Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 30 (10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 452 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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452 i gionäre durch reichlichen Sold zu erhalten suchen. Dai durch werden die Staatskaffen geleert, und um sie wieder j zu füllen, müssen; die Provinzen unter Erpreffungen i leiden und die reichen römischen Bürger werden unter ' nichtigen Vorwänden zum Tode geführt, damit ihr Veri mögen dem Fiscus anheimfalle. Deshalb preise ich das |2og meiner Söhne glücklich, weil sie diesen schrecklichen! Versuchungen durch einen frühen Tod sind entzogen worden". „Ich bewundere", sprach Rabbi Josua „den Edel-! mut Deiner Gesinnung, o Herrin. Du verdienst es, daß!Z)u Dich unter die Fittige der göttlichen Majestät begebest und eine Tochter Juda's werdest". „Laßt uns", sprach Rabbon Gamliel, „von dem Zwecke unserer Reife reden, und von dem, was wir tun können, um den Zorn des Kaisers von uns abzuwenden'. .Die Gesinnung Domitians gegen die Juden zu ändern", sagte Clemens, „liegt nicht im Bereiche der Möglichkeit. Er haßt die Juden, weil sie die Feinde seiner Götter sind, gerade so wie er die Philosophen haßt. Dazu ist in neuerer Zeit noch etwas Anderes gekommen. Man sagt, der schöne Tänzer Paris, der das Weib des Kaisers verführt hat, sei ein Jude gewesen. Mit Bestimmtheit weiß man nichts darüber. Wenn er aus jüdischem Stamme war, so war er sicherlich ein abtrünniger Jude. Allein für Domitian ist das Grund genug, alle Juden zu hassen und auf das Äeußerste zu verfolgen. — Ich kenne nur ein Mittel,;bie Juden zu retten, und dieses einzige Mittel ist: der -Tod des Tyrannen". Clemens hatte mit feierlichem Ernste gesprochen. Entsetzen malte sich auf den Gesichtern seiner jüdischen ^Zuhörer. j „Wenn Gott ihn straft", sprach Rabbon Gamliel, gso werden wir seinen Tod als unsere Rettung begrüßen; aber unsere Hand wird nicht dazu beitragen, jben Tod des Kaisers herbeizuführen. Das Gesetz unseres Gottes verbietet uns die Tötung selbst des grausamsten Herrschers".! „Die Verhältnisse liegen günstig" antwortete Clemens. „Die edelsten und besten Bürger ersehnen nichts heißer, als daß das Mordschwert der Hand des Tyrannen entwunden werde. (Fortsetzung folgt.)