Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1913
- Issue
- 29 (8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 441 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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mit der ganzen Schönheit und Erhabenheit ihres Inhaltes näher zu bringen. Neben der direkten religiösen Einwirkung könnte der Lehrer die Jugend an bestimmten Abenden in Jugendvereinen sammeln, in welchen Vorträge, Diskussion, Spiel und Musik mit einander abwechseln würden. I» Verbindung mit den Jugendvereincn müßten Bibliotheken geschaffen werden. Bei der Auswahl der Bücher 'müßte das Moment bestimmend sein, durch den Inhalt derselben für die angestammte Religiölt zu begeistern »nd in weiterer Folge die Leser und Leserinnen zu aufrichtiger glaubensstarker Betätigung anzueifern. (Vom Verlag der Bibliothek des „Jüdischen Volkssreundes" in. Köln und .Jüdischer Volksfckristenverlag", Frankfurt a. M>; von der Bibliothek sollten auäi die Landbewohner Nutzen haben, die den Segen eines jüdischen Gemeinwesens entbehren müffen. In demselben Sinne wären in Mädchenvereinen mit klubartigem Charakter die jungen Mädchen geistig und gesellig zu Persönlichkeiten zu erziehen. An die jüdischen Abiturienten der höheren Schulen müffen seitens deS Lehrers väterliche freundschaftliche Ermahnungen ergehen, dahin, sich nicht auf den Universitäten von denjenigen beirren zu laffen, die es für taktisch richtiger halten, das Judentum zu verleugnen, ober auch nicht von denjenigen, die das jüdische Volkstum, losgelöst von der jüdischen Religion in jugendlicher Leidenschaft als das zu erstrebende und vertretende Ideal hinstellen. In sozialer Beziehung nun muß und kann der Lehrer ebenfalls seinen Einfluß mannigfach geltend machen. Die erste Etappe aus diesem Teilgebiet der Fürsorge bildet für den Lehrer die B e r u f s f r a g e seiner Schüler. Hier darf der Lehrer keine Zeit, keine Mühe scheuen, um durch entsprechende Einwirkung auf die Eltern, durch Hinweis und persönliche Vorstellungen bei den zuständigen Institutionen <Schomrö Schabbos-Verein, Verband der Sabbatfreunde) den oder die Knaben in den fabbatheiligenden Geschäften unlerzubringen. Eine verständige zartfühlende Vorstellung des Lehrers bei den Eltern der Kinder würde für diese manche Berufsarten erschließen, gegen die heute eine gewisse Abneigung besteht. In diese Kategorien würde Erlernung eines Handwerks gehören, für die Mädchen der ärmeren Klaffen die Ausbildung zum Köchinnen- und Dienstbotenberuf. Töchtern wohlhabender Eltern endlich würde sich nach beendeter Schulzeit durch entsprechenden Hinweis in Mädchenvereinen ein großes Feld sozialer Mitarbeit erschließen. (Armenpflege, Kindergarten, Ferienkolonien.) Das sind die Aufgaben, die die Gegenwart an den jüdischen Lehrer stellt. Ich verkenne nicht, daß Berge von Schwierigkeiten sich vor diesen Ausgaben türmen, aber diese Berge werden abzutragcn sein. Beharrlichkeit wird auch hier zum Ziele führen und wahrlich, dieses Ziel zu erstreben, eine Generation heranzubilden, die aufrichtige Trägerin des jüdischen Glaubens ist, ist eine Arbeit, des Schweißes der Edlen wert. (Lebhafter Beifall.) Um 12 Uhr eröffnet der Vorsitzende mit Dankesworten an den Referenten die Diskussion. Prov.-Rabb. Dr- Bamberger: Beide Referenten fordern, daß der Lehrer «S verstehen müsse, Begeisterung bei seinen Hörern zu wecken und seine eigene Liebe und Begeisterung auf jene zu übertragen. Aber noch etwas spricht mit, und das ist der Takt, den der Lehrer dem Vorstande einerseits und andererseits den Mitgliedern «ntgegenbringen muß. Jenen Takt aber kann man nicht lehren, den kann man nur empfindend sich anerziehen, jenen Takt, der jeden einzeln anders zu behandeln weiß, der die Brücke zu gegenseitiger Harmonie bildet. Ferner hält Redner den Einfluß des LehrerS auf das große Bildungswerk nicht für allein ausreichend, sondern 'ordert auch die intensive Mitarbeit der LehrerSsrau. Diese muß im Kreis der Frauen zu Ivirken suchen, in dem Kreise, dem doch die eigentliche Erziehung der kommenden Generation obliegt. Er sieht in gemeinschaftlichen i'in-Kursen der Damen in gemeinschaftlicher Besprechung der Ausübung der me eine äußerst wertvolle Förderung deS jüdischen Lebens. Ferner fordert er den Eintritt aller derer, die in städtische Geschäfte gehen, in den '-Lie-Verein. aber auch den derer, die kein