Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 31 (12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 469 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4903180-5965943-5965987--678-4903818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
469 Kaum hatte er ausgesprochen, so eilte Catulus herbei. .Was ist geschehen", fragte dieser die beiden Anwesenden, „sind die Chatten in das Land eingefallen oder die Sicambrer? Haben die Britanier oder die Datier die Fahne des Aufruhrs erhoben? Nicht lange nachher trat Junius Mauricus herein. Gegen diesen hegte Domitian einen ganz besonderen Haß; er war ein Bruder des Hingerichteten Arulenus Rusticus. „Was geht hier vor?" rief er. „Sollen wir Alle zum Tode geführt werden?" So erschien ein Senator nach dem anderen, lauter Mitglieder des geheimen Staatsrats, im ganzen elf an der Zahl. Sie waren alle schreckensbleich und zitterten vor Aufregung. Lange mußten sie im Vestibulum auf Einlaß warten. Endlich erschienen die Diener des Palastes und trugen eine gewaltig große Meerbutte in das Gemach des Kaisers. Wiederum verging eine halbe Stunde, während welcher die geheimen Räte des mächtigen Herrschers der Welt schier verzweifelten. Nunmehr öffnete sich ihnen das kaiserliche Gemach und sie durften der Entscheidung ihres Schicksals entgegengehen. Der Kaiser empfing sie mit feierlicher Miene. „Ich habe Euch, Ihr meine geheimen Räte. Ihr Stützen meines Thrones, Männer, hervorragend durch Weisheit und Tugend, zusammenberufen lassen, damit Ihr eine Entscheidung von hoher Wichtigkeit treffet. Verzeihet, daß ich Euren Schlaf habe stören müssen; allein die Angelegenheit, die ich Eurer Beratung vorlegen will, erduldet keinen Aufschub. Sehet diesen ungewöhnlichen großen Fisch; ein armer Fischer hat ihn bei Ancona am' Strande gefangen und hat ihn aus Liebe und Anhänglichkeit für meine Person über die Berge hierhergetragen, damit dieser seltene Fisch meine Tafel ziere. Nun aber besitze ich keine Schüssel, die groß genug wäre, diesen König der Fische zu fassen. Die Frage, die Ihr zu beraten habt, ist nun die: Soll der Fisch zerstückt und in mehreren Schüsseln serviert werden, oder soll man eine neue Schüssel anfertigen lassen, die den ganzen Fisch auf einmal zu fassen vermag?" Die Senatoren glaubten nicht recht gehört zu haben. Voll Verwunderung klickten sie von dem großen Kaiser auf den großen Fisch, und von dem großen Fisch auf den großen Kaiser. Und als sie endlich sich von der Richtigkeit des Gehörten überzeugten, da war es zuerst ein Gefühl der Erleichterung, welches in ihre angst-