Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 29 (8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 447 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4903180-5965943-5965985--630-4903772- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
vy — 423 **> düng au segeln verstand, der mit kundiger Hand fest das Steuerruder hielt und mit dem Blitzen seine» Feuergeistes die drohende Dunkelheit weithin erleuchtete, einem Scheinwerfer gleich, den Treugebliebenen den Abgrund zeigte, wohin der Kurs jener Leute führen würde. Un) da erkannten jene würdigen Nachfolger eines im und ci'sm den neuen Führer des schon al« verloren auSgeschrieenen Schiffleins, da erblickten sie Samson Raphael Hirsch S't, der er verstand, ihnen die Waffe aus der Hand zu schlagen, der dem gesetzestreuen Judentume zu seinem Bürgerrechte verhalf. Durch unsere SchabbosauS und Feiertage ist uns ja auch die Pflege des Familienlebens zur angenehmen Pflicht gemacht. Je unangenehmer das wirtschaftliche Leben 'sich gestaltete, je schwieriger der Kampf ums Dasein uns Gesetzestreuen — die eS als Ehre und heilige Pflicht betrachten, am 7. Tage Verdienst und Erwerb ruhen zu lasten — wird, je größer die-Enttäuschungen, die daS geschäftliche Leben im Gekolge hat. mit desto gröberer und innigerer Freude begrüben wir den lieben p=® den Freitag Abend! Wie ein treuer Hausfreund, der nicht lange wegbleiben kan n, kommt er jede Woche immer mit freundlichem Grub, macht uns die Sorgen des Alltagslebens vergeffen und sieht uns vereinigt in unserer Familie traulichem Krei«. Die Sederabende können als vornehmstes Familienfest gelten und üben auch heute noch auf die Lauen ihren Zauber aus. Sie erinnern an die Zeit, da wir noch das Glück hatten, diese Abende in der Umgebung liebevoller Eltern zu verbringen, sie erinnern an unsere Jugend und an die Jugend unseres Volkes und an die unendliche Güte Gottes. SchowuauS und SukkauS sind ebenfalls Familienfeste vornehmer Art. Versuchen wir nun die Türe eines jüdischen HauscS ein wenig zu öffnen und einen Blick hinein zu werfen. ES ist Freitag Abend; freundliche Helle und behagliche Wärme strahlen uns entgegen. Am Tische sitzt die Familie; daS Essen hat wie gewöhnlich gut gemundet. Der Vater macht — die Reaction der anstrengenden Wochentage bleibt nicht auS — sein Schläfchen; ohne ein solche« ist überhaupt ein Freitag Abend nicht gut denkbar. Die Mutter mit weitzem Häubchen geziert, unterhält sich mit den Töchtern über die neueste Geschichte in der jüdischen Zeitung. Die Tante hält ihren vielgeliebten „Zeeno ureno* im Arme; auch sie ist. wie gewöhnlich schon beim Ergreifen dieses Buches in die Arme Morpheus gesunken: die Söhne unterhalten sich mit einem Gast, teils über den Inhalt der morgige» Sidro, teils lauschen sie den Reiseberichten dieses Mannes. - Co dauert dies eine Weile bis ein kräftig angestimmtcr Schir hamaalaus belebend auf Alle wirkt! Heiter und vergnügt als ob man Sorge und Verdruß nie gekannt hätte, singt man jenes uralte schöne Lied, um alsdann mit andächtig gesprochenem Tischgebete den ersten Teil des Abends zu beschließeu. Unweit dieses HauseS treffen wir ein wesentlich größere«! Wir schauen hinein! An dem groben Lustre brennt eine Flamme; die Frau des Hauses, elegant gekleidet sitzt am gedeckten Tisch, in der Hand einen Roman haltend. Sie wartet auf ibren Mann, denn heute ist Freitag Abend und da wird das Essen gemeinscheftlich eingenommen! Hugo bleibt heute etwa» länger aus als sonst; das Geschäft ist zur Zeit etwas lebhafter und auch gestern, als er bestimmt seine Begleitung zur Oper zngesagt hatte, war er verhindert,Wort zu halte» und mußte abtelesoniren, Grete die große Tochter ist heute im Schauspiel und kommt vor U) Uhr nicht zurück. Es ist längst 8 Uhr vorbei; für die Winterszeit schon etwas spät fürs Abendessen und der Magen knurrt bedenklich. — Da. ein kurzes schrilles Läuten — und freundlich tritt der sehnlichft erwartete Gatte herein. — Während nun die Hausfrau ihre „Sabbatlichter" anzündet. ergänzt der zärtliche Gatte die fehlenden Lichter am Lüstre. alsdann macht er sogar Kiddusch und die per Klingel hcrbeicitierte Köchin serviert die Mahlzeit. — ,Ja, — so sagt nämlich Herr X. stets mit besonderem Nachdruck, wir sind noch sehr religiös. Sollten Sie einmal Freitag abend bei mir zu Hause sein. Sie finden die Anzündlichter, wir machen Kiddusch, die Berches dürfen nicht fehlen; selbstredend ist auch das Menü danach. Na aber der schönste Schmuck meines Speisezimmers ist eine wundervolle Menore, die ich von meinem Schwiegervater geerbt habe. O! diese wird in Ehren gehalten und hat den schönsten Platz in