Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 29 (8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 452 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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u Vfi. — 428 »nh-naer der objektiven Religion find „die Richtlinien" die Form der Eheschließung und 'Ehescheidung in einzelnen Fällen, derart umwandeln wollen, wie sie eben dieser Ungeheuern Majorität des jüdischen Volkes ungesetzlich und die Reinheil des jüdischen Familienlebens untergrabend erscheint. Nimmt man noch hinzu, daß „die Richtlinien" auch das jüdische Gemeindeleben regeln wollen (deutsche Sprache beim Gottesdienst, Abschaffung der 10 Zahl bei Minjan, Beteiligung der Frauen am Gottesdienst, Religionsunterricht im Geist „der Richtlinie«"» so wird man eS als einen unauflöslichen Wiederspruch finden» wenn „die Richtlinien" versichern, sie wollten die Gemeinderinheit nicht stören. Ohne jegliche Bewertung muß konstatiert werden, daß Richtlinien religio» und historisches Judentum zwii völlig verschiedene Gegensätze sind, theoretisch sind die Richtlinien dem liberalen Protestantismus verwandt, praktisch entbehren sie jegliLerKonsequenr, und in die Tat umgesetzt werden sie zweifelsohne die Judenheit in zwei Konfessionen spalten. Es ist klar, daß die Unterzeichner der Richtlinien für den Bekenner d«S objektiven Judentums keinerlei religiöse VerlrauenSwürdigkeit besitzen. DaS Entstehen »der Richtlinien' hängl letzten Endes damit zusammen, daß die Kultur unserer^^ Zeit den Anhängern der Richtlinien wichtiger erschien und maßgeblicher, als die^M jüdische Kultur, d. h. die Tauroh: sie zu lernen, sie wieder zu ergreifen, mit allem^^ Feuer und aller Glut deren wir fähig, ist der sicherste Schutz gegen derartige Begriffsverwirrung, wie es die Gleichsetzung der Richtlinienreligion mit dem Judentum darstellt. Wenn die Bekenner des objektiven Judentums gewarnt durch „die Richtlinien' aufwachen, sich in unserer „Freien Vereinigung für die Jntereffen deS orthodoxen JudenlumS' zusammenschsießen und wir u»S alle gemeinsam mit verdoppelter Treue um unsere uns von Gott gereichte Tauroh schaaren, dann werden die Richtlinien sich als Segen erweisen, als ein Teil wiener Kraft, die das Böse will, daS Gute schafft! i Nach dem letzte« Referate kannte die Begeisterung der vielhundertköpfigen Versammlung keine Grenzen und lange dauerte es, bis der Sturm des Applauses sich gelegt. Einen besseren Dank dem Referenten zu zollen als' die Versammlung es soeben getan, sei nicht möglich, erklärte Herr Provinzial - Rabbiner Dr. Bamberger. Aber etwas nötige ihn, vor dem offiziellen Schluß doch noch, ein Wort zu sprechen. Die Verwaltung der „Freien Vereinigung" habe beschlossen, an die offiziellen Referate keine Diskussion anzuknüpfen; jedoch habe sich eben ein Verfechter der Richtlinien zu Worte gemeldet. Obgleich in allen Versammlungen der „Liberalen Bereinigung" unseren Freunden das Wort verweigert worden ist, und die^. Herren „Liberalen" einem Zusammentreffen mit Gegnern der Richtlinien^^ überall ausweichen, wollen wir doch nicht den Anschein erwecken, als verfolgten wir auch die gleiche Taktik, darum frage er die Versammelten, ob ~ Richtlinien" das Wort erteilt werden solle. Die Ber- Frage einstimmig. au, Bezirks-Rabbiner in Weil bürg, Unterzeichner das Wors, um das Geisteskind von 64 Rabbinern zu vereidigen, in einer Form, wie das aus den liberalen Versammlungen wohl bekannt ist: Die Orthodoxen seien keine Orthodoxen und hielten den Schulchan-Aruch nicht. ' einem Vertreter der sammlung bejaht die Herr Dr. Land der Richtlinien, ergreift Bei der Schwächte der Argumente und der Hohlheit der Verteidigung, fiel es den Herren Provinzial-Rabbiner Dr. Cahn-Fulda und Dr. Bamberger- Hanau, sowie dem Referenten Herrn Zahnarzt Ehrmann-Verden (Ruhr) nicht