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Jüdischer Volksbote · 1913-08-01 · 29 (8.1913) · p. Seite 440

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1913
Issue
29 (8.1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 440 (sequence 6)
Language
German
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V; - i — 416 — wird, gleich angeschlossen werden soll, oder ob über beide getrennt diskutiert werden soll. Mit Stimmeneinheit beschließt die Versammlung, erst das zweite Referat anzuhören und sodann in eine gemeinschaftliche Diskussion einzukreten. Es erhält Herr Lehrer und Prediger Katzenstein-Wetzlar das Wort zu seinem Referate Ueber die Mitwirkung des Lehrers bei der Fürsorge für die schulentlassene Jugend. Mir ist die ehrenvolle Aufgabe zuieil geworden, heute vor Ihnen über das Thema: »Was kann der geseyestreue jüdische Lehrer für die schulentlaffene Jugend tun' zu referieren. Aus der Not der Zeit geboren, hängt diese Frage mit den allgemeinen Fürsorgebestrebungrn für die Jugend eng zusammen. Aehnliche Gründe^ difür die allgemeinen Jugendpflege-Bestrebungen bestimmend gewesen^-, haben auch matz- und tonangebende jüdische Stellen veranlaßt, ihr Augenmerk a>i^^ die schulentlasiene Jugend zu richten. Das »moderne Leben' hat auch das einst vorbildliche jüdische Familienleben gelockert, das Elternhaus wird leider dem religiösen Teil der Erziehung sticht mehr vollauf gerecht und der jüdische Religionslehrer sieht - sich eines wertvollen Mitarbeiters beraubt. Gleichgültigkeit, Unwisienhcit, Mangel an Verantwortlichkeits» Und Gemeinschaftsgefühl bedrohen das Erbe unserer Väter. Die Wurzeln für eine gedeihliche geistige und soziale Arbeit an der schulentlaffenen Jugend liegen aber in der Schule. Die Schule darf nicht nur Unlerrichtsanstalt sein, sondern auch Erziehungsanstalt. Nicht auf die Qilanlität, sondern auf die Qualität des zu Bietenden kommt es an. Nicht nur Arbeit für den Kopf, sondern auch für das Herz und das Gemüt. Im Herzen entspringen die bösen »nv guten Triebe, die die Richtung unseres Willens bestimmen. Die Belehrung muß unterstützt werden durch das einwandSfreie von wahrem Idealismus und liebevoller Hingebung getragene Beispiel de» Lehrers und durch Uedung seitens der Schüler. Auch sittliche Fähigkeiten un» Tugenden können wie technische Fertigkeiten nur durch Uebung erreicht werden. Praktische Anleitung zur Gebetübung, zum Besuch des öffentlichen Gottesdienstes, zur Pflege der Sabbatruhe usw. sei geboten. Ein solcher Unterricht, wird ein guter vorbereitender Boden auch für die Erziehung an der schulentlaffenen Jugend; er wird hie Schüler in freundschaftlichem Verhältnis zum Lehrer belassen und diesem die Möglichkeit eines weiteren erziehlichen EinfluffeS geben. Was kann nun der gesetzestreue jüdische Lehrer für die schulentlaffene Jugend tun? Oberstes Ziel und Endzweck muß bleiben, Menschen zu erziehen, die, innerlich gefestigt, stark genug sind, daS Wort zur Wahrheit zu machen: »WaS du ererbt vo^x deinen Vätern hast, erwirb eS, uui es zu besitzen', die daS Erbe ihrer Väter vek»J leidigen durch tätiges rühriges Beispiel, für eS wirken durch Wort und Schrift. Daher wird es die nächste Aufgabe de« Lehrers gegenüber der schulentlaffenen Jugend sein» die erworbenen Schulkenntniffe zu vertiefen, auf eine umfangreichere praktische Betätigung des Gelernten zu zielen und das religiöse Wiffen zu erweitern. Praktisch würde sich diese» vielleicht in Form eines Fortbildungskursus - ich denke dabei in erster Linie an die höhere Schulen besuchenden Schüler einer Religionsschule natürlich »nter Vermeidung jeder Bürokratie - erreichen laffen. Wo solche nicht zustande zu dringen find, z. B. wegen mangelnder Beteiligung oder mangelnden Interesses müßte der Lehrer den Eltern, bei denen er Entgegenkommen und Verständnis voraaSsetzen darf, den Vorschlag machen, ihre Kinder in Privalstunden im jüdischen Wiffen forttilden zu laffen. Die erwerbstätige schulentlaffene Jugend wäre insbesondere an Sabbaien und Freitagabenden durch regelmäßiges Lernen für religiöse» Leben zu tegeistern und zum Selbststudium anzuregen. iRaschi, Dinim, Tenach würden nächstgeeigneten Stoff bilden». Knaben und Mädchen gemeinsam sollte der Lehrer durch Vorträge mit der jüdischen Geschichte und Ltteratur bekannt machen; au» wären diesen, diejenigen Gebete, zu deren eingehenden Behandlung die Schule keine Zeit ließ»

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