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Jüdischer Volksbote · 1913-08-01 · 29 (8.1913) · p. Seite 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
29 (8.1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 448 (sequence 14)
Language
German
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— 424 - meinem Zimmer. Aber lieber Freund, so plaudert er weiter,: Sie finden auch «ine antike Besomimbüchse bei mir. Kenner hätten solche schon sehr gut bezahlt - aber wie gesagt, wir sind zu religiös, um solche Familienstücke preiszugeben. Aber die Hauptsache darf ich nicht vergessen Von einem Verwandten erhielten wir vor einiger Zeit eine mesiingene Sabbatlampe zum Präsent gemacht. Sie finden dieses Wahrzeichen jüdischen Hauses in meinem Salon, hübsch mit Glühlämpchen montiert und der elektrischen Leitung angeschlossen. — Was wollen Sie mehr!? Wenn ich auch am SchabboS mein Geschäft nicht geschlossen habe, die Zeitverhältnisse und die Konkurrenz bringen dies mit sich — in meiner Wohnung finden Sie bei mir noch alles, wie «» zu Hause war und ganz besonders, 's mag gehev wie eS will, meinen Freitag Abend, auf den bin ich stolz, den lasse ich mir nicht nehmen". — Ta fällt mir die Erzählung jener Bauernfrau ein, die durch langjährige Bekanntschaft mit den Verhältnissen ihres jüdischen Nachbarhauses vertraut war und die gelegentlich einer Debatte über die Religiösität der dort wohnhaften Glaubensgenossen allen Ernste» sagte: Ja aber unser Nachbar ist der frommste Jud im Dorf, der macht noch seinen SchabboS an und wenn er Freitag Nacht um 10 Uhr heimkommt. Bei dem Flimmern der Chaoukahlichter geht uns vieles durch die Seele. Wir haben Ursache zu denken an Vergangenes und an Zukünftiges. Dieses Fest beweist auch, daß das jüdische Familienleben nicht freudcleer, daß es kräftig genug ist, um keines fremden Beiwerkes zu bedürfen und e« ist ein trauriges Zeichen, wenn in jüdischen Häusern Tannenbänme oufgeputzt und nichtjüdische Gebräuche nachgeahmt werden. Was für ein Nachwuchs kann aus solchen Häusern hervorgehen? Was soll aus einer Jugend werden, die dergestalt zu Grunde gerichtet und in der jede jüdische Regung im Keime erstickt wird?! Wohl zuckt der anständige Nichtjude ob solcher Nachäfferei verächtlich die Schulter — aber diese verblendeten Eltern merken das nicht und wenn sie als Pendant zu diesem Treiben, wenn sie, um ä tout prix ihr Judentum zu verleugnen, in allererster Linie zu den Taielgästen der nichtjüdischen Hotels zählen, so merken sie dies auch nicht, oder erst zu spät, wie wenig gern man sie als Tischgenossen sieht, wie man über sie spöttelt und witzelt- — Die Schamröte sollte ihnen ins Gesicht treten, aber diese Eigenschaft ist ihnen längst abhanden gekommen; sie reagieren selbst darauf nicht mehr. Dadurch wird der Antisemitismus großgezogen. «e, wem die ewige Wahrheit, die in diesen Worten enthalten ist, kennen sie nicht und wollen sie nicht kennen. Wenn ihnen die Augen anfgehen oder aufgegangen sind, ist es meistens zu spät. Wer Wind sät wird Sturm ernten! Während der größte Teil unserer Glaubensgenossen seine Vorbereitungen trifft, um den würdig begehen ,u können, sucht ein gewisser Teil die Arbeiten, die Unbequemlichkeiten, die solche Vorbereitungen im Gefolge haben, dadurch zu umgehen. daß er einfach sein Domizil für diese Tage verlegt - fern von Madrid — seinen n==, je. feiert. _ Soweit gesundheitliche Gründe für solches Tun bestimmend sind, ist selbstverständlich nichts dagegen cinzuwenden, aber wenn eS geschieht aus Gleichgiltigkeit, wenn es anfznfassen ist als Flucht vor dem o'*, wenn es geschieht, wie so vieles Andere, — just weils Mode ist — so ist eS dazu geeignet, Familien- und Gemeindeleben zu untergraben.— Wie nimmt sich ein Sederabend in Montreux oder eine n"i-Feier in St. Moritz aus? _ An den hohen _ Festtagen sollte die Parole in erster Linie »Heimat" heißen- Glaube und Heimat gehören da am ehesten zusammen! Es ist eine eigenartige Erscheinung, daß wenn Entbehrungen mit Pflichterfüllung verbunden sind, man häufig versagt- Eine am Unrechten Platz zärtliche Gattin gestattet ihrem Manne nicht den Besuch der Stichaus, aber im strengen Winter, während der größten Kälte, hält sie es für sehr gesundheitsförderlich. Bergtouren, je nach ihrem Temperament, sogar Rodelpartieen zu unternehmen. Da ist keine Morgenstunde zu früh. E« lebe der Sport! Slichaus und Feiertagsstimmung, die gehen in die Binsen. Und wenn etwa an einem Freitag Nachmittag, übermüdet von

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