Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 29 (8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 431 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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431 und so die Senatoren und andere hochgestellte Männer in Schrecken und Todesangst versetzte, schmeichelte er dem Volke und den Legionären; den Letzteren gab er doppelten Sold, dem Volke Spiele, Schaugepränge und allerlei Unterhaltungen. Die Mittel dazu mutzten die von ihm confiscirten Reichtümer der Hingerichteten Senatoren bieten. Die ganze Stadt füllte er mit seinen Statuen an, und das Capitol war mit vielen seiner Bilder in vergoldeter Bronce geschmückt. Von allen diesen Statuen war keine so prächtig wie der Reiterkoloß in vergoldeter Bronce, der in der Mitte des Forums und vor dem Tempel der Flavischen Familie errichtet ward. Auf ein hohes Piedestal gestellt, von wo in der Sprache der Poesie sein Haupt bis in den Himmel ragte und auf die glitzernden Dächer der Hallen und Tempel niederschaute, hielt Domitian seine Rechte wie kommandierend vorgestreckt, in seiner Linken trug er eine Figur der Minerva; sein Schwert ruhte friedlich in seiner Scheide, während sein sich bäumendes Streitroß auf das Haupt des gefesselten Rheins trat. Zur Einweihung dieser Reiter-Statue wurden dem Volke großartige Schauspiele veranstaltet und prachtvolle Gastmäler gegeben. Ganz Rom befand sich ineinem Taumel der Lust und der Vergnügungen. Um diese Zeit näherten sich die Weisen Israels der Stadt. Schon aus weiter Ferne vernahmen sie den Jubel der Völksmassen; da standen sie still, und Tränen entstürzten ihren Augen; nur Rabbi, Akiba weinte nicht; ein glückliches Lächeln verklärte sein Antlitz. — Und seine Begleiter sprachen zu ihm: „Warum lachst Du, Akiba?" — Er aber fragte : „Und Ihr, warum weint Ihr?" — Und sie sprachen: „Diese Heiden, die sich vor Bildern bücken und den Götzen Räucherwerk darbringen, die allen bösen und schlimmen Lastern ergeben sind, die von den hohen Zielen des Menschenlebens nichts wissen und nur dem Genüsse sröhnen, leben in Glück und in Sicherheit — wir aber haben das Haus unseres Gottes als einen Schutthaufen gesehen, haben unsere nationale Selbständigkeit verloren, werden von den Feinden unterdrückt und verfolgt und müssen tagtäglich für unser^Leben zittern, und wir sollten nicht weinen?" „Gerade deshalb," antwortete Rabbi Akiba, „freue ich mich. Wenn der allgerechte Gott so viel Gutes Denen erweist, die täglich und stündlich seine heiligen Gebote verletzen, wie viel Schönes und Herrliches hat