Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 31 (12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 464 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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464 dazu Verwendet. Wenn einer nicht hartnäckig der Wahrheit sein Auge und Ohr verschließt, dann begreift er auch, daß es der Jugend durchaus nicht schadet, auch während eines Ferientages einmal ein halbes: Stündchen zu lerfle». Oder ja? Ich habe wenigstens bei meinen Jungens niemals eine Schädigung ihres frisch-fröhlichen Wesens und jligendlichen Treibens wahrnehmen können. Sicher aber strengt das L<rnen weniger an, ails die unvermeidliche Klavierstunde, als so manche Fuß- und Radtour oder andere sogenannte.Vergnügen", wobei ich! bemerken möchte, daß ich persönlich ein Turnfreund und überhaupt Naturfreund bin. Unschwer gelingt es, manchem Vater und ^anchtr Mutter plausibel,gu machen, daß das Lernen nicht nur eine gute Schule der Logik, d^s richtigen Denkens ist, sondern auch eine ausgezeichnete Schulung in der deutschen Muttersprache mit sich bxingt. Jeder Uebersetzungsunterricht ist Sprachunterricht und das erläuternde erklärende Lernen mit seinen häufigen Umschreibungen erst recht! selbstredend soll hier das übliche offizielle Schiurlernen nicht verdrängt werden. Mitunter mag es freilich ersprießlicher erscheinen, eine Lern-niIn dafür zu konstituieren. -Ich meine sogar, das dürfte die Rkigel sein. Doch muß das dem Ermessen des Einzelnen nach den ' jeweiligen lokalen Verhältnissen anheimgestellt werden. Ich bin zu Ende. Meine Herren! Wissen ist Macht; so sagt efn Sprüchwort und Wahrwort. Das gilt auch vom jüdischen Wisse». Unwissenheit bedeutet Schwäche, Ohnmacht! So gut es ein Unterfihied ist, ob man hundert oder zweihundert Stunden, der Musik, dem Französischen oder Englischen widmet oder nicht, so gut ist das beim fiernen der Fall. Die stille, aber zähe, ausdauernde Arbeit im Lehrsaal tritt freilich nicht geräuschvoll an die Oeffentlichkeit. Und doch leistet^ sie Großes! 1866 prägten die Oesterreichex dqs Wort: „Der preußische Schulmeister hat die Schlacht bei Sadowa gewonnen". Wir Juden kennen schon sehr lange den Schulmeister, der die Schlachten gewinkt. „Auf dem Hauche der Kinder im Lehrhause ruht der Bestand der Welt"; so die Weisen. Ein Hauch wie schwach! Und doch, welche Wirkung! Von König David wird erzählt, er habe über seinem Bette eine Art Aeolsharfe hängen gehabt, und wenn in mitternächtlicher Stunde der Wind durch die Saiten strich, sodaß diese sanft erzitterten, da weckte der süße Klang den König von seinem Schlafe, und ei: stand auf, setzte sich hin und schrieb, während andere der Ruhe pflegten, jene herrlichen Psalmen, die heute noch eine Perle der Weltenliteratur bilden und die weit hinaus über den jüdischen Kreis dringen sollten, um Herzen zu loben und Gemüter zu erbauen. — Auch wir wollesi in der Stille schaffen, wenn andere sich der Ruhe hingeben. Wir wollen uns nicht nachsagen lassen, daß das orthodoxe Judentum nur von säuberlich zusammengestellten Prospekten, tönenden Worten, Abwehr innerer und äußerer Feinde, von imposanten Tagungen und