Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 31 (12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 470 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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470 erfüllten Herzen einzoß. Dann war es ein Gefühl der Empörung, das sich ihrer bemächtigte. Die vornehmsten Senatoren der weltbel herrschenden Roma, vor denen die Könige der besiegten Völker im Staube lagen, sollten hier zu einem Postens piele der kaiserlichen Willkür mißbraucht werden! Und doch mutzten sie gute Mienen zum bösen Spiele machen^ Mit der größten Sorgfalt berieten sie die ihnen vorgelegte Frage und führten Gründe für und wider ins Feld, wie wenn es sich darum handelte, die größten Gefahren vom Reiche abzuwenden. Ein Majoritätsbeschluß entschied, daß der wunderbare Fisch nicht geteilt, sondern daß eigens für ihn eine neue Schüstel sollte angefertigt werden. Für die Führer der jüdischen Nation hatte dieses Postenspiel des Kaisers die unangenehme Folge, daß Nerva sie am anderen Tage ersuchte, anderswo Wohnung zu nehmen, da er um ihretwillen in der verflossenen Nacht zu viel Angst ausgestanden hatte. Rabbon Gamliel und seinen Freunden war es nur lieb, daß sie nunmehr bei einem Glaubensgenossen Quartier nehmen durften. Nur aus Rücksicht auf den Wunsch des Clemens waren sie in ein heidnisches Haus gegangen, wo die überall aufgestellten Götterbilder ihre Gefühle verletzten. Sie begaben sich in das Haus ihres Freundes Taddäus, der sie gerne beherbergte. Jetzt nun wiederholte Rabbi Josua seine Frage:! „Wollen wir nicht unfern Freund, den Philosophen Artemidorus, aufsuchein?" Diesmal hatte ^Rabbon Gamliel nichts dagegen einzuwenden, und btei Weisen machten sich auf den Weg nach dem Landgute vior der Stadt, welches der Philosoph bewohnte. l Schon sieben Jahre zuvor hatte der Kaiser die Philosophen aus Rom vertrieben. In neuester Zeit hatte er die Maßregeln gegen dieselben erneuert. Viele von ihnen waren unterdeß nach Rom zurückgekehrt. Die Philosophen jener Zelt waren größtenteils Stoiker. Domttian fürchtete die Lehrer der Weisheit und Tugend in den Schulen, ebenso wie er die grollenden Politiker im Senate fürchtete. Beide führten die nämliche Sprache und bedienten sich der nämlichen Losungsworte; beide beriefen sich auf die nämlichen Grundsätze und dieselben lebendigen Beispiele, mochte der Stoiker seine erhabenen politischen Lehren von den Bänken der Senatsversammlung verkünden oder mochte er die Oeffentlichkeit meiden und seinem Grolle in der Stille des Haufts Luft machen.