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Jüdischer Volksbote · 1913-10-01 · 30 (10.1913) · p. Seite 451

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
30 (10.1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 451 (sequence 17)
Language
German
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451 lebendigen Tieren genießet, den Namen Gottes nicht lästert. Eure Hände rein haltet vom Unrechten Gute und Gerechtigkeit übet, so bedarf es des förmlichen Uebertrittes zum Judentum nicht, um Euch der ewigen Seligkeit teilhaftig zu machen". Während Rabbon Gamliel sprach, hatte Domitilla Trauben und andere Früchte herbeigeholt, die sie den Rabbinen vorsetzte. .Verzeiht", sprach sie, .daß ich Euch nichts Anderes vorsetze. Wohl habe ich bereits mein Haus nach jüdischer Sitte einrichten lassen; aber ich fürchte, Ihr werdet andere Speisen nicht bei uns genießen, weil wir tatsächlich noch nicht zum Judentum übergetreten sind". Die Rabbinen setzten sich nieder und aßen von den Früchten, welche Domitilla ihnen anbot. Und nun mußte Rabbi Akiba erzählen von Allem, was sich ihm ereignet hatte. Als er von dem Tode seines Lehrers Nachum berichtete, vergoß Domitilla heiße Tränen. .Auch wir haben Schweres erduldet" sprach sie. „Unsere beiden Söhne ..." Tränen erstickten ihre Stimme. „Unsere beiden hoffnungsvollen Söhne" nahm Clemens das Wort „sind in der Blüte ihrer Jugend gestorben. Eine herrliche Zukunft lächelte ihnen. D»- mitian liebte sie und wollte den älteren von ihnen, der seines Vaters Namen trug, adoptieren". „Ich beklage ihr Los nicht", sagte Domitilla, die ihre Tränen getrocknet hatte. „Es ist besser, jung zu sterben, als Kaiser dieses großen Reiches zu sein. Mein Ohm Domitian war einer der bestangelegten Menschen. Als er Kaiser wurde, war es sein heißes Streben, dieses große Reich zu beglücken durch eine gute und kräftige Regierung, durch weise und wohlwollende Gesetze. Und welche Wandlung ist mit ihm vorgegangen I Als er die Regierung antrat, sprach er: Wer den Delatoren seine Verachtung nicht bezeigt, ermuntert sie. — Anfangs verfuhr er nach diesem Grundsätze; aber bald stellte es sich heraus, daß er die Delatoren nicht entbehren konnte. Seit der Empörung des Sartorius Antoninus, des Feldherrn in Germanien, wittert er überall Verschwörungen. Der Gedanke, daß jeder Römer sich berechtigt glaubt, nach dem Purpur zu streben, läßt ihm keine Ruhe. Er muß um die Gunst des Volkes buhlen und für kostspielige Vergnügungen sorgen. Er muß sich die Liebe der Le-

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