Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 31 (12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 463 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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463 jährigen Unterrichtspraxis! Der rege Eifer der Teilnehmer, namentlich der Jugend, äußerte sich in Hunderten von Fragen und Meditationen über den Lernstoff. Wir behandelten die Kapitel über daS Gebet, über den Sabbat und sämtliche Festtage, übex Zizis, Teffillin, Lulof, die Vorschriften von nsun und on* ,383 'v und anderes mehr. DaS Meiste wurde auch wiederholt. — Auch die uns von der »Freien Vereinigung" überreichten Mischnawerke fanden gute Verwendung. Es wurden in oen jüngsten zwei Jahren Traktat roiD, Traktat mt'3 und nS'io, einige o'pm von dtido und im letzten Sommer fast ganz ni3-a bewältigt und zwar mit dem Kommentar Bartinora. Natürlich geht es jetzt schon flott von der Stelle. Es hat sich schon ein Sprachgefühl und eine Sprachfertigkeit herausgebildet; denn die alte, vielverlästerte Memorialmethode ist die natürliche Schwester der KonversationSmethode, die auf den Mittelschulen jetzt dominiert. Der Lern-jw, so überaus wichtig für-die sinnvolle Zusammenfassung . und Scheidung von ganzen Sätzen, wird natürlich angewendet, auch die Wandtafel und Kreide benützt, kurz alles, was pädagogische Hilfsmittel sind. Schon im zweiten Schuljahre hören Knaben zu, im dritten können begabte Schüler schon hübsch eine leichtere Mischna mit.tub-o aufsagen. Wo es immer nur möglich ist, empfiehlt sich das Lernen in Privathäusern, bei den Baale-battim selbst. Erstens hat dies mehr die Form einer ungezwungenen geselligen Zusammenkunft und Unterhaltung, fürs zweite entspricht diese Einrichtung dem schönen altjüdischen Ideal, daß in all unfern Häusern nun-Worte vernommen werden mögen. Bietet überdies die gastfreundliche Hauswirtin hie und da eine kleine Aufmerksamkeit, umso besser. Zur Anregung des Wetteifers und Jntereffes mache ich folgenden Vorschlag: Lernende Kollegen besuchen gegenseitig ihre Schulen in gewiffen Zeitabständen, um dabei ein kleines »Verhör" vorzunehmen. Ein Lob aus fremdem Munde klingt anders, muntert auf. Ein Lernen ohne .Verhör" war den Alten schlechterdings undenkbar. (Siehe auch das Prof. Oppenheim'sche Bild „Das Verhör"). Es mag sich so ein Wetteifer zwischen Nachbarschulen herausbilden, vielleicht auch eine Einheitlichkeit im Lehrstoff, nvx. ni^wnna nenSo. Jeder Kampf muß mit einer gewissen List geführt werden. Gemeinsames Streben, gemeinsames Arbeiten, das o">3n piai gehört zu den besten Mitteln, um das Thorastudium zu fördern. Und wie stehts mit der Zeit, die fürs Lernen nötig ist? Meine Herren! Es ist wahr, es ist ein Zeichen unserer Zeit, daß sie — »keine Zeit" hat, und gewiß wenig für jüdische Fortbildung. Allein, ich muß hier mit dem Volksmund fragen: »Wie kommt die Kuh vom Eis?" Soll man gar nichts probieren, gar nichts wagen? Gewiß, wo ein W i l l c, da ein Weg! Es lassen sich unschwer jährlich hundert Stunden für Lernen zusammentrage», wenn man N3V ,b" und auch andere Tage