert die Zedern, die Zedetn des Libanon". Er läßt aber die Erde seiner Gnade teilhaftig werden und .es sättigen sich die Bäume des Herren, die Zeder» des Libanon, die Er gepflanzt hat, auf denen die Vögelchen ihre Nester bauen, der Storch sein Haus errichtet". Der Baum nimmt auch teil, so lesen unsere Weisen einen Satz im Hohen Liede, an den Leiden Israels: „Unter dem Apfelbaum habe ich dich zu neuem Leben erweckt". Darum kann der Baum auch nicht stillschweigend die Erlösung Israels mu mischen. „Es jubelt der Himmel, da es Gon vollführt hat, es jauchzen die Gründe der Erde; es stimmen die Berge Lobgesang an, der Wald und alle Bäume darin, denn erlöst hat Gott Jakob und sich durch'Israel Ruhm geschaffen". Und unsere Weisen, deren Lehre, Welt- und Lebensanschauung tief in der Thora wurzeln, die „ein Baum des Lebens ist allen, die an ihr fest halten", ließen den Baum als Anschauungsmittel nicht mehr aus ihrem Gesichtskreise, aus ihrer Bildersprache. Ein Baum ist das Volk Israels in ihren Augen; und in welchen wechselvollen Farben und Formen wiffen sie uns diesen Baum zu zeichnen und als Konterfei des Wesens, des Lebens und der Schick-