Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 31 (12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 462 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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462 halten und gehört wohl in eine Versammlung der zünftigen Vertreter der Unerrichtskunst. Aber soviel kann auch hier gesagt werden: Beim „Lernen" handelt es sich einesteils um den Stoff oder Inhalt, andererseits um die Form, in welcher derselbe geboten wird. Was den Stoff betrifft,-so ist uns eine ungemein reiche Auswahl geboten; wir stehen vor einein wahren emdarrus äs riedssse. Und der stoffliche Inhalt ist zugleich ungemein anregend für Kinder, durch das pro und contra, durch Re- und Duplik, durch Frage und Antwort, durch die Personen, die da zum Worte kommen. Man tritt beim Lernen gleichsam in ein Parlament ein und hört die Verhandlungen im Plenum, , nicht trockene Gesetzesparagraphen. Selbst die Hilchaus, wie sie beispielsweise der yv nxp bietet, haben bei der Behandlung für die lebendige Praxis großen Reiz. Dazu verkehrt unser Lernen sehr stark mit konkreten Dingen und Begriffen; denn die min umfaßt den ganzen Menschen, kümmert sich um Küche und Keller, führt aufs Feld, in den Weinberg, betrachtet Tiere, Pflanzen und alle möglichen Gebrauchsgegenstände, da wird gemeffen und gewogen, gebaut und eingeriffen, Farbe und Form der Dinge beachtet u. s. w. Kann da sich Langeweile einstellen? Wer mit Kleinen einmal „lernte", der kann bezeugen, daß sie das dem vain-Unterricht vorziehen. „Dürfen wir wieder nrwe lernen? Haben wir wieder yv nitp oder ’*tm?" fragen sie in froher Erwartung. Das ist der beste Prüfstein dafür, ob das Ganze den Kleinen Spaß macht. Was die Form der Darbietung anbelangt, so ist hier im Grunde nichts anderes zu beachten, als beim Uebersetzen von Chumesch oder Gebeten auch: erst Ei klären des Inhalts, möglichst im wortgetreuen Anschluß an den Text, scharfartikuliertes Vorsätzen, Nachsagen und Abfragen. Das ist ungefähr die Methode in ihren Hauptzügen. Sie ist die einzig mögliche und die kürzeste. Wird sie in rechter Art gehandhabt, so führt sie rasch zum Ziele. In einer ausführlichen Darstellung habe ich im Vorjahre ihre methodische Berechtigung und Bedeutung erwiesen und kann mit Genugtuung, konstatieren, daß so mancher Kollege nunmehr sie anwendet. Sie ist ja nicht neu, im Gegenteil, es ist der alte nc^n -pi, den wir alle gegangen, um m'zvv etc. zu lernen. Ich erlaube mir noch zum aufmunternden Exempel aus der Praxis des Lernens einiges mitzuteileu. Vor allem nehme ich willkommene Gelegenheit, eine Dankesschuld an die „Freie Vereinigung" hier abzutragen. Ein verdienstvoller, rühriger Vertreter hatte die Freundlichkeit vor drei Jahren einen Vortrag bei uns zu halten und zum Lernen aufzumuntern. Die alsbald uns überreichten Bücher — zehn Exemplare deS yv nxp — wurden gerne benützt. Wir lernten erst eine, dann zwei Stunden jeden nair, von denen eine auf den Winter-Freitagabend gelegt ward, und ich versichere Sie, daß diese Stunden zu den schönsten zählen während meiner langen, fast dreißig-!