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Jüdischer Volksbote · 1913-12-01 · 31 (12.1913) · p. Seite 459

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
31 (12.1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 459 (sequence 5)
Language
German
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459 nicht vorhanden, werden unsere Gotteshäuser Holz- und Steingefüge bleiben, die nicht der rechte warme, lebendige Geist erfüllt. Alle äußerenMittel, wozu ich auch die formvollendete Predigt und den geschulten Chorgesang rechne, schaffen da nicht Wandel. Erst uanpn •pnn1? tj'3», führe uns zu Deiner Lehre zurück, dann erst i:a*?o uanpi Tmay1?, kommen wir auch dem Gottesdienste näher. So unsere tägliche Bitte. Wer da offene Augen und Ohren hat, dem braucht man das nicht erst zu beweisen. Geschichte und Erfahrung gelten als die besten Lehrmeister. Wohlan, um fast 2n00 Jahre wollen wir uns zurückversetzen, in die Zeit des Tempeluntergangs. Die Römer hatten durch ihre Legionen wie mit eisernem Gürtel die heilige Stadt umschloffen. Friedensparteien und Kriegsparteien wüteten gegen einander im Innern der Stadt. Da schritt ein Mann im ehrwürdigen Greifenalter dnrch die Tore der Stadt; Rabbi Jochanan den Sakkai war sein Name. Hin zum feindlichen Feldherrn lenkte er den Schritt. Der Römer wähnte in ihm den längst erwarteten Friedensparlamentär, der die endliche Uebergabe der Stadt melden wolle. Doch wie erstaunt war der Feldherr, als von den Lippen Rabbi Jochanans nur die bescheidene Bitte erklang, der Sieger möge auf seinem Zuge die Stadt Jabne verschonen und die dortigen Schulen. Dem Römer schien das gering, er sagte zu ünd ahnte nicht, daß damit der Bestand unserer Nation für immer gewährleistet war. Auch heute bildet Thorakenntnis das Blut, den Lebenssaft, der in des Judentums Adern rollt, der in unserem Volksorganismus zirkulieren' muß. Glaubet auch nicht, daß Literaturvereine u. dgl. ergänzend eintreten könnten. Bei allem Idealismus, der ihnen innewohnt, bei allem Guten, das solche Vereine bewirken, die urwüchsige Kraft und den Universalsegen des eigentlichen Thorastudiums, wie ihn die altjüdische Form des „Limud" bietet, erreichen solche Veranstaltungen nie. Ja, selbst jene vortrefflichen Werke in deutscher Muttersprache, die speziell der Verbreitung von Gesetzeskenntniffen dienen, stellen das „Lernen" als das Höchste, als das Beste und in jeder Art Unerreichbare hin.' Lesen Sie die Vorrede von Hirsch's Choreb, von Stern's „Amude Hagolo", wie herzlich wünschen diese Männer, daß man an der frischen Quelle selbst schöpfe und nicht aus geborstenen Zisternen, mit andern Worten, daß man „lerne". Und jeder soll „lernen", welchem Stande und Berufe er auch angehöre, nicht etwa nur der Lehrer, der Rabbiner. In einer Wüste ward die Thora gegeben, auf freiem Platze, der jedem zugänglich ist, niemandes Eigentum. Das ganze Volk vernahm Gottes Wort, es soll Volkseigentum werden; *n me1? 71a ‘rav all Deine Kinder seien Gelehrte des Ewigen, apr nSnp memo wo yb mx .rnn, die Lehre, die uns Mosche gebot, sei ein Erbteil für die Gemeinde Jakobs. Das Wort „733*? ariden, und Du sollst ste einschärfen Deinen Kindern", macht jeden Vater zu einem Lehrer, alle Kinder zu Schülern, alle Häuser zu Schulen. Unsere Thora ist durch und durch demokratisch, sie will keinen sogenannten Gelehrtenstand, dem ein un-

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